Recklinghausen-Suderwich. In Deutschland gelten etwa 5.560.000 Menschen über 18 als überschuldet. Das sind ca. 8 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe – oder jeder 16. Volljährige.Circa 2.790.000 Haushalte sind davon betroffen. In unserer Schuldnerberatung stellt das SBW sehr selten einen leichtfertigen Umgang mit dem Einkommen fest. Sehr oft entwickelt sich die Verschuldung über einen längeren Zeitraum durch Planungsfehler und mangelnde Kontrolle des Ausgabeverhaltens.
Umgang mit Geld will gelernt sein. Besonders, wenn es mal knapp wird in der Kasse – oder wenn es um Vermögensvorsorge mit Blick auf das Alter geht. Für alle, die Kinder erziehen und versorgen, liegt hier eine besondere Verantwortung.
Hier ein paar Empfehlungen unseres Finanzberaters Wolfgang Wegener, der als gelernter Sparkassenbetriebswirt selbst drei Töchter in dieser Hinsicht gefördert hat und seine Erfahrung auch an acht Enkelkinder weitergeben will.
(1) Über Geld spricht man nicht! Oder besser doch?
Doch! Denn: Kinder, mit denen über Geld nicht gesprochen wird, erfahren auch nichts darüber. Kinder sollten lernen zu verstehen, dass sich Geld nicht von alleine vermehrt. Und dass sie damit sorgsam umgehen sollten. Aber in der Erziehung gilt grundsätzlich: nicht nur reden – vor allem auch vormachen und einbeziehen.
(2) Taschengeld
Klappt es mit der Theorie, kommt die Praxis. Deshalb ist es wichtig, dass dein Kind regelmäßig Taschengeld bekommt. Empfehlungen raten zum ersten Taschengeld ab 5 oder 6 Jahren. So lernt dein Kind schon früh, nachhaltig mit Geld umzugehen. Die Höhe des angemessenen Taschengelds ändert sich mit der Inflation. Übrigens: auch darüber mit Kindern sprechen, nämlich, dass Waren mit der Zeit teurer werden und dass man das Inflation nennt. Angst machen sollte das nicht. Löhne steigen auch.
Zum angemessenen Taschengeld hier ein Link zu den Empfehlungen des Deutschen Jugendinstituts: https://t1p.de/y349r. Daraus Beispiele für das Jahr 2024:
6-9 Jahre = 2-4 € pro Woche / 10-11 = 20-25 € im Monat / 12-13 = 25-30 € mtl
14 = 30-40 € / 15 = 40-50 € / 16 = 50-60 € / 17 = 60-70 € / 18 = 70-75 € mtl.
Und dann sollte es Regeln geben:
(3) Was ist „Budgetgeld“?
Taschengeld dient der freien Verfügbarkeit: Kauf von Süßigkeiten, Zeitschriften, Erfüllung kleiner Wünsche. Budgetgeld dient der Begleichung von übertragenen Pflichten und Selbständigkeiten. Es ist ein festgelegter Betrag, mit dem größere oder regelmäßige Kosten gedeckt werden (z. B. Kleidung, Handyvertrag, Schulmaterialien). Die Trennung zwischen beidem sollte einvernehmlich festgelegt sein.
Die Höhe des Budgetgeldes orientiert sich an der finanziellen Situation der Familie und den individuellen Bedürfnissen. Es kann monatlich oder quartalsweise ausgezahlt werden. Ein Mittelwert liegt oft zwischen 50 und 150 Euro pro Monat, je nachdem, welche Kosten Jugendliche selbst verwalten sollen. Sinnvoll ist eine Überweisung auf das eigene Konto des Kindes.
(4) Entscheidungen treffen lassen
„Erfahrung“ kommt nicht vom Wort „erklären“ – sondern von machen lassen. Dabei werden Fehler gemacht. Das ist okay. Allerdings sollten Pannen besprochen und Wege zu ihrer Vermeidung gemeinsam erörtert werden.
Auch eine Erziehungsaufgabe. Es ist nicht verboten, solche Hilfe angemessen zu vergüten. Das lehrt die Verhältnismäßigkeit von Leistung zu Entgelt und den Wert des Geldes.
(5) Wunschliste + Sparziel
Selbst die Erwachsenen können sich nicht ad hoc jeden Wunsch erfüllen. Wenngleich sich Warenfinanzierer bei jedem Online-Einkauf mit Ratenzahlung in vertretbarer Größe anbieten, so liegt genau hier das Risiko, mal eben nebenbei „viele Fässer“ aufzumachen. Die werden dann zwar durch Belastung von einer oder mehrerer Kreditkarten nach und nach wieder aufgefüllt – dafür nimmt dann der Kreditkarten-Ausgeber horrende Zinsen. Und getilgt werden muss auch da. Sprich auch darüber mit deinem Kind.
Drängt eine Anschaffung nicht oder kannst du den benötigten Betrag innerhalb weniger Monate zusammensparen, empfiehlt es sich, abzuwarten. Und das sollte dein Kind auch lernen. Es sollte selbst erfahren, dass nicht alle Wünsche sofort realisierbar sind.
Legt zusammen eine Wunschliste an und überlegt euch einen Sparplan. Wie viel Geld soll in die Spardose? Soll das Ersparte auf ein Girokonto? Was passiert mit Geldgeschenken zu Weihnachten oder zum Geburtstag? Besprecht verschiedene Möglichkeiten.
Nicht selten ändern sich Wünsche, schon bevor das große Ziel erreicht ist. Ein sehnlicher Wunsch von heute ist eine Woche später oft schon nicht mehr so wichtig. Zudem können Dinge mit der Zeit auch teurer werden. Auch diese Erkenntnis ist wichtig, um Finanzprofi zu werden. Kinder sollten lernen: Größere Anschaffungen mssen wohlüberlegt sein.
(6) Geldvermehrung
Geldanlagen bringen Zinsen. Auch das sollte deinem Kind zeitig bewusst werden. Auf dem Sparkonto mag das nicht viel sein. Mehr gibt es über einen Sparplan. Hat sich einiges angesammelt, denkt über Festgeld- oder Tagesgeld-Anlagen nach.
Wenn auch der Erwerb von Aktien noch nicht unbedingt ratsam ist, so kannst du dennoch über diese Anlagemöglichkeit bei entsprechendem Verständnis mit deinem Kind sprechen. Und eine Investition in risikoreduzierte ETFs ist ein vertretbare Alternative.
Dabei darf die Erkenntnis werden, dass Geldanlage auch Risiken mit sich bringen kann, z.B. nämlich Kursverluste.
(7) Andere bekommen mehr als ich!
Die finanziellen Möglichkeit der Familien sind sehr unterschiedlich. Wo das Einkommen hoch ist, liegt eine besondere Verantwortung darin, das Kind dennoch zu einem sparsamen Verhalten zu erziehen. Man kann nicht wissen, ob die nächste Generation noch ebenso gut finanziell ausgestattet ist, wie ihre Eltern. Und dann müssen sie dennoch zurechtkommen.
Unbedarft stellen Kinder die Frage: Wieso haben andere Familien mehr Geld als unsere? Dann muss unmissverständlich klar gemacht werden, wo die eigenen Grenzen liegen.
„Ist das schlimm, wenn wir Schulden haben?“ Antworten fallen vielen Eltern schwer. Statt zu schweigen, sollten Eltern sich Zeit nehmen, kindgerecht darauf einzugehen - gerne auch nach ein wenig Bedenkzeit.
Wichtig sind ein positiver Ansatz und die Botschaft, dass Kinder sich keine Sorgen machen müssen. Das gilt etwa für das Thema Schulden. Man kann dem Kind sagen, dass es in solchen Situationen professionelle Hilfe gibt. Der Lerneffekt für Kinder: eine unschöne Situation, aber man kann da auch wieder rauskommen.
Und wenn es einmal eng wird – bitte nicht das Ersparte der Kinder angreifen, um Löcher zu stopfen. Auf Guthaben der Kinder können Gläubiger nicht zugreifen.
Kinder sind nicht verantwortlich für Schulden ihrer Eltern. Sie sollen auch nicht den Eindruck bekommen, dass es ihretwegen Geldsorgen in der Familie gibt.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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