Recklinghausen-Suderwich. Wir haben uns daran gewöhnt – überall und jederzeit zu zahlen und sich Bargeld zu beschaffen, mit Karte oder Smartphone. Leider kann es dabei auch zu Problemen kommen. Nicht immer sind technische Störungen die Ursache. Manchmal vertrauen wir darauf, dass unser „Plastikgeld“ von Jedem und in jedem Land akzeptiert wird. Diebstahl oder eine nicht vorhergesehene Kartensperre können gleichfalls der Grund für Ebbe in der Reisekasse sein.
Unser Autor – langjährig bei einer Sparkasse beruflich tätig gewesen – gibt nützliche Hinweise.
(1) Bares ist Wahres
Ernsthaft? Ja. Du solltest dich nicht nur auf deine Kreditkarte verlassen. Bargeld geht immer. Sogar jetzt wieder – gesetzlich neu verankert – in Schweden! Und da wird Bargeld an sich nur noch für etwa 10 % aller Zahlungsvorgänge benutzt. Zumindest mit einer kleinen Bar-Reserve kannst du notfalls Lebensmittel einkaufen oder eine Fahrkarte erwerben.
Informiere dich umfassend vor Antritt einer Auslandsreise, ob am Zielort die Händler deine – leider immer von den USA abhängige – Visa- oder Mastercard akzeptieren. Das ist selbst in Touristen-Zentren nicht immer selbstverständlich. Und nicht jeder Geldautomat im außereuropäischen Ausland spuckt bei Einsatz der beiden genannten Kartensysteme Bargeld aus.
Wenn du nicht sicher bist, ob und wie du am Urlaubsort leicht und preiswert Bargeld beschaffen kannst, dann kaufe schon zuhause bei deiner Bank oder Sparkasse Devisen. Aber mach das frühzeitig. Devisen müssen von deinem Bankberater in der „Zentrale“ bestellt werden. Bis zur Auslieferung an die von dir besuchte Geschäftsstelle kann das ein paar Tage dauern.
Kläre vorher, ob es in deinem Zielland Beschränkungen bei Ein- und Ausfuhr von Bargeld gibt.
Und dann achte bei deiner Reise auf sorgfältige Aufbewahrung des Bargelds. Größere Beträge gehören in den Hotelsafe. Am Körper nicht alles an einer Stelle unterbringen. Zugriff auf offene oder leicht zu öffnende Taschen verhindern. Selbst eine Hosentasche, die mit Reißverschluss bzw. Knopf geschlossen ist, ist kein Problem für Langfinger. Die schlitzen die Tasche von dir unbemerkt mit einem Cuttermesser auf und bedienen sich. (Erfahrung des Autors bei Aufenthalt in Budweis: Umhängetasche der Gattin abgeschnitten. Sie hat’s erst erfahren, als Zeugen sie aufmerksam machten. Zu spät. Geld, Karten, Ausweise, Führerschein, Auto- und Hausschlüssel weg.)
Brustbeutel oder hinter dem Hosenbund versenkte Gürteltaschen sind eine Lösung. Vorsicht im Bahnhof, Flughafen, am Strand! Geld sicher am Körper verwahren!
Wenn du dich im Ausland an einem Geldautomaten mit Bargeld versorgen kannst, achte auf Angaben zur Abrechnung: in Euro oder in Landeswährung. Entscheide dich für „Landeswährung“. Dann wird in Deutschland umgerechnet – meist günstiger und bei geringeren Gebühren.
(2) Girocard
Das ist die Standardkarte, früher „EC-Karte“, ein eigenständiges und unabhängiges Bezahlsystem der Banken und Sparkassen in Deutschland – als „physische“ Karte (aus Plastik) oder digital im Smartphone. Gibt es automatisch bei der Eröffnung eines Girokontos. Rund 100 Millionen sind davon in Deutschland in Umlauf. Nutzbar an über 1.200.000 Terminals in Deutschland, am „Geldausgabeautomaten“ GAA) oder am „Point of Sale“ (Kasse im Supermarkt oder beim Bäcker) – mit über 8.000.000.000 Transaktionen jährlich.
Im Ausland vor allem dort nutzbar wo sich häufig viele Deutsche tummeln, in Europa in fast allen Ländern. Einmal geht die Abrechnung über das Kartenmerkmal „girocard“. Dort, wo diese Abrechnungsform im Ausland nicht akzeptiert ist, hilft das „Co-Badge“ weiter, das evtl. zusätzlich zum Merkmal „girocard“ auf deiner Karte aufgedruckt ist. (Siehe die Hinweise auf dem Foto zu diesem Beitrag.)
Zusätzlich muss die 16-stelligen Kartennummer (Primary Account Number, PAN) mit dem dreistelligen Sicherheitscode auf der Rückseite der Karte aufgedruckt sein, damit Co-Badge funktioniert.
Hinter dem Co-Badge können Visa, Mastercard, Maestro, V-Pay stecken, über die dann verrechnet wird. So kannst du in vielen Ländern auch Bargeld am GAA bekommen und inzwischen auch oft beim Händler vor Ort und im Internet zahlen.
Zu dieser Abrechnungsvariante haben sich die europäischen Banken entschieden, weil z.B. Maestro für seine Karten die Nutzung im Ausland abgekündigt hat. (Und vielleicht machen das die anderen Amerikaner ebenso – wer weiß das schon in diesen unsicheren Zeiten.) Ausnahmen: Einige Banken, darunter die Deutsche-Bank-Gruppe mit Postbank und Norisbank, haben mit Maestro vereinbart, dass sie weiter Girocard-Maestro-Karten ausgeben dürfen. Das Maestro-System auf diesen Karten gilt bis zum Ablaufdatum.
Allerdings: Für Transaktionen können Gebühren anfallen, die dir mit der Währungsumrechnung angelastet werden. Die Höhe solltest du vor Antritt deiner Reise klären und ggf. doch kleinere Beträge bar zahlen. (Anmerkung: Der Autor hat in Dänemark am Eisstand mit Karte gezahlt – und sich doch sehr über die angefallenen Gebühren gewundert.)
(3) Mastercard + Visa
Gut klappt es weltweit mit Kreditkarten der beiden großen Zahlungsdienstleistern Mastercard und Visa. In den meisten Regionen, die ständig Reisende aus Europa sowie Nord- und Südamerika sehen, kannst du damit bezahlen, zumindest bei größeren Handels- und Hotelketten, in Restaurants, bei Autovermietungen und Verkehrsunternehmen. Die Bargeldbeschaffung am GAA funktioniert dort zumeist auch.
(4) Die Kreditkarte
Ein Kreditkartenvertrag ist nicht automatisch Teil der Eröffnung eines Girokontos und wird separat mit deiner Bank geschlossen. Die Bank ist nicht Ausgeber der Kreditkarte. Über sie werden nur Nutzungen der Kreditkarte abgerechnet. Die Kartenausgeberin bucht alle von dir in einem Monat getroffenen Verfügungen (am GAA, am Point-of-Sale, im Online-Handel) meistens am Anfang des Folgemonats von deinem Girokonto ab - zinsfrei. Dafür kostet die Ausgabe der Karte einmalig eine Gebühr, unterschiedlich hoch – je nach Leistung, die zusätzlich mit der Karte verbunden ist.
Die Kreditierung kann auch „echt“ oder „revolvierend“ vereinbart sein. Im ersten Fall bekommst du nach einem Monat eine Aufstellung der Belastungen – abgebucht wird von deinem Konto nichts. Die Kreditierung kann solange auflaufen, wie das dir bewilligte Limit reicht. Dann musst du zahlen. Aber Vorsicht! Diese Kreditierung ist extrem teuer. Zinssätze von bis zu mehr als 20 % p.a. sind die Regel.
Bei dem „revolvierenden“ Modell zahlst du das ausgegebene Geld in Raten zurück. Ist ebenso teuer. (Der Autor rät immer wieder von der Nutzung eine Kreditkarten-Kredits ab und empfiehlt sehr, die in einem Monat aufgelaufenen Belastungen bei Fälligkeit komplett auszugleichen. Eine Überziehung des Girokontos ist deutlich billiger als die Abzocke durch die Kreditkartenausgeber.)
Viele Kreditkarten werden ohne Beteiligung deiner Bank oder Sparkasse verteilt – kostenlos. Du bekommst sie nachgeworfen von Advanzia („Gold Gebührenfrei“), ADAC, IKEA und anderen. Dahinter stecken Kartenausgeber, die darauf setzen, dass du Verfügungen nicht zeitig ausgleichst und sie mit ihren horrenden Zinsen mästest.
Das Thema ist noch nicht erschöpfend behandelt. Wenn du mehr wissen willst – in der nächsten Woche setzt der Autor den Beitrag fort.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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