Recklinghausen-Suderwich. Im ersten Teil dieser Serie ging es um die grundsätzliche Betrachtung des Themas. In Teil 2 wurde das Thema „Bäume als Wasserspeicher“ und „klimaresistente Ackerböden“ behandelt. Hier setzen wir die Reihe fort mit einer Betrachtung zur Sicherung der Bestäubung von Pflanzen.
(3) Insekten – Befruchtung durch Bestäubung
Insekten sind unentbehrlich zur Bestäubung fast aller Kultur- und Wildpflanzen. Sie besetzen eine wichtige Position in unserem Ökosystem. Insekten besuchen Blütenpflanzen zur Sicherung ihrer Nahrungssorge durch deren Nektar und Pollen. Die Pollen nehmen sie dabei mit und bestäuben auf ihrer weiteren Reise die danach besuchten Blütenorgane.
Das sorgt für die Befruchtung und Vermehrung von ca. 88% aller Pflanzen weltweit. In den Tropen sichern sie den Fortbestand von mehr als 90% der Pflanzen. Wenngleich die Insekten hier den allergrößten Beitrag leisten, so sind auf diesem Gebiet doch auch andere Tiere aktiv, z.B. Vögel, Fledermäuse oder Reptilien.
Besonders wichtig ist die Bestäubung durch Wild- und Honigbienen. Dann folgen in ihrer Bedeutung Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und Käfer. Hummeln sind dabei mit ihrem langen Rüssel Spezialisten für schmale Blütenkelche.
Insekten stellen einen ganz wesentlichen Teil gesunder Ernährung der Menschen sicher. Vor allem ermöglichen sie durch ihre Bestäubungsleistung deine lebenswichtige Versorgung mit Proteinen, Vitaminen oder Eisen.
Von den 107 häufigsten genutzten Kulturpflanzen werden 91 durch Insekten bestäubt. Wildbienen & Co sorgen für besonders reiche Ernte bei Raps, Erdbeeren, Kirschen, Kaffee und Melonen.
Ein kompletter Ausfall der Bestäubung durch Insekten hätte den Verlust von fast 90% der von uns benötigten Pflanzen und Früchte zur Folge. Wer mag sich das vorstellen?
Die durch Bestäubung mögliche Fruchtentwicklung ist nicht nur zur Sicherung unserer menschlichen Ernährung von größter Bedeutung.
Früchte werden schließlich nicht nur verzehrt, sie ermöglichen auch den Fortbestand der Frucht-tragenden Pflanze. So wird Lebensraum erhalten für Mensch und Tier.
Unzählige Lebewesen brauchen zum Schutz, zur Fortpflanzung, zu ihrer Ernährung Bäume, Hecken, Wiesen. Vögel leben von Obst, Samen, Nüssen. Und wir, du und ich? Wie sollten, wollten wir leben ohne Wald, Feld und Flur? Ausgedehnte Wüsten wären die Folge. Und damit Verlust unseres Lebensraums.
Pflanzenfresser machen den Großteil unserer irdischen Artenvielfalt aus. Ohne den Fleiß der Insekten würden sie aussterben.
Die kleinen Tierchen sind zudem ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor. Wissenschaftler schätzen den jährlichen Marktwert, der durch die Produktion bestäuberabhängiger Nutzpflanzen erzielt wird, auf ca. 500 Milliarden Euro. Gut, das mag als Wert im Vergleich zur Sicherstellung unserer Ernährung evtl. Nebensache sein, bedeutet aber auch, dass in verhältnismäßigem Umfang Arbeitsplätze gesichert sind.
Und die marktwirtschaftliche Bedeutung wird zunehmen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Anbau von Nutzpflanzen mit Abhängigkeit von Bestäubung mehr als verdreifacht. Diese Entwicklung wird sich bei wachsender Weltbevölkerung und steigenden Ansprüchen an eine gesunde Ernährung fortsetzen – solange sie denn für uns rackern, die Insekten.
Besorgniserregend ist die weltweit festzustellende Abnahme der Insektenvielfalt und ihrer Menge insgesamt. Mehr als 40% der Insektenarten geltend im Bestand als bedroht. Das gilt vor allem für die von Industrie geprägten Länder. Der Bestand an Wildbienen und Schmetterlingen hat bereits etwa um ein Drittel abgenommen.
In Deutschland gelten von den hier vorkommenden 560 Wildbienenarten die Hälfte als bestandsgefährdet. Jede 20. Wildbienenart ist vom Aussterben bedroht, so die Veröffentlichungen vom Naturschutzbund Deutschland.
Begründet ist die Bestandsgefährdung durch industrialisierte Landwirtschaft, die Konzentration auf bestimmte Kulturpflanzen und den daraus folgenden Verlust von Nahrungsquellen. Zudem ist das Angebot an Nistplätzen zurückgegangen.
Wozu fehlende Insekten als Bestäuber führen, konnte man vor einiger Zeit in den Medien lesen/hören; z.B. berichtete tagesschau24 im Jahr 2021 aus China:
„In den Obstplantagen dort werden "menschliche Bienen" eingesetzt - Arbeiter, die mit langen Stangen und Pinseln den Pollen auftragen. Eine mühsame und kostspielige Arbeit. Die Akademie berichtete kürzlich, dass neuerdings auch mit Drohnen experimentiert wird, die flüssigen Pollen auf die Obstblüten sprühen.“
Außerdem muss man sich damit behelfen, dass viele der 300.000 chinesischen Imker mit ihren Bienenvölkern durchs Land reisen, um in der Landwirtschaft Bestäuben auszuhelfen.
In den USA ist es schon seit vielen Jahren erforderlich, hunderte von Bienenvölkern auf Lkw durchs Land zu karren, damit diese überall für Fruchtbarkeit sorgen können.
Vielfalt sei für einen guten Bestand an Insekten und damit für Ernteerträge wichtig – in diesem Fall Strukturvielfalt in Agrarlandschaften, so die Agrarökologin Sarah Redlich vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Uni Würzburg. Zu einer vielfältigen Struktur in Agrarlandschaften gehören z.B. Baumreihen, Hecken, Steinmauern oder Brachen.
Sarah Redlich weist zudem auf Vielfalt und Vorkommen von Nützlingen hin, die Schädlinge fressen – eine Alternative zu Pestiziden, die u.a. für den Insektenrückgang verantwortlich gemacht werden. Zu den Nützlingen gehören Spinnen, Marienkäfer, Laufkäfer, Gliederfüßer und einige Wespenarten. Wenn man die Population von Nützlingen förderte, könnten Schädlinge auf natürliche Weise dezimiert werden.
Für die entstehenden Kosten gebe es Kompensationen und Subventionen, so Redlich. Herausfordernder sei, dass die Gesellschaft diesen Ansatz kollektiv angehen müsse – und es dafür einen guten politischen Rahmen brauche.
Auch du kannst einen kleinen Beitrag leisten, indem du in deinem Garten ein „Insektenhotel“ aufhängst und so deren Bewohnern ein Überwintern ermöglichst.
(Quellen: NABU / tagesschau24 / deutschlandfunk.de)
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