Recklinghausen-Suderwich. Lebensmittel mit dem Bio-Siegel werden in immer größerer Vielfalt auch bei den einschlägigen Discountern angeboten. Und in einigen Supermärkten konnte man sie zuletzt zu gleichem Preis und teilweise sogar preiswerter erwerben als konventionell erzeugte Produkte. Das hat Radio BerlinBrandenburg (RBB) kürzlich ermittelt.
Das ist jedoch nicht durchgängig der Fall. Einige Bio-Produkte – und besonders Fleisch – sind immer noch deutlich teurer als herkömmlich hergestellte.
Woran liegt dieser Preisverfall?
Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW / Berlin) sieht den Grund auch in gestiegenen Energiekosten. Die Herstellung von Stickstoffdünger benötige sehr viel fossile Energie. Gas ist durch den Krieg in der Ukraine deutlich teurer geworden. Für ein Kilo Stickstoff brauche die Industrie 3-5 Kilogramm Erdöl, meint Röhrig.
Bio-Bauern jedoch bauen Pflanzen an, die den Stickstoff aus der Luft holen und in den Boden bringen. Sie können weitgehend auf synthetischen Dünger verzichten.
Dazu kommt: Die Lebensproduzenten und Einzelhandelsketten schließen langfristige, oft mehrjährige Verträge mit Bio-Bauern ab. So können die Händler die Preise ihrer Bio-Eigenmarken stabil halten. Das wirke sich z.B. bei Tomaten, Äpfeln, Möhren, Nudeln und einigen Milchprodukten aus.
Der Trend zu günstigeren Verbraucherpreisen bei Bio-Lebensmitteln wird vom Deutschen Bauernverband bestätigt. Das liege u.a. daran, dass die Bio-Anbauflächen stetig größer werden, besonders in Brandenburg und im Saarland.
Die im Verhältnis günstigeren Preise gelten allerdings nicht für Bio-Fleisch. Hier liegen die Kosten für den Verbraucher immer noch deutlich über denen herkömmlicher Produktion.
Das liegt daran, dass hier die Bio-Regeln kostenintensiv sind. Die Tiere benötigen mehr Stall- und Auslaufflächen. Weidegang und zu bestimmten Jahreszeiten benötigtes Öko-Futter sind aufwändig. Preiswertes Eiweißfutter mit künstlich hergestellten Aminosäuren kann der Bio-Bauer nicht einsetzen. Das zugesetzte Futter muss ohne chemisch-synthetische Pestizide erzeugt worden sein. Auch das erhöht die Erzeugerkosten.
Peter Röhrig plädiert dennoch für den Kauf von biologisch erzeugtem Fleisch. Die Bio-Bauern muten ihren zur Verfügung stehenden Flächen nicht mehr Tiere zu als sinnvoll. Dung wird dort kontrolliert ausgebracht. Das erspart der Volkswirtschaft, also uns allen als Steuerzahler, die hohen Kosten der Grundwasserreinigung von Pestizid- und Düngerrückständen.
Ob das insgesamt vorteilhafte Preis-Verhältnis auf Dauer günstig bleibt, will Röhrig nicht zusichern. In der jüngsten Vergangenheit wurden herkömmlich hergestellte Lebensmittel teurer als die Ökologischen. Es kann auch bei den Öko-Bauern zu jetzt noch nicht vorhersehbaren Preissprüngen kommen.
Fest steht: Verbraucher und Verbraucherinnen kaufen zunehmend mehr Bio-Produkte. Dieser Trend könnte das Ernährungssystem in Deutschland nachhaltig verändern.
Der „Handelsreport Lebensmittel“ meint: Für zwei von drei Verbrauchenden ist das Preis-Leistungsverhältnis das wichtigste Kaufkriterium. Preiswerte Bio-Eigenmarken steigern also den Absatz von Bio-Produkten.
Nach den Vorstellungen der Ampel-Regierung sollte der Anteil der Bio-Landwirtschaft bis 2030 30 % der Lebensmittelproduktion erreichen. Es ist ungewiss, ob dieses Ziel unter einer anderen Regierung weiter verfolgt wird.
(Quelle: rbb24 / https://t1p.de/bawdt)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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