Recklinghausen-Suderwich. Wie schon zum Thema „Pflege im Alter und bei Behinderung“ wird unser SBW-Fachmann für Finanzfragen, Wolfgang Wegener, in den kommenden Monaten immer wieder Artikel unter der Rubrik „Wissen / Finanzen“ veröffentlichen. Diese Beiträge fassen wir später in einer Datei zusammen, so dass man darin die unterschiedlichsten Aspekte behandelt findet.
Wegener merkt dazu an: "Das von uns gewählte Thema mit dem Oberbegriff „Finanzen“ wird ein weites Feld abdecken. Dazu gehören konservative und risikoarme Geldanlageformen ebenso wie spekulative. Auch die Altersvorsorge wird behandelt – eine Herausforderung für die heranwachsende und im mittleren Alter stehende Generation, die nicht mehr so gut durch die gesetzliche Rente versorgt sein wird, wie die derzeitigen Ruhestandsempfänger:innen."
Angesprochen werden zunächst das „schnelle Geld“ oder die „Super-Rendite“, die fast immer kriminellen Hintergrund haben – nicht auf der Anlegerseite sondern beim Anbieter.
(1) Was meine ich mit dem „schnellen Geld“?
Hier werden Versprechungen gemacht, die völlig unrealistisch sind – aber dennoch immer wieder Interessierte „einfangen“ – und ausnehmen.
Du erhältst eine WhatsAppNachricht oder eine eMail, in der dir ein erheblicher Gewinn oder eine höchst interessante Erbschaft versprochen wird. Du musst nur Bearbeitungsgebühren überweisen, damit dir der hohe Geldbetrag überwiesen werden kann.
Da kann man doch nicht drauf reinfallen, meinst du? Doch, man kann. Jedes Jahr fallen eine ganze Reihe von Menschen darauf rein. Ich kenne einige. Und warum lassen sie sich darauf ein?
Das Angebot sieht überzeugend aus. Das Schreiben kommt von einem seriös anmutenden Anwaltsbüro oder von einer tatsächlich existierenden namhaften Großbank – immer aus dem Ausland. Die Schriftsätze sind freundlich und oft gut formuliert, nicht selten in der Sprache des Absenders. (Mit dem Google-Translater ist das ja für den Empfänger kein Problem.) Manchmal auch in gutem Deutsch. (Die Zeiten, in denen man schon am Text erkennen konnte, dass der Verfasser sich nur laien- und fehlerhaft ausdrücken konnte, die sind vorbei. KI lässt grüßen!)
Man präsentiert Kopien von Bankauszügen, die unter anderem auch den Eingang des tollen Gewinns oder des Erbschaftsanteils ausweisen und die dich als Berechtigten ausweisen. Briefe tragen vertrauen-weckende Stempel und Siegel.
Die Namen der Korrespondenzpartner findet man bei der Internet-Recherche zur Kanzlei oder zur Bank durchaus bestätigt. Die Fotos in den Briefen stimmen mit denen auf der Website der angeblichen „Absender“ überein. Wenn du nach einem Ausweisdokument deines Korrespondenzpartners fragst – kein Problem. Du bekommst Fotos vom Ausweis. Aber auch der ist kunstvoll gefälscht!
Du suchst nach Fake-Hinweisen im Netz und findest nichts? Kein Wunder. Die Akteure wechseln rasch ihre „Auftritte“. So schnell sind die Falschmeldungen im Netz nicht.
Zunächst fordert man einen nicht übermäßig hohen Betrag, die Bearbeitungsgebühr. Wird die gezahlt, teilt die andere Seite mit großem Bedauern mit, dass sich inzwischen die Steuerbehörde im Ausland eingeschaltet habe. „Vor einer Auszahlung Ihres Guthabens“ – heißt es dann – „… muss zunächst eine Freigabegebühr in Höhe von … entrichtet werden, die Sie bitte an uns überweisen. Wir begleichen dann die Forderung der Steuerbehörde für Sie.“ Wie entgegenkommend!
Wenn du das dann auch noch erledigt hast, kommt der deutsche Zoll dran. Der will angeblich auch eine Gebühr bezahlt bekommen. Selbstverständlich bekommst du einen professionell aussehenden Kontoauszug, der nun auch den zuvor für die Steuerbehörde gezahlten Betrag und dessen „Weiterleitung“ an das Finanzamt im Ausland dokumentiert.
Um es kurz zu machen: Die Kostenbeträge werden von mal zu mal höher. Und wenn du schon ein paar tausend Euro überwiesen hast, dann sollen die ja nicht verloren sein! Deshalb zahlst zu auch noch einmal.
Den schon sicher geglaubten, versprochenen Geldbetrag aber, den wirst du nimmermehr auf deinem realen Bankkonto sehen.
Das gibt es nicht! Doch das gibt es. In meiner Beratungspraxis für das SBW und in meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit als Leiter des Bereichs Recht/Kreditmanagement sind mir immer wieder solche Fälle vorgekommen. Und nicht selten hat sich ein hoffnungsvoll beschenkt Glaubender sogar verschuldet, um die geforderten „Gebühren“ und „Steuern“ bezahlen zu können. Vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere auch daran, dass selbst größere Organisationen, die durch namhafte Rechtsanwälte beraten waren, ganz erhebliche Beträge auf ausländische Konten überwiesen haben – in der sicheren Erwartung auf große Zuwendungen.
(2) Die „Superrendite“
Es sind nicht nur die „Gewinne“ und „Erbschaften“ (früher das Spezialgebiet nigerianischer Gangster), die „goldene Zeiten“ versprechen. Dabei – nur am Rande – beim SBW gehen regelmäßig eMails ein, die uns Zuwendungen in Millionen-Höhe in Aussicht stellen.)
Es kommen außerdem Geld-Anlage-Angebote vor, die Renditen im hohen zweistelligen Prozentbereich zusichern. Natürlich geht sowas nur bei Geldanlage im Ausland, also in Rumänien, Bulgarien, Albanien usw. In Deutschland können solche Renditen selbstredend nicht erzielt werden, so wird erklärt.
Aber die anderen Länder gehören ja auch zur Europäische Union, haben sogar den Euro! Ist natürlich Unsinn. Und doch fallen immer wieder „zins-sensible“ Menschen darauf herein. Das sind oft solche, die sich an hohe Zinssätze bei deutschen Banken im vorigen Jahrhundert erinnern und das gerne wiederholt sehen wollen.
Beruflich war ich zeitweise auch der „Geldwäsche-Beauftragte“ bei meinem Arbeitgeber. Gerade in der Zeit entdeckten wir in meiner Heimatstadt eine Gruppe von „Anlageberatern“, die solche Geldanlagen vermittelt hatten. Zielpersonen und – spätere – Opfer waren Ärzte, Rechtsanwälte, Unternehmer, vermögende Pensionäre. Keine Dummen und in Geldsachen Unerfahrene! Nein, die hätten auch die Anlagebeträge im fünf- oder sechsstelligen Bereich gar nicht aufbringen können.
Die Betrüger wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das „lukrativ angelegte“ Geld fand man nicht wieder. Das wird blitzschnell über mehrere Zwischenstationen in Ländern versteckt, die mit deutschen Ermittlern nicht oder kaum zusammenarbeiten.
(3) Wie erkennt man nun den Betrugsversuch?
Wie anfangs gesagt: Wenn der gesunde Menschenverstand urteilt und nicht der Drang nach schnellem Geld oder hoher Rendite, dann sollten Bedenken aufkommen. Aber wie heißt es im Kreis von Fachleuten? „Gier frisst Hirn.“ Leider nur zu oft.
Es hilft in vielen Fällen, wenn man den Schriftverkehr mit dem Anbieter sehr kritisch betrachtet. Stimmen die Adress- und Kontaktdaten? Hat der Korrespondenzpartner einen eMail-Kontakt angegeben (oder von dort Kontakt aufgenommen) der eindeutig zu den vom angeblichen Unternehmen verwendeten eMail-Adressen passt?
Bei der Recherche im Internet wird man sicher ein „Impressum“ des Unternehmens finden. Dort kann man die angeblichen Kontakt-Daten abgleichen. Das gilt auch für Telefonnummern. Kanzleien und Unternehmen verwenden immer für ihre Mitarbeitenden eine Telefonnummer, die in den ersten Stellen identisch ist. Notfalls ruft man bei der Telefonzentrale des Anbieters an und bittet um Weiterleitung an die im Schriftverkehr angegebene Nummer. Wenn es die dann nicht gibt, ist die Sache schon klar.
Bleiben dann noch Zweifel, melde dich bitte gerne auch beim SBW. Wir helfen mit einer Recherche weiter.
Und wie ist es mit den Angeboten, die Rendite-Versprechen machen, die im Vergleich zu den Renditen am Kapitalmarkt völlig unrealistisch sind? Das lässt sich ja bei Auslandsanlagen nur schwer prüfen, meinst du?
Zunächst einmal: Wenn es tatsächlich risikoarme Auslandsanlagen mit überhohen Renditen gäbe, würden die institutionellen Anleger (Versicherungsgesellschaften, Rentenanstalten, Banken, Fonds) ihr Geld schnellstens dorthin transferieren.
Also: Entweder es gibt die hohen Gewinnmöglichkeiten gar nicht oder sie sind hoch riskant und du bekommst am Ende dein Geld nur zum Teil oder gar nicht mehr zurück.
Im Internet kannst du sehr wohl einen Richtschnur für das Zinsniveau im jeweiligen Ausland ermitteln. Gib bei Google ein „Staatsanleihen weltweit in der Übersicht“. Zwar sind Staatsanleihen nicht unbedingt die ertragsreichste Geldanlage. Aber auch sonstige Anlagen im jeweiligen Land dürften kaum viel mehr Zins bringen – wenn sie als einigermaßen sicher gelten sollen.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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