Recklinghausen-Suderwich. Zwei wichtige Aspekte bei Adipositas sind noch die Abnehmspritze und die Magenverkleinerung. Beide sind nicht ohne ärztliche Indikation durchzuführen. Was es damit auf sich hat, wollen wir mit diesem Artikel klären.
Abnehmspritze
Diese Mittel sind in der EU zugelassen: Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid. Sie wirken ähnlich. Sie ahmen Hormone nach, die unser Körper nach dem Essen ausschüttet und durch die wir uns satt fühlen. Wegovy (Semaglutid) ist von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Behandlung von Adipositas für alle Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 zugelassen.
Für Menschen mit einem BMI zwischen 27 und 30 soll Wegovy nur verschrieben werden, wenn sie an mindestens einer Krankheit leiden, die durch das Übergewicht verursacht wird, etwa Bluthochdruck oder Diabetes. Die Richtlinien gelten für jede Abnehmspritze. Ausnahme: Ozempic darf nur übergewichtigen Menschen verschrieben werden, die Typ 2-Diabetes haben. Diese drei in der EU erhältlichen Abnehmspritzen führen bei Menschen mit schwerem Übergewicht zu deutlichen Gewichtsabnahmen, wenn sie außerdem mehr Sport treiben und sich kalorienärmer ernähren.
Wichtig: Der Effekt hält nur an, solange der Wirkstoff regelmäßig gespritzt wird.
Der Gewichtsverlust erfolgt prozentual, das heißt: Am meisten nehmen diejenigen ab, die sehr viel Übergewicht haben. Abnehmspritzen sind daher nicht geeignet für Menschen mit Normalgewicht. Wenn die Behandlung beendet wird, nimmt man wieder zu. Trotzdem wird die sogenannte "Abnehmspritze" von einigen normalgewichtigen Prominenten gehypt. Problematisch ist auch das sogenannte „Ozemic Face“. Bei Personen, die schnell viel abnehmen, kann sich die Haut nicht immer zurückbilden. Das Gesicht sieht faltig und alt aus und die Haut an Armen, Beinen und Bauch hängt schlaff herunter.
Nebenwirkungen
Die Mittel führen häufig zu Übelkeit und Erbrechen, manchmal auch zu Durchfall oder Verstopfung. In der Regel werden die Beschwerden mit der Zeit geringer. Deswegen beginnt die Behandlung mit einer geringen Dosis, die dann Schritt für Schritt gesteigert wird. Einige Personen brechen die Therapie deswegen ab. In seltenen Fällen kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen, wie Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Nierenproblemen, Darmverschluss, Gallenwegserkrankungen, Sehstörungen oder einer allergischen Reaktion.
Die Abnehmspritze wirkt allerdings nur dann sehr gut, wenn sie durch ausgewogene Ernährung und Bewegung ergänzt wird.
Magenverkleinerung
Die Magenverkleinerung ist eine risikoreiche OP. Die so genannten bariatrischen Operationen schränken das Fassungsvermögen des Magens ein, so dass nur noch sehr kleine Portionen gegessen werden können. Die Eingriffe haben auch positive Auswirkung auf den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel. Die Eingriffe werden in Vollnarkose laparoskopisch durchgeführt, mit langstieligen Instrumenten über kleine Bauchschnitte. Die OP ist nicht risikofrei, denn starkes Übergewicht erhöht das Narkoserisiko und Atemprobleme können auftreten. In den Wochen vor der OP muss abgenommen werden, damit die Leber schrumpft und eventuellen Komplikationen vorbeugen. OP-Risiken sind Thrombose, Infektionen oder Nachblutungen. Nach Bauch-OPs kann es auch langfristig zu Verwachsungen und Eingeweidebrüchen (Hernien) kommen.
Nach der OP
Erst mal können die Operierten nur Flüssignahrung zu sich nehmen. Ganz langsam wird der Magen dran gewöhnt, mehr Nahrung aufzunehmen. Dabei gilt es Regeln zu beachten, die man in der begleitenden Ernährungsberatung lernt, langsam essen, gut zu kauen, Flüssigkeit vor und nach dem Essen, kleine Mahlzeiten, proteinreiche Kost, Zucker vermeiden. Außerdem muss man lebenslang bestimmte Vitamine und Spurenelemente einnehmen und regelmäßig zur Blutabnahme.
Nebenwirkungen
sind sogenannte Dumping-Syndrome. 30 Minuten nach dem Essen gelangt Nahrung in den Dünndarm, der Blutdruck fällt. Die Folgen sind Benommenheit, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen, Schwitzen. Aus diesem Grund sollten die Ernährungsregeln genau eingehalten werden. Weißmehl, Fett und Zucker können auch Übelkeit und Sodbrennen produzieren. Da der Körper wichtige Vitamine und Spurenelemente nicht mehr ausreichend aufnehmen kann, muss man diese lebenslang einnehmen, außerdem auf Bewegung und proteinreiche Ernährung achten. Wenn Operierte wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen und mehr essen, kann der Magen sich ausdehnen, und es kommt zu einer erneuten Gewichtszunahme.
Vorteile
Der Gewichtsverlust wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus, Fettleber, Schlafapnoe verbessern sich, ebenso die Blutfettwerte und somit wird das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Arteriosklerose gesenkt. Die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen geht zurück. Diabetes Typ geht zurück, kann sogar ganz zurückgedrängt werden. Das Hormonsystem reguliert sich und bringt vieles im Körper wieder ins Gleichgewicht.
Voraussetzungen
Keine gesundheitlichen Einschränkungen wie Schilddrüsenunterfunktion. Die Bereitschaft mitzuwirken, sich gesund zu ernähren und sich zu bewegen sowie keine instabile psychische Erkrankung.
(Quellen: ARD – Quarks I Gesund)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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