Recklinghausen-Suderwich. In seinem Beitrag vom 16. April hat unser SBW-Finanzfachmann Wolfgang Wegener im Teil I zu diesem Thema diese Punkte angesprochen: Kredite möglichst vermeiden – Schulden tilgen; Risikoabsicherung (Schadenersatz / Krankheit / Berufsunfähigkeit / Tod); Trennung von Risikoabsicherung und Vermögensbildung; Rücklagen schaffen; Wo findest du Beratung zum Vermögensaufbau? Kosten beachten sowie flexible Sparprodukte sind vorteilhafter.
Nachstehend wird das Thema fortgeführt.
(7) Girokonto
Schüler und Studenten können bei vielen Banken und Sparkassen ihr Girokonto kostenfrei führen. Das geht häufig sogar, wenn du nach Abschluss des Grundstudiums eine Promotion anstrebst.
Mit Aufnahme einer Berufstätigkeit, manchmal auch mit Erreichen des 27. Lebensjahres, endet die Kostenbefreiung. Du solltest dich spätestens dann, wenn nicht sogar schon mit der ersten Absicht ein Girokonto zu eröffnen, für ein preiswertes Konto entscheiden.
Preiswert bedeutet dabei nicht unbedingt kostenfrei. Zu berücksichtigen ist auch, zu welchen Konditionen Kreditkarten angeboten werden und wie das Netz der Geldautomaten bei der von dir geprüften Bank aussieht. Ganz ohne Bargeld geht es noch nicht in Deutschland. (Allerdings geht Bargeldversorgung auch beim Einkauf im Discounter oder bei einer Lebensmittelkette – kostenfrei.)
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bietet für die Suche nach einem Konto deiner Vorstellungen die Website „BaFin-Kontenvergleich“ (https://t1p.de/5ryqp). Außerdem: wenn du dich später selbständig machen möchtest oder Wohneigentum finanziert werden soll, ist es von Vorteil, eine „Hausbank“ zu haben. Das sind Banken und Sparkassen, die das ganz Spektrum der Finanzdienstleistungen anbieten und möglichst auch über einen festen persönlichen Berater erreichbar sind. Finanzdienstleister, die nur online-Angebote haben, gehören nicht dazu.
Und nun geht’s in den weiteren Ausführungen um konkrete Geldanlage.
(8) Der ETF-Sparplan
Ein Sparplan ist ein sehr guter Weg zu einer privaten Zusatzrente im Alter. Kostengünstig, bei entsprechender Wahl risikoarm aber mit Renditen oberhalb des Sparkontozinssatzes werden ETF-Anlagen empfohlen, auch von der Verbraucherzentrale.
ETF – ein inzwischen landläufiger Begriff für börsengehandelte Indexfonds (engl. „Exchange Traded Funds“ – ETF). ETF’s stellst du dir wie einen Korb vor, in den Fondsmanager sehr viele verschiedene Aktien legen, also nicht mit Schwerpunktanteilen, die man z.B. im Bankensprech als „Klumpenrisiko“ bezeichnen würde.
Desto breiter das Anlagespektrum gestreut ist, desto geringer das Risiko. Streuung bedeutet dabei nicht nur die Auswahl von Anteilen an sehr unterschiedlich agierenden und produzierenden Unternehmen, sondern evtl. auch in Bezug auf den Unternehmensstandort in Deutschland, Europa oder vielleicht sogar weltweit. Die Fonds können durchaus Grundtendenzen nach deinen Vorstellungen bedienen, z.B. „umweltbewusst“, „Verzicht auf Rüstungsindustrie“ etc.
Die Fondsmanager schauen bei ihren An- und Verkäufen nicht nur auf die Erträge (also die Dividenden, die Aktien abwerfen) sondern auch auf die Kursentwicklung. Das heißt: Verkauf nach Kursgewinnen, Neukauf nach Kursverlusten.
Den Wert deines ETF-Anteils kannst du an seinem Börsenkurs ablesen. Selbst wenn der einmal zeitweise fällt, ergibt sich durch monatliche Einzahlung auf Basis eines Sparplans ein höherer Anteil an neuen Fonds. Dazu kommt der Zinseszinseffekt.
Der Zinseszinseffekt bedeutet, dass nach einer gewissen Zeit des Ansparens die Gewinne aus den bereits erworbenen Fondsanteilen ebenso hoch sein können wie die neuen monatlichen Einzahlungen. „Das Kapital erwirtschaftet dann Erträge“, sagt dazu Bernhard Freytag, Niederlassungsleiter der Privatbank Quirin. „Und am Ende des Berufslebens ist das angesparte Kapital dann deutlich höher als nur die Summe der eingezahlten Beträge.“
Was bedeutet dies konkret? Dazu das Magazin Finanztest der Stiftung Warentest: „Im historischen Rückblick sind sieben Prozent Rendite an den Kapitalmärkten realistisch“ und rät, wichtig sei das Kapital breit zu streuen. Auch „Finanztip“ (https://www.finanztip.de/) empfiehlt unter anderem am MSCI World orientierte ETF-Investments, in dem die Aktien von 1600 Unternehmen weltweit zusammengefasst sind.
In einem einschlägigen Beitrag nennt die Rheinische Post zwei Rechenbeispiele:
„Eine 25-jährige Berufsanfängerin investiert 40 Jahre lang jeden Monat 50 Euro in einen ETF-Fonds mit einer angenommenen Rendite von sieben Prozent. Was kommt mit 65 Jahren raus? Eingezahlt werden über die vier Jahrzehnte insgesamt 24.000 Euro. Die Auszahlung liegt laut Sparplanrechner der Stiftung Warentest bei 123.000 Euro, wobei dieser Betrag in einigen Jahrzehnten wegen der Inflation deutlich weniger Kaufkraft hat als heute.“
Alternativ: „Falls die Frau sich mit 45 Jahren entscheiden würde, für 20 Jahre pro Monat weitere 200 Euro einzuzahlen, kämen weitere 100.000 Euro heraus. Die Endsumme mit 65 Jahren läge dann bei 223.000 Euro.“
ETFs kannst du auch über einen Vertrag für Vermögenswirksame Leistungen (VL) erwerben. Viele Arbeitgeber übernehmen dabei einen Teil des Sparbetrages, meist 40 € monatlich.
Das – so eine Berechnung, die die Rheinische Post veröffentlichte – kann nach 40 Jahren 98.000 Euro bringen bei angenommenen sieben Prozent Rendite. „Eine solche Option kann für junge Leute sehr interessant sein; es ist dumm, auf einen VL-Vertrag zu verzichten, sofern der Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt“, so Verbraucherschützer Hentschel.
Beim Abschluss eines ETF-Vertrages solltest du auf die Höhe der Depotkosten achten. Die können evtl. die von dir erwartete Rendite deutlich reduzieren. Bewertung von Risiken, Renditeerwartung und Kosten bietet regelmäßig die die Stiftung Warentest auf ihrer Website https://www.test.de/ in der Sparte „Geld“ oder aktuell unter https://t1p.de/h6xwa.
Finanzexperten empfehlen übrigens, einige Zeit vor dem Ruhestand Fondsanteile zum Teil zu verkaufen, um das Risiko plötzlicher Kursverluste an der Börse zu minimieren. Vom Erlös und sonstig Angespartem könntest du dir Wohneigentum fürs Alter kaufen.
Dazu mehr im nächsten Beitrag „Finanzen“.
(Quellen: Verbraucherzentrale / Finanztip / Rheinische Post)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.