Recklinghausen-Suderwich. DHL ist ein weltweit arbeitender Paket- und Briefexpress-Dienst, gegründet in den USA und ist nach Übernahme durch die Deutsche Post in Deutschland beheimatet. DHL wurde zum weltweit führenden Logistikanbieter.
Wer im Online-Handel einkauft, bekommt die Ware oft von DHL geliefert. Dabei bieten die Händler eine im Internet nutzbare Verfolgung der Lieferkette und den jeweiligen Status der Lieferung an. Kein Wunder, dass ein Besuch einer DHL-Website für viele Menschen Normalität ist.
Das nutzen Betrüger, die nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) in Zusammenarbeit mit europäischen Partnermedien zumeist in Asien, in China, sitzen.
Gebühren verlangt
Paul – so nennen wir ihn einmal – wartet auf eine Bestellung, die er online aufgegeben hat. Er bekommt eine Textnachricht von DHL. Passt zu seinen Erwartungen. Paul klickt auf den Link in der Nachricht und landet auf der ihm vertrauten DHL-Website. Die sieht aber nur so aus wie die Originalseite. Sogar das Impressum stimmt.
„DHL“ fordert Paul zur Zahlung einer Zusatzgebühr auf. Irgendwas mit dem Zoll. (Die Ware soll aus den USA kommen.) Paul tippt die geforderten Daten zur Entrichtung der Gebühr ein: Kreditkartennummer, Gültigkeitsdatum der Karte, den dreistelligen CVC (= Card Validation Code, Sicherheitsnummer von der Rückseite der Kreditkarte). Alles wie immer bei Käufen im Online-Shop. Und dann soll Paul noch den Tan-Code zu seinem Bankkonto eingeben.
Das macht er. Und dann ist sein Bankkonto am Abend um 1.950 € leichter! Betrug! Die Bank weigert sich den Schaden zu ersetzen. Grob fahrlässig, sagt sie. Wohl zu Recht.
Die Polizei nimmt den Vorfall auf, macht aber Paul wenig Hoffnung. Strafverfolgung geht meist ins Leere. Das Geld ist futsch.
Abgezockt!
Paul ist damit nicht alleine. In Deutschland sind Zehntausende, weltweit Hunderttausende mit dieser Masche abgezockt worden. Die Opfer kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Kein Trost für Paul – aber Warnung für dich!
In Zusammenarbeit mit dem norwegischen Rundfunk und der Cyber-Sicherheitsfirma "Mnemonic" ermitteln die Medien aus einer Datenbank der Betrüger, dass in nur einem halben Jahr mehr als 900.000 Menschen weltweit auf diese Weise ihre Kreditkartendaten Fake-Websites zur Verfügung gestellt haben. Die Medien haben mit einigen von ihnen gesprochen. Ihre Gesprächspartner waren jung und alt, Juristen, Lehrer, Rentner, sogar IT-Experten.
Und es gibt nicht nur die „DHL“-Website. Der BR ist in den Besitz einer Software gelangt, mit der fälschte ein asiatisches, professionell arbeitendes Täternetzwerk mehr als 300 Websites von Organisationen aus 130 Ländern. Dazu gehören vor allem Paket- und Postzusteller (wie DHL und Hermes), aber auch Behörden, Stromanbieter, die Gebühreneinzugszentrale von ARD-ZDF-DL, die Telekom.
Warnung
Die Verbraucherzentrale warnt davor, Links in Textnachrichten zu öffnen. Besser ist es, nach solchen Nachrichten die offizielle Website des Dienstleisters im Browser zu öffnen und von dort aus zu agieren.
Gehörst du zu den Betroffenen? Dann solltest du Beweise sichern, z.B. indem du Screenshots von dem machst, was dir am Bildschirm angezeigt wird. Diese Screenshots kannst du z.B. mit STRG/V in ein Word-Dokument einfügen.
Wie macht man Screenshots?
Und dann solltest du – wenn man dein Konto erleichtert hat – die Bank informieren und bei der Polizei Anzeige erstatten. Vielleicht bringt’s was.
Verbraucherschützer fordern die Banken auf, sie "sollten stärker ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um betrügerische Überweisungen zu identifizieren und rechtzeitig zu stoppen", so Heiko Fürst, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale. Die jedoch geben sich hilflos. "Das sicherste technische System kann keinen ausreichenden Schutz bieten, wenn die Nutzer dieses Systems durch Kriminelle ausgetrickst werden", sagt dazu der Banken-Verband.
Paul wird wohl auf seinem Schaden sitzenbleiben. Ihm bleibt ein Gefühl der Hilflosigkeit. Für dich und mich heißt es: Augen auf, keine schnellen Datenhergaben, nur über die jeweilige offizielle Website gehen.
(Quelle: BR – https://t1p.de/baqdo)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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