Recklinghausen-Suderwich. Es kommt darauf an. Wann wird sie verzehrt, wo und wie wird sie produziert, wie wird sie transportiert und worin wird sie verpackt?
Tomaten sind mit Abstand das beliebteste Gemüse in Deutschland. Es ist kalorienarm, vielseitig einsetzbar und hat viel Vitamin C, Kalium, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Es gibt über 10.000 Sorten, so schätzt man. In den Handel kommen allerdings meist nur etwa 10 Sorten. Die Tomate ist sehr anspruchsvoll, sie braucht viel Wasser, Licht und Temperaturen zwischen 18 und 22°C. Zudem ist sie empfindlich gegenüber Regen, Wind und hoher Luftfeuchtigkeit und ist nur kurz lagerfähig.
Deutsche Tomaten von Frühjahr bis Herbst
Im Garten oder auf dem Balkon können wir Tomaten selbst anbauen und von Juli bis September saisonal ernten. Im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt ist das komplett anders: Tomaten werden das ganze Jahr in großen Mengen je nach Jahreszeit zu sehr unterschiedlichen Preisen angeboten.
Im Freiland werden Tomaten hierzulande kaum angebaut, denn dafür ist es meist nicht sonnig genug, zu kalt oder zu feucht. Tomaten werden beinahe ausschließlich in Gewächshäusern angebaut, hier können die Ansprüche der Pflanzen gut erfüllt werden. Lampen ergänzen das Sonnenlicht und Heizungen die Sonnenwärme.
Die Pflanzen werden in Substrat, auf Steinwollmatten oder anderen Materialien angebaut. Ein Vorteil des Anbaus in Gewächshäusern sind hohe und vorhersehbare Erträge. Die Gewächshaus-Saison in Deutschland endet in der Regel Ende November. Dann werden die Gewächshäuser komplett geräumt und im Januar neu bepflanzt, so dass ab März wieder erste Ware zur Verfügung steht. Das größte Angebot deutscher Tomaten findet man in den warmen und hellen Monaten von Ende Mai bis Ende September.
Trotz der wachsenden Anbauflächen für Tomaten in Deutschland kann die heimische Produktion unseren Bedarf nicht decken. Nur 13 % der hierzulande verkauften Tomaten stammen aus Deutschland. Fast der gesamte große Rest der Frischware wird aus den Niederlanden und Spanien nach Deutschland importiert.
In den Monaten März bis Oktober ergänzen niederländische Tomaten das knappe deutsche Angebot, da die Anbaubedingungen vergleichbar sind.
Tomaten aus dem Mittelmeerraum
Vor allem in den kalten Monaten importiert Deutschland den größten Anteil seiner frischen Tomaten aus dem Mittelmeerraum, überwiegend aus Spanien. Hier erfolgt der Anbau in der Regel in Folien-Gewächshäusern.
Aufgrund der wärmeren Temperaturen muss man hier nicht heizen. Deswegen schneiden die spanischen Tomaten beim Energieverbrauch und somit in der die CO2-Bilanz im Winter besser als Tomaten aus den hiesigen beheizten Gewächshäusern ab. Und das, obwohl sie über weite Strecken per LKW transportiert werden. Also alles gut?
Nein, denn hier gibt es ein anderes Problem: Tomatenpflanzen brauchen viel Wasser und auch die Tomate selbst besteht zu 94 % aus Wasser. Die meisten spanischen Tomaten kommen aus der sehr trockenen Region von Almería im Süden Spaniens. Die Wassersituation in solchen trockenen Regionen ist in verschiedener Hinsicht problematisch. Das Wasser stammt meist aus Tiefbrunnen - die teilweise sogar illegal angelegt werden, wie Medienberichte zeigen konnten. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel drastisch und kann sich nicht mehr erholen. Brunnen in Meeresnähe versalzen zunehmend durch eindringendes Salzwasser. Inzwischen wird deshalb verstärkt auf Wasser aus Meerwasserentsalzung gesetzt, was wegen des hohen Energieverbrauchs ebenfalls umstritten ist. Immer wieder wird auch über die schlechten Arbeitsbedingungen von Arbeiter:innen in diesen Ländern berichtet.
Unterschied von Bio-Tomaten zu konventionellen Tomaten?
Elf Prozent der in Deutschland angebauten Tomaten stammen aus dem Bio-Anbau. Der Anbau von Bio- und konventionellen Tomaten unterscheidet sich nicht sehr stark. Auch bei „Bio“ spielt der Freilandanbau keine nennenswerte Rolle. In der EU-Öko-Verordnung ist das Beheizen von Gewächshäusern nicht geregelt. Bei den meisten Bio-Anbauverbänden gilt jedoch: Gewächshäuser dürfen im Winter nur frostfrei gehalten werden.
Die Tomaten werden deshalb später gepflanzt und benötigen weniger Heizenergie – allerdings bedeutet das auch geringere Erntemengen. Es werden mitunter auch robustere Sorten verwendet, die aber weniger Ertrag bringen. Im Gegensatz zu konventionellen Tomaten müssen Bio-Tomaten in Erde angebaut werden und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sind verboten. Das wird auch bei den Pestizidrückständen deutlich: Bio-Tomaten haben in der Regel keine Pestizidrückstände. Aber auch in konventionellen Tomaten aus Deutschland werden im internationalen Vergleich seltener und weniger Pestizidrückstände nachgewiesen.
Nachhaltig entscheiden und einkaufen
Hierzu die Verbraucherzentrale NRW: Eine nachhaltige Entscheidung zu treffen ist nicht immer leicht, denn Nachhaltigkeit hat viele Dimensionen.
(Siehe auch unseren Bericht vom 3. 10. 2020; https://www.nak-sbw.de/db/7827407/Startseite/Der-SBW-Tipp-Tomaten-fuer-den-Winter-haltbar-machen
Quelle: Tomaten: Gemüse aus dem Gewächshaus | Verbraucherzentrale NRW
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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