Recklinghausen-Sudderwich. In dieser Serie erschienen bisher folgende Beiträge: Grundsätzliche Betrachtung zur Ernährungssicherheit; Bäume als Wasserspeicher; klimaresistente Ackerböden; bedrohte, weltweit angebaute wichtige Nutzpflanzen sowie klimagerechte exotische Nutzpflanzen (Hirse, Chia-Samen, Algen).
(11) Augenbohnen
Man nennt sie in Afrika, Indien und Brasilien – da werden sie kultiviert – auch Kuhbohne, Schlangen- oder Schwarzaugenbohne. Diese Hülsenfrucht ist auch bei uns erhältlich. Mit über 20 Prozent Eiweißanteil gelten sie als Super-Proteinquelle – von Profi-Sportlern geschätzt. (Sie fördern die Zunahme von Muskelmasse und stärken die Knochen.).
Gut, vielleicht nicht dein Ding, aber: „Ihr zarter nussiger Geschmack, der an junge dicke Bohnen oder Wachsbohnen erinnert, harmoniert mit zahllosen Lebensmitteln und ist daher kulinarisch endlos einsetzbar.“ Genießbar auch als Bratling und gebacken als Beilage zu Fleisch der Fisch. So zu lesen bei EDEKA. Mehr dazu unter https://t1p.de/divrd.
Die einjährigen Pflanzen haben eine tiefe Pfahlwurzel, die schon wenige Wochen nach der Saat 2 bis 3 Meter tief reichen kann. Hitze und Trockenheit vertragen sie gut, Frost dagegen nicht. Niedrige Temperaturen verlangsamen das Wachstum. Auch in trockenen Lagen liefert die Bohne noch Ertrag.
(12) Erdnüsse
Klar, kennen wir alle. Gedeihen in den warmen Gegenden in Westafrika, China, Indien, Nord- und Südamerika. (Jimmy Carter, der 39. US-Präsident, war Erdnuss-Farmer.)
Erdnüsse sind sehr gesund, ein regelrechtes Superfood, eine prima Eiweißquelle und liefern wertvolle Vitalstoffe. Sie senken deinen Cholesterinspiegel, wirken sich positiv auf deine Gefäße aus, haben einen Fettgehalt von 48 % und helfen dir trotzdem beim Abnehmen. (Naja, kommt drauf an, was du sonst so futterst.)
Die University of Houston/Texas führte mit übergewichtigen Jugendlichen eine Studie durch, in der die Schüler mit Hilfe einer gesünderen Ernährung und mehr Bewegung Gewicht verlieren sollten. Die Hälfte der Schüler erhielt dabei u. a. drei- bis viermal wöchentlich einen Erdnuss- oder Erdnussbutter-Snack – und zwar immer direkt nach der Schule, bevor die Kinder in den Bus nach Hause stiegen. Die andere Hälfte erhielt diesen Snack höchstens einmal pro Woche.
Nach 12 Wochen sollten die Schüler weitere 12 Wochen die neuen Ernährungsgewohnheiten beibehalten. Es zeigte sich anschließend, dass jene Kinder, die die Nüsse gesnackt hatten, doppelt so viel Gewicht abnehmen konnten als die, die das nicht taten (und stattdessen vermutlich irgendetwas anderes genascht hatten.
Zu bedenken ist: Die Gefahr von Allergien ist im Vergleich zu anderen Nahrungsmitteln hoch.
Zurück zum Thema. Erdnusspflanzen bilden zahlreiche Seitentriebe an der Stengelbasis. Nach Befruchtung senken sich die Blüten zur Erde und bilden in den Boden wachsende Fruchtstiele. Daran wachsen die Erdnüsse. (Botanisch übrigens keine Nuss sondern eine Hülsenfrucht.)
Die Pflanzen stellen keine hohen Ansprüche an den Boden. Für das Wachstum sind 25 bis 30 °C optimal. Sie Pflanze überstehen auch Dürrezeiten – wenn auch mit Einbußen bei Hülsenansatz und Samenentwicklung. Etliche Sorten benötigen nur wenige Monate bis zur Reife. Welche Sorten auf welchen Böden aber am besten sind oder wann sie am besten zu säen sind, ist noch unklar, sagen Forscher aus Bayern.
(13) Sesam
Kennst du als Sesamstange für deinen Wellensittich? Okay, aber nicht zu viel. Sesamsamen enthalten bis zu 60 % Öl (in Mengen nicht gut für kleine Vögel!), 30 % Eiweiß, Vitamin E, Folsäure, B-Vitamine, besonders Niacin, Magnesium, Kalzium und Phosphor.
Sesamöl selbst besteht zu 87 % aus ungesättigten Fettsäuren. Diese wiederum setzen sich zur Hälfte aus einfach ungesättigten Fettsäuren und zur anderen Hälfte aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren zusammen, vor allem aus Omega-6-Linolsäure. Die wirkt positiv auf den Cholesterinspiegel und ist Bestandteil der menschlichen Haut sowie der Darmschleimhaut.
Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren macht das Lecithin im Sesamöl besonders gut für den Stoffwechsel verwertbar. Lecithin sieht die Forschung als Schlüsselbaustein der Zellmembranen, verhindert deren Verhärten und gewährleistet so einen reibungslosen Austausch zwischen den Zellen.
Lecithin ist wichtig für die Emulgierung und Aufnahme der Nahrungsfette, beugt Gallensteinen vor und kann vom Gehirn bei Stress als Energiequelle genutzt werden. Sesam, das kleine Korn mit großer Wirkung!
Die ölreichen Samen verfeinern Backwaren oder werden als Sesamöl zum Kochen verwendet, aus gerösteten Samen gepresst auch als Würze.
Mit etwa 900 Kalorien pro 100 Milliliter gehört Sesamöl zu den energiereichen Speiseölen und sollte in Maßen verwendet werden.
Das Öl wird auch bei der Körperpflege genutzt. Es befeuchtet die Haut, dient als Anti-Aging-Pflege und verblasst dunkle Flecken auf der Haut. Es regeneriert geschädigte Haut, stärkt die Nägel. In der Haarpflege reduziert das Öl Schuppen, lindert Juckreiz und Irritationen, nährt das Haar intensiv.
Die krautige Pflanze, ursprünglich in Indien Zuhause, wird weltweit in subtropischen bis tropischen Gegenden angebaut. Sesam wird seit tausenden Jahren genutzt und gehört zu den ältesten Nutzpflanzen auf unserer Erde.
Nach der Saat der Samen brauchen die einjährigen Pflanzen mehrere Monate zum Wachstum, erreichen dabei eine Höhe von bis zu 150 Zentimeter. Die Blüten ähneln dem hier bekannten „Fingerhut“. Nach der Bestäubung bilden sich Samenkapseln, in denen die Sesamsamen reifen. Problem: sobald die Samen reif sind öffnet sich die Kapsel – und zwar nicht alle gleichzeitig! – und die Samen werden weit verstreut. Deshalb erntet man zeitig und reift die Kapseln kontrolliert nach, um so die Samen sammeln zu können.
In Bayern untersucht man zurzeit, ob sich bestimmte Sorten vor dem Hintergrund der Klimaänderung für den großflächigen Anbau in Mitteleuropa eignen. Sorten, die auf heimischen Äckern getestet werden, kommen aus Portugal, Bulgarien, Indien, Iran oder Jemen.
Auch hier zu bedenken: Sesam kann es starke Allergien auslösen.
(Quelle: Verbraucherzentrale, https://www.iva.de, https://www.zentrum-der-gesundheit.de, https://www.mooijer.nl/de )
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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