Recklinghausen-Suderwich. Ein Zwicken im Bauch, ausgeprägte Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall – wenn die Nahrungsaufnahme mit Beschwerden einhergeht, steckt dahinter oft eine Lebensmittel- bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeit. Diese Intoleranzen entstehen, wenn der Körper nicht in der Lage ist, bestimmte Lebensmittel beziehungsweise deren Bestandteile zu verdauen oder allergisch darauf reagiert.
Eine Nahrungsmittelallergie und eine -intoleranz äußern sich unterschiedlich. Beide zählen zu den Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten.
Lebensmittelintoleranz: Nehmen Betroffene für sie unverträgliche Nahrungsbestandteile auf, reagiert der Organismus darauf zwar mit verschiedenen Symptomen, das Immunsystem ist daran aber nicht beteiligt – es finden also keine immunologischen Prozesse wie eine Antikörperproduktion statt.
Lebensmittelallergie: Bei Menschen mit einer Lebensmittelallergie reagiert das Immunsystem auf einen eigentlich harmlosen Inhaltsstoff. Es bildet sogenannte IgE-Antikörper, die allergische Symptome hervorrufen. Das kann ein leichter Juckreiz auf der Haut, eine brennende Zunge oder sogar ein lebensbedrohliches Kreislaufversagen sein. Die Beschwerden bei einer Lebensmittelallergie können also deutlich schwerwiegender ausfallen und stehen stets im Zusammenhang mit dem Immunsystem.
Welche Nahrungsmittelintoleranzen gibt es?
Laktoseintoleranz: Von den in Europa lebenden Menschen vertragen etwa fünf bis 15 Prozent keinen Milchzucker (Laktose). Bei der Laktoseintoleranz bildet der Körper zu wenig von dem Enzym Laktase oder es wirkt nicht ausreichend.
Laktase spaltet den Milchzucker im Darm und macht ihn so verwertbar. Geschieht das nicht, gelangt der Milchzucker in den Dickdarm. Dort verstoffwechseln ihn die Darmbakterien – Blähungen, Durchfall und Bauchgrummeln können die Folgen sein. Bei vielen Betroffenen ist das Enzym aber noch teilweise aktiv – kleine Mengen Laktose werden dann ohne Beschwerden vertragen.
Fruktoseintoleranz: Eine Fruchtzuckerunverträglichkeit löst ebenfalls Beschwerden wie Blähungen und Durchfall aus. Die unangenehmen Symptome entstehen, weil der Dünndarm nicht genügend Fruktose – vor allem in Obst enthalten – aufnimmt. Die Ärztin oder der Arzt stellt dann oft eine Fruktosemalabsorption, eine nicht angeborene Form fest.
Grund ist hier eine Störung des Transportproteins „GLUT-5“, das Fruktose aus dem Darm ins Blut schleust. Dass die Fruktoseintoleranz von Geburt an besteht, ist sehr selten. Die sogenannte hereditäre Fruktoseintoleranz wird durch einen angeborenen Enzymdefekt hervorgerufen – er führt zum kompletten Fruktoseabbau im Körper.
Histaminintoleranz: Histamin ist eine körpereigene Substanz, die als Botenstoff an allergischen Reaktionen wie beispielsweise nach einem Insektenstich beteiligt ist. Der Organismus nimmt Histamin aber auch über Nahrungsmittel wie Wurst oder gereiften Käse auf.
Menschen mit einer Histaminintoleranz können ganz unterschiedliche Beschwerden entwickeln, zum Beispiel angeschwollene Augenlider, Migräne oder Nesselsucht. Aufgrund der unterschiedlichen Symptome ist eine eindeutige Diagnose oft schwierig. Übrigens: Meist zeigen sich die Symptome innerhalb von zwei Stunden nach den Mahlzeiten.
Weizensensitivität: Diese Lebensmittelintoleranz wurde früher als Glutensensitivität bezeichnet, was oft zu Verwechslungen mit der Glutenunverträglichkeit führte. Zwar besteht hier eine Empfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen. Nach dem Verzehr besteht aber nicht die Gefahr, dass sich die Darmschleimhaut krankhaft verändert. Viele Betroffene beobachten ein Nachlassen der Symptome, wenn sie nur sehr wenig weizenhaltige Lebensmittel verzehren.
Glutenunverträglichkeit: Diese Form der Lebensmittelintoleranz ist auch unter dem Namen Zöliakie bekannt. Dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten steckt.
Wenn du Beschwerden in Verbindung mit Nahrungsmitteln bei dir beobachtest, solltest du dich zunächst an deinen Hausarzt oder -ärztin wenden. Dieser oder diese entscheidet dann auf der Grundlage von Anamnese und körperlicher Untersuchung, ob eine Überweisung zu einer fachärztlichen Praxis sinnvoll ist. Wichtig ist es, Erkrankungen wie zum Beispiel Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder auch eine Allergie auszuschließen.
(Quelle: AOK Gesundheitsmagazin)
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