Recklinghausen-Suderwich. In dieser Serie erschienen bisher folgende Beiträge: Grundsätzliche Betrachtung zur Ernährungssicherheit; Bäume als Wasserspeicher; klimaresistente Ackerböden sowie bedrohte, weltweit angebaute wichtige Nutzpflanzen. Hier geht es nun um klimagerechte exotische Nutzpflanzen.
Welche Nutzpflanzen werden mit fortschreitendem Anstieg der Durchschnittstemperaturen und Veränderung der Wasserversorgung künftig in Europa ausreichend Ertrag zu vertretbaren Kosten bringen können?
Die Universität Halle/Saale experimentiert im Rahmen des Projektes „Zukunftsspeisen“ mit Pflanzen aus wärmeren Regionen, die auch bei uns gedeihen könnten.
(9) Hirse und Chia-Samen
Dazu berichtete die Agrarwissenschaftlerin und Projektleiterin Urte Grauwinkel:
(10) Algen
Algen enthalten viele Nährstoffe und gelten als nachhaltige Biomasse, so Jörg Ullmann, Biologe und Geschäftsführer der größten deutschen Algenfarm in Sachsen-Anhalt. Sie benötigen zum Wachsen nur Stickstoff, Phosphor, Kalium, einige Mikronährstoffe und Kohlendioxid. Auf Pestizide oder Antibiotika können man hier verzichten.
„Die Biomasseerträge sind deutlich höher als mit allem, was wir so aus der Landwirtschaft kennen“, sagt Ullmann. Bei höherer Nährstoffdichte als in fast allen anderen Lebensmitteln seien Algen sehr gesund und schmackhaft. Man könne sie vielen Lebensmitteln beimischen, wie in Smoothies, Nudeln oder Kartoffelbrei. Makroalgen z.B. hätten einen sehr leckeren Geschmack, der an Schinkenspeck erinnere.
Schon heute werden Algen vielen Nahrungsmitteln zugesetzt. Auf der Zutatenliste findest du sie mit den Begriffen Alginat, Carrageen, Spirulina-Blau oder Agar-Agar in Tees, Suppen, Gewürzen und Nahrungsergänzungsmitteln.
Rund 100 Algen-Arten werden als Nahrungsmittel genutzt, als Mikro- und Makroalgen.
Makroalgen, hoch strukturierte Organismen, können bis zu 60 Meter lang werden. Sie sind in vielen Ländern ein traditionelles Lebensmittel aus dem Meer. Großblättrige Algen und Seetang findest du in Asien seit Tausenden von Jahren auf dem Speiseplan. Makroalgen enthalten das Spurenelement Jod in verschieden hohen Mengen.
Mikroalgen, auch Phytoplankton genannt, sind mikroskopisch klein. In Süßwasser kultiviert finden sie bei der Herstellung von Smoothies oder Nudeln Anwendung. Angeboten werden sie auch als Pulver, Tabletten oder Kapseln bei Nahrungsergänzungsmittel.
Einige Algen werden in Asien als Snack, Gewürz oder auch Meeresgemüse gegessen, in Island als Chips oder als Gemüse. Sie finden Verwendung in Suppen, Eintöpfen, Salaten und bei Sandwiches, auch als Geschmacksverstärker oder zu Sushi.
„Meersalat“ oder „Meerlattich“ wird in vielen Küstengebieten als Meeresgemüse in Salaten, als Dressing zubereitet oder auch geschmorrt als Beilage gegessen, z.B. in Ostasien, an der Pazifikküste Nordamerikas, in Irland und Frankreich. Er wird auch in industriell hergestellten Lebensmitteln wie Brot als eine Art Feuchthaltemittel verwendet.
„Nori“, eine Makroalge, wird zu hauchdünnen Blättern verarbeitet, hat eine tiefrote bis schwarze Farbe mit glänzenden Purpurschimmer. Sie kennst du evtl. als Zutat für Sushi. Man verwendet sie auch als Chips-Snacks, Garnitur oder Aromageber in Suppen, Nudeln, Reis und Salaten, als Würze in Pulverform zum Bestreuen von Speisen.
Wakame, eine Braunalge, wird bis zu 1,5 Metern groß und sieht etwa aus wie eine riesige Feder. Sie ist fast in Gänze essbar; sogar ein Teil der Wurzeln – die werden in Salat verwendet. Wakame ist traditionelles Lebensmittel in Korea und Japan, typische Zutat in Miso-Suppen und oft als Beilagen-Salat mit Sesam zu Sushi serviert.
Wenn du mehr zu den Algenarten wissen möchtest, findest du einen Beitrag auf der Website der Verbraucherzentrale – https://t1p.de/913bd.
Wichtig:
Meeresalgen enthalten Spurenelement Jod in ganz unterschiedlicher Konzentration. Einerseits gut; denn wer nicht in Küstennähe lebt, hat oft eine Unterversorgung an Jod, wichtig für eine gesunde Schilddrüsenfunktion. Aber: sowohl ein Mangel an Jod als auch eine Überversorgung können Probleme verursachen!
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Jugendlichen und Erwachsenen eine Aufnahme von 150 Mikrogramm Jod pro Tag. Sie warnt davor, täglich nicht mehr als insgesamt 600 Mikrogramm Jod aus allen Quellen (Fisch, Milchprodukte, jodiertes Speisesalz, Algen in Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln) aufzunehmen.
Die Verbraucherzentrale hat Jodhaltige Produkte geprüft und z.B. bei einem Rooibostee mit Kombu und in zwei Algenpasta-Produkten bedenklich hohe Jod-Gehalte festgestellt. Mehr dazu findest du unter https://t1p.de/hbnr9.
In der nächsten Woche setzen wir diese Reihe fort und stellen weitere Nutzpflanzen für Europas Zukunft vor.
(Quelle: Verbraucherzentrale)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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