Recklinghausen-Suderwich. Eigentlich ist die Sojabohne ein sehr nährstoffreiches Lebensmittel. Sie liefert hochwertiges Eiweiß und zahlreiche Vitalstoffe. Dennoch werden Produkte daraus immer wieder stark kritisiert. Ist die Bohne nun gesund oder eventuell schädlich? Wir suchen nach dem Grund.
Lebensmittel auf Sojabasis haben viele wertvolle Inhaltsstoffe. In Maßen genossen, sind sie gut für den Körper. Aber: Nicht jeder kann sie bedenkenlos konsumieren.
Die Bohne ist für ihren hohen Eiweißgehalt bekannt. Dieser liegt laut dem Bundeszentrum für Ernährung in den getrockneten Bohnen bei rund 40 Prozent. In verzehrfertigen Sojaprodukten stecken rund elf Prozent Protein. Die Liste der gesunden Bestandteile in Soja lang: Vitamin B, Mineralstoffe wie Magnesium, Spurenelemente wie Eisen und ungesättigte Fettsäuren, darunter auch Omega-3-Fettsäuren.
Wer unterschiedliche pflanzliche Eiweiße zu sich nimmt, kann sich zumindest als Vegetarier ausgewogen ernähren. Veganer müssten allerdings Vitamin B12 hinzufügen.
In der Bohne stecken aber auch Stoffe, die Ernährungswissenschaftler etwas differenzierter betrachten. Darunter fallen Isoflavone, die dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ähneln. Aus diesem Grund stehen sie unter Verdacht, eine „hormonell aktivierende Wirkung“ zu haben. Das heißt, sie können an die gleichen Östrogenrezeptoren im Körper binden und die gleichen Prozesse in Gang setzen wie Östrogene.
Ist Soja also gar nicht so gesund wie gedacht? Gesunde Menschen müssen sich bei normalem Verzehr keine Sorgen machen. Das zeigten auch Langzeituntersuchungen aus dem asiatischen Raum, wo Soja schon viel länger auf dem Speiseplan steht
Ebenso befinden sich Isoflavone in geringer Menge wie auch in anderen Hülsenfrüchten, wie Kichererbsen, Linsen und Bohnen. Isoflavone können ein bestimmtes Enzym in der Schilddrüse blockieren. Dieses Enzym ist dafür verantwortlich, aus inaktiven Vorstufen aktive Hormone zu bauen.
Wird dieses Enzym in hohem Maße inaktiviert, kann also eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen. Weil dieser Effekt aber so gering und noch nicht klinisch relevant ist, entsteht bei normalem Sojakonsum für gesunde Menschen kein Gesundheitsrisiko. Außerdem wird durch die Verarbeitung zu Tofu die Menge der Isoflavone im Soja schon auf etwa ein Fünftel reduziert.
Auch Menschen mit hormonell bedingten Erkrankungen wie Brustkrebs und Stoffwechselstörungen sollten ihre Ernährung ärztlich abklären lassen. Wichtig ist, auf Abwechslung zu achten, und auch mal zu Hafermilch, bestenfalls angereichert mit Calcium, zu greifen. Vorsicht geboten ist auch bei der Ernährung von Babys und Kleinkindern mit Sojamilch. Im Vergleich zu Kuhmilch ist Sojamilch kalziumärmer, und die Wechselwirkungen mit anderen Hormonen sind noch ungeklärt. Das Gleiche gilt für schwangere und stillende Frauen. Auch Allergiker sollten vorsichtig sein. Birkenallergie kann auf Soja und auch auf andere Hülsenfrüchte überreagieren. Das gilt auch bei Gichterkrankungen wegen des enthaltenen Purins - ein Stoffwechselvorläufer der Harnsäure - nicht. Das gilt ebenso für andere Hülsenfrüchte.
Der Umweltaspekt
Wer nicht nur auf sein eigenes Wohlergehen, sondern auch auf das der Umwelt achten möchte, sollte laut Verbraucherzentrale NRW auf das Bio-Siegel achten. Nur so könnten die Anbaubedingungen kontrolliert werden. Schwieriger wird es beim Herkunftsort der kleinen Hülsenfrucht. Laut der Verbraucherschützer kommt das für Lebensmittel verwendete Soja vorwiegend aus Europa.
Das meiste Soja landet übrigens nicht auf den Tellern, sondern wird zu 80 Prozent zu Tierfuttermittel verarbeitet. Weltweit stammt es nach Angaben des World Wide Fund For Nature (WWF) meist aus den USA, Brasilien oder Argentinien. Warum Produkte aus Europa? Damit zeigt man umweltbewusstes Verhalten. Nicht zuletzt in Südamerika werden riesige Flächen von Regenwäldern für die Sojaproduktion abgeholzt.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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