Recklinghausen-Suderwich. Ökostromtarife helfen oft gar nicht bei der Energiewende. Wir erklären, warum das so ist und welche Labels uns zeigen, wo wenigstens etwas für das Klima getan wird. Dann erklärt sich auch die Frage: Ist Ökostom wirklich sinnvoll?
Das Wichtigste in Kürze:
Warum fördert nicht jeder Ökostromtarif die Energiewende?
Egal, welchen Tarif du wählst: Die physische Quelle deines Stroms ist davon unabhängig. Auch wenn du Ökostrom beziehst, kommt die Energie aus irgendeinem nahegelegenen Kraftwerk zu dir. Dein Stromanbieter muss für deinen Ökostrom aber sogenannte Herkunftsnachweise kaufen.
Herkunftsnachweise belegen, wie und wo der Strom erzeugt wurde. Anbieter erwerben Herkunftsnachweise für die Menge Strom aus erneuerbaren Quellen, die er seinen Kunden und Kundinnen als Ökostrom verkauft.
Herkunftsnachweise aus Deutschland gibt es allerdings kaum. Grund dafür ist, dass in Deutschland der Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzlich gefördert wird – über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Grüner Strom, der so gefördert wird, darf nicht gesondert als Ökostrom verkauft werden, erhält also auch keinen entsprechenden Herkunftsnachweis. Sonst würden Anlagenbetreiber für denselben grünen Strom doppelt kassieren: über die Förderung und zusätzlich durch Verkaufserlöse.
Laut dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft kommen in Deutschland rund 10 Prozent der Ökostromanlagen Öko-Anlagenbetreiber ohne staatliche Förderung aus. Daher stehen kaum Herkunftsnachweise aus Deutschland zur Verfügung.
Durch dieses System der Förderung gibt es in Deutschland bereits einen hohen Anteil Ökostrom im allgemeinen Strommix – rund 50 Prozent. Bis Ende Juni 2022 zahlte auch jeder Stromkunde über seine Stromrechnung für den Ausbau der erneuerbaren Energien über die so genannte EEG-Umlage.
Seit November 2023 müssen Stromlieferanten die Herkunftsländer der Herkunftsnachweise im Rahmen der Stromkennzeichnung auf ihrer Internetseite und auch auf Stromrechnungen angeben. Verbraucher:innen können dann immerhin erkennen, aus welchen Ländern ihr Ökostrom kommt.
Welche Ökostromlabels sind empfehlenswert?
Wenn du Ökostrom beziehen möchtest, solltest du einen Tarif mit einem Label wählen, das ein Mindestmaß an Energiewendenutzen garantiert. Das sind das ok-Power-Label und das Grüner-Strom-Label. Beide Labels garantieren zudem, dass die Ökostromanbieter nicht an Atomkraftwerken, neuen Steinkohlekraftwerken und Braunkohlekraftwerken beteiligt sind. Von diesem Grundsatz darf nur im Einzelfall abgewichen werden, beispielsweise wenn die Beteiligung vor dem Jahr 2015 geschlossen wurde (Grüner-Strom-Label).
Wie kannst du die Energiewende besser fördern?
Um die Energiewende voranzubringen, kannst du direkt in erneuerbare Anlagen investieren. So kannst du eine Photovoltaikanlage auf dem Dach betreiben oder ein Stecker-PV-Gerät auf dem Balkon, eine Solarthermieanlage oder eine Wärmepumpenheizung. Über Bürgerenergieprojekte kannst du dich auch an Windkraft-, Biomasse- und größeren Solarkraftwerken beteiligen und so zum Ausbau der Erneuerbaren beitragen.
Außerdem ist es natürlich wichtig, deinen Energieverbrauch möglichst weit zu senken. Investitionen in sparsame Haushaltsgeräte sind deshalb gut angelegtes Geld.
(Quelle: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/preise-tarife-anbieterwechsel/ist-ein-tarif-mit-oekostrom-und-oekogas-ueberhaupt-sinnvoll-8207)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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