Recklinghausen-Suderwich. Es gibt kaum ein anderes Lebensmittel, das inzwischen derart verrufen ist wie der Weizen. Er soll dick machen und depressiv, ja sogar dumm. Das war nicht immer so, das zeigt auch die vielfältige Symbolik.
Bei den alten Ägyptern stand das ausgesäte Weizenkorn, das in der Erde stirbt (weil es dann keimt und zur Pflanze wird), für die Auferstehung. Die alten Griechen sahen im Weizen einen vollendeten Gegenstand mystischer Versenkung. Die Römer pflanzten ihn hingegen auf Gräber, um von der Kraft der Toten profitieren zu können.
Der Weizen ist unser wichtigstes Getreide. Es ist insgesamt ein gesundes, seit Jahrtausenden bewährtes Lebensmittel. Dennoch liest man immer wieder, dass uns das Getreide krank machen kann. Stimmt das? Wir wollen dem für dich auf den Grund gehen.
Weizen allein ist nicht der Auslöser für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Wer aber zu viel Energie zu sich nimmt und sich gleichzeitig zu wenig bewegt, kann übergewichtig werden – und erhöht somit das Risiko für derartige Krankheiten. Das ist eine Frage der Energiebilanz, egal ob mit oder ohne Weizen. Die Verarbeitung des Weizens ist hier entscheidend. Insbesondere Vollkornweizen liefert dem Körper wichtige Vitamine und Mineralstoffe.
Macht Weizen süchtig?
Studien zeigen, dass nach der Aufnahme von Weizen Sättigungshormone ausgeschüttet werden. Zudem besagen wissenschaftliche Daten, dass die Proteine des Glutens (Klebereiweiß) Sättigungshormone stimulieren und damit ebenfalls zur Sättigung beitragen. Brötchen oder Nudeln machen also nicht süchtig sondern satt. Egal, ob es sich um Fett, Zucker oder Weizen handelt, wenn man mehr davon isst als der Körper braucht, nimmt man zu.
Es stimmt, dass Weizen Exorphine enthält. Exorphine sind Eiweiße, die an Opiatrezeptoren andocken können. Allerdings sind Exorphine nicht nur im Weizen, sondern auch in anderen Lebensmitteln wie Milch oder Spinat enthalten. Die Wirkung der Exorphine ist noch nicht ausreichend erforscht, aber man geht davon aus, dass sie eine eher positive Wirkung auf den Menschen haben. So weist eine Studie zum Beispiel darauf hin, dass Exorphine sich positiv auf den Blutdruck auswirken können. Sie machen allerdings nicht süchtig!
Weißmehl oder Vollkornmehl?
Es spielt eine wichtige Rolle, ob die Wahl auf raffiniertes Getreide oder Vollkorngetreide fällt. Vollkorngetreide enthält das volle Korn vom Weizen – das heißt wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Anders ist es bei raffiniertem Getreide, bei dem während der Verarbeitung die wertvolle Schale entfernt wird und nur der sogenannte Mehlkörper zurückbleibt. Getreideballaststoffe haben eine präventive Wirkung und können zu einer gesunden Ernährung einen wichtigen Beitrag leisten. Ein hoher Anteil an Ballaststoffen in der Ernährung wirkt ausgleichend auf den Blutzuckerspiegel, sorgt für eine geregelte Verdauung und für ein längeres Sättigungsgefühl, deshalb ist Vollkornweizen besonders empfehlenswert.
Glutenunverträglichkeit
Richtig ist, dass Gluten bei Menschen mit Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) zu entzündeten Dünndarmschleimhäuten führt. Allerdings geht man davon aus, dass eine genetische Disposition (z.B. Vererbung) zu Zöliakie führt und nicht etwa übermäßiger Weizenkonsum. Für die meisten Menschen stellt Gluten in normalem Ausmaß keine Belastung dar; der Darm bleibt gesund.
In Deutschland sind übrigens nur etwa ein Prozent der Bevölkerung von Zöliakie betroffen, die selbstverständlich glutenhaltiges Getreide wie etwa Weizen und andere glutenhaltige Zutaten strikt meiden müssen.
(Quellen: Verbraucherzentrale Hamburg / Zentrum der Gesundheit / Lebensmittellexikon)
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