Recklinghausen-Suderwich. Im ersten Teil dieser Serie ging es um grundsätzliche Betrachtung des Themas. Hier folgen nun Ansatzbetrachtungen zur Krisenvorsorge.
(1) Bäume als Wasserspeicher
Bäume sind wichtig, um in Siedlungsgebieten Klima-Vorsorge zu treffen. Sie verdunsten über ihre Blattoberfläche Wasser und kühlen damit die Luft. Sie filtern Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft. Sie halten Regenwasser zurück, so dass dieses zeitlich verzögern verrinnt.
Auf Hitzewellen folgt oft Starkregen, bei dem die Wassermengen von Kanälen nicht mehr aufgenommen werden können. Von versiegelten Flächen fließt Regenwasser schnell in das Kanalsystem. Die Folge: Hochwasserspitzen in angrenzenden Fließgewässern.
Auf Flächen mit Pflanzenbewuchs bleibt ein Teil des Wassers an der Erdoberfläche, wird von Pflanzen und Bäumen aufgenommen. Niederschlagswasser bleibt im durchwurzelten Erdreich gespeichert und wird bei erneuter Hitze durch Pflanzen verdunstet. Das gilt auch für Kletterpflanzen und begrünte Dächer. Wissenschaftler geben an: ein Baum mit einer Wurzelmasse von 500 kg verhindert den Wasserabfluss von 70. 000 Liter pro Jahr.
Das gilt für viele Straßenbäume oft nicht. Sie stehen in viel zu kleinen Wurzelscheiben, die nicht genug Wasser aufnehmen können. So bildet sich zu wenig Wurzelraum. Die Folge: sind kranke Bäume, die nach 30 oder 40 Jahren absterben. Hier müssen die zuständigen Stellen in den Kommunalverwaltungen umplanen. Je nach Baumart werden offene Erdoberflächen von bis zu 60 qm benötigt!
Ziel zukünftiger Raumplanungen im städtischen Grünraum muss es sein, ausgewachsenen Straßenbäumen 0,75 cbm Wurzelraum pro qm Kronenprojektionsfläche (jene Fläche welche parallele Strahlen von der Krone am Boden als Schatten abbilden würden) zur Verfügung zu stellen. Je nach Baumart sind das bis zu 60 cbm!
Damit nicht genug. Unter befestigten Flächen muss ausreichend Bodenvolumen vorgesehen werden. Und das muss Wasser aufnehmen und speichern können. Entsprechend ist der Bodenaufbau zu planen und Wurzelsubstrat zu berücksichtigen. Das macht völlig neue Planungen erforderlich.
Oberflächenwasser sollte aus versiegelten Flächen durch dafür eingebrachte Ableitungen in versickerungsfähige und durchwurzelbare Bereiche geführt werden. Dabei ist zu bedenken, dass tausalzhaltiges Wasser gesondert abzuführen ist, damit es den Bäumen nicht schadet.
Bepflanzte Entwässerungsmulden und Baumscheiben können Regenwasser aufnehmen und in speziellen Wasserspeichern (Rigolen) ableiten. Von dort kann es nach und nach versickern und dem Grundwasser zugeführt werden.
Solche Rigolen kann jeder Eigenheimbesitzer in seinem Garten schaffen und darin auch Wasser von Dachflächen aufnehmen. (Evtl. ist dafür eine Genehmigung der Kommune oder der von ihr beauftragten Gesellschaft zur Ableitung von Oberflächenwasser erforderlich.)
(2) Klimaresistente Ackerböden
Eine sichere Lebensmittelversorgung braucht gesunde Böden. Das sind sie, wenn sie Wasser speichern können und Raum für eine Vielfalt an organischen Stoffen und Kleinstlebewesen bieten. Dann sind sie sehr fruchtbar und ermöglichen Anbau und Ernte gesunder Nahrungsmittel.
Bei ungesunden Böden braucht für einen guten Ertrag mehr Pestizide und Düngemittel.
Die Böden in Deutschland sind nicht überall gesund. In den vergangenen Jahrzehnten wurde sehr viel Humus abgebaut. Mineralstoffgehalte in Böden sind den vergangenen 50 Jahren um die Hälfte gesunken, weil in konventioneller Landwirtschaft zur Erzielung hoher Erträge sehr viel gedüngt wurde, vor allem mit Stickstoff. So wurde Weizen extra dafür gezüchtet, viel Stickstoff aufzunehmen. Emmer hingegen, ein Urgetreide, nimmt keinen Stickstoff auf. Dafür hat es einen viel höheren Mineralstoffgehalt und ist gesünder.
Beispiel Brandenburg mit seinen ausgedehnten Ackerflächen: Die Böden werden immer trockener, obwohl die Niederschlagsmengen im Vergleich zu vor 200 Jahren leicht gestiegen sind. Aber der Regen fällt nicht gleichmäßig sondern in größeren Zeitabständen, in größeren Mengen. Dann steht das Wasser auf den Feldern und kann nicht rasch genug versickern – es verdunstet. Dazu kommt: die Humusdecke ist zu dünn. Darunter sind Sandschichten, die das Wasser nicht speichern, sondern zu schnell versickern lassen. Anders als früher, bleiben Pflanzenrückstände nicht auf dem Acker zum Verrotten und zur Humusbildung. Im Boden spielt Humus eine unverzichtbare Rolle bei der Speicherung von Wasser und Nährstoffen.
Humus ist eine Mischung aus Resten von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen in allen möglichen Stadien des natürlichen Abbaus. Die werden fortwährend von Leben im Bodenleben verdaut. Aus Teilen, mit dem bloßen Auge noch gut als Überbleibsel bestimmter Lebewesen erkennbar, werden mit der Zeit feinere Partikel, die die Struktur des Bodens auflockern. Auch diese Partikel werden letztlich von der Bodenfauna gefressen und von Einzellern und Pilzen verstoffwechselt. So können sie zu großen, unübersichtlichen molekularen Strukturen reagieren, die man Humus nennt.
Absonderungen von Billiarden von Bakterien und Pilzen bilden den Klebstoff, die den mineralischen Anteil des Bodens und die organische Bodensubstanz verbinden. So entsteht eine Krümelstruktur, die du zwischen den Finger zerdrücken zu kannst. Das alles macht den Boden locker. Pflanzen können ihn gut durchwurzeln. Luft kann eindringen, überschüssiger Regen ins Grundwasser ablaufen. Zudem speichert er Wasser und Nährstoffe, die für Pflanzen verfügbar werden. Tief brauner, krümeliger Boden zeugt von vom Humus und ist fruchtbar.
Humus existiert aber nicht dauerhaft. Aus ihm wird wieder CO2, das erneut von Pflanzen zum Aufbau von Biomasse aufgenommen wird. Dann setzt sich der Kreislauf zur Bildung von Humus fort. So entstehend die natürlichen Humusvorräte unserer Böden. Leider haben die Menschen diesen Kreislauf unterbrochen. Mit Nutzpflanzen entnehmen sie Ackermaterial und bringen es nicht wieder zum Verrotten auf den Acker zurück. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Humusbildung und CO2 in der Atmosphäre.
Konsequenzen zeigen Daten des agrarwissenschaftlichen Thünen-Instituts, die in einer Bodenzustandserhebung 2018 und einer weiteren Metastudie erhoben und bewertet wurden. Danach sind landwirtschaftlich genutzte Böden der größte terrestrische Humusspeicher in Deutschland. Ihre Humusvorräte fallen besonders in den ostdeutschen Sandböden und unter konventioneller Bewirtschaftung gering aus, bzw., nehmen ab.
Wir müssen lernen, die ursprünglichen Humusvorräte wieder herzustellen Damit könnte die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit, besonders die der sehr sandigen Böden niederschlagsarmer Regionen wie Brandenburg, wieder belebt werden.
Regenerative Landwirtschaft ist eine Lösung.
Dauerbegrünung, der Einsatz von Komposten, Pflanzenfermenten und Pflanzenkohle sowie extensive Weideviehhaltung bringen mehr Humus in den Boden. Der Verzicht auf Pflügen und die Verwendung von Pestizide schonen das Bodenleben und -struktur.
Bauern, die ihren Acker regenerativ bewirtschaften, bekommen ihr Schädlingsproblem in den Griff. Eine große Artenvielfalt, Änderung der Fruchtfolge reduzieren deutlich Schadinsekten und Pflanzenkrankheiten. Die Vermeidung von freiliegendem Boden durch dauerhafte Pflanzenbedeckung, die Nutzung als Freilandweide und der Verzicht auf Pflügen führten in Versuchen zu einem höheren Humusvorrat und einer intakten Bodenstruktur.
Zwar sind geringeren Erträge die Folge. Das wird aber durch Kostenersparnis im Verzicht auf Kunstdünger und Bewässerung sowie durch bessere Preise für Bio-Produkte wett gemacht.
Wenngleich auf großen Flächen unter dem Einsatz schwerer, den Boden verdichtender Maschinen immer noch konventionell geackert wird, so sorgen doch viele Bauern auch für einen Aufbau ihrer Humusvorräte, meistens in der Biolandwirtschaft, teilweise aber auch unter konventionellem Label. Ein guter Anfang.
(Quelle: https://t1p.de/1yig0)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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