Recklinghausen-Suderwich. Zu dieser Frage veröffentlichte die Stiftung Warentest („test“) eine Untersuchung von insgesamt 58 Konserven-Produkten. In Verdacht steht der Schadstoff Bisphenol A (BPA), der in vielen Alltagsgegenständen zu finden ist. Rückstände hat man in Kunststoffprodukten, im Trinkwasser, sogar in Pixi-Büchern für Kleinkinder und nicht zuletzt im Urin von Menschen gefunden.
Das BPA-Risiko
Die Wissenschaft diskutiert mögliche schädliche Wirkungen von BPA auf das Hormonsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit.
Dazu schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): "Die Verwendung von Bisphenol A zur Herstellung von Säuglingsflaschen aus Polycarbonat wurde bereits im Jahr 2011 EU-weit verboten. Das Verbot wurde im Jahr 2018 allgemein auf Trinkgefäße und Flaschen aus Polycarbonat für Säuglinge und Kleinkinder erweitert.
Für alle anderen Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff wurde ein Grenzwert für den Übergang von Bisphenol A in Lebensmittel festgelegt."
Außerdem: "Lacke und Beschichtungen, die auf Materialien und Gegenstände aufgebracht werden und mit Lebensmitteln in Berührung kommen können (beispielsweise Innenbeschichtungen von Konservendosen), fallen nicht unter die Kunststoffverordnung."
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) veröffentlichte im April 2023 eine Neubewertung für die ernährungsbedingte Exposition gegenüber BPA und senkte den Grenzwert für die akzeptable tägliche Aufnahmemenge deutlich ab auf 0,2 Nanogramm statt bisher 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Was hat das mit Dose & Co zu tun?
Blech und Aluminium werden nicht nur als Dose, sondern auch in Form von Folien, Tuben, Menü- oder Grillschalen verwendet. Unter dem Einfluss von Säure oder Salz können Aluminiumbestandteile in die Lebensmittel übergehen. Daher werden Verpackungen wie Getränkedosen, Joghurtbecherdeckel sowie Aluminiumtanks für Fruchtsäfte auf der Innenseite beschichtet.
Der Vorteil von Metallverpackungen:
Sie zeichnen sich durch gute Barriere-Eigenschaften gegenüber Gasen, Licht, Fremdkörpern, Feuchtigkeit und Gerüchen sowie durch eine hohe Festigkeit aus. Lebensmittel in Konservendosen haben die längste Haltbarkeit aller verpackten Lebensmittel. Der Inhalt kann nach dem Verschließen der Dose durch Hitze pasteurisiert oder sterilisiert werden.
Und dann haben Metallverpackungen die höchste Recyclingrate unter allen Verpackungen. Das Material kann bis zu 100 Prozent wiederverwertet werden, ohne dass es seine ursprünglichen Qualitäten verliert.
Für eine langjährige Lagerdauer von Lebensmitteln müssen Dosen allerdings vor Korrosion geschützt sein. Damit soll verhindert werden, dass sich Metalle lösen und auf den Füllinhalt übergehen. Verfärbungen und geschmackliche Beeinträchtigungen wären die Folge. Korrosionen können außerdem zu Leckagen und sogar Bombagen führen. Das heißt, Inhalte können austreten oder das Blech sich biegen. Es könnten sich dann gesundheitsschädliche Keime vermehren.
Deshalb versiegelt man die innere Oberfläche der Dose heute ganz oder teilweise mit einer dünnen Folie aus Epoxid-Kunststoff. Diese enthält jedoch meist Bisphenol-A (BPA), das vor allem während des Sterilisationsprozesses in das Lebensmittel übergehen kann.
Temperaturschwankungen, das Erhitzen zu Konservierungszwecken und ein hoher Fett- oder Säuregehalt im Lebensmittel intensivieren den Stoffübergang (Migration) häufig noch.
Aktuell fehlen jedoch praxistaugliche Alternativen von BPA-freien Beschichtungssystemen. Vorhandene Lösungen sind mit Nachteilen verbunden, wie verkürzte Lagerfristen und geringere Korrosionsbeständigkeit. Zum Teil steht die gesundheitliche Bewertung noch aus.
Untersuchungsergebnisse von test
Unter den 58 bewerteten Konserven-Produkten waren 10 Eintöpfe, 5 Suppen, 10x Thunfisch, 10x Kokosmilch, Tomaten (10), 7x Erbsen und Möhren, Kondensmilch (6). Die kamen aus den Angeboten von Aldi, Lidl, Kaufland, Edeka. Darunter waren so bekannte Marken wie Bonduelle, Erasco, Sonnen-Bassermann, Maggi und Mutti-Tomaten. Unter den getesteten Produkten waren 12 als „Bio“ deklariert.
Nach den strengeren EFSA-Regeln (siehe oben) waren 51 Produkte stark belastet. Bei Ansatz des großzügigeren BfR-Wertes erwiesen sich 14 Produkte als deutlich bis stark belastet.
Für die Bewertungen machte test für eine 60 Kilogramm schwere Person den Ansatz einer täglichen Verzehrsmenge von
Unter den besonders belasteten Nahrungsmitteln waren
(Die letzten vier nach EFSA „stark belastet“, nach BfR jedoch nur gering oder sehr gering.)
Überraschung: alle Kondensmilchprodukte waren schadstofffrei. Und die meisten Konserven „Erbsen und Möhren“ waren vergleichsweise gering belastet; die von Penny (Erbsen sehr fein mit Möhren) sogar ganz BPA-frei.
Der vollständige Test kann im Internet unter https://www.test.de/BPA-in-Konserven-Die-Dose-hat-ein-Problem-6110181-0/ abgerufen werden, jedoch für Nicht-Abonnenten der Zeitschrift test nur gegen Gebühr.
Wie kann das BPA-Risiko reduziert werden?
Klar, wer weniger aus Konserven isst, kann die Belastung mit BPA senken. Du kannst aber auch auf Dosen-Alternativen setzen, vor allem, wenn du nicht unbedingt für viele Jahre Vorräte bunkern möchtest. Aus Glas, Verbundkartons und Kunststofffolien droht laut BfR kein Übergang von Bisphenol A ins Lebensmittel.
BPA wird für die Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat (PC) verwendet. Geschirr, Trinkflaschen und Küchenzubehör können aus dem Material hergestellt sein. BPA-freie Alternativen sind Produkte aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Glas oder Edelstahl.
Werden Kunststoffdosen oder -flaschen als „Bisphenol-frei“ verkauft, sind laut BfR keine Bisphenole erlaubt. Auf die Angabe „BPA-frei“ solltest du nicht zu viel geben. Es könnten andere, zum Teil weniger gut untersuchte Bisphenole wie Bisphenol F enthalten sein.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, Lebensmittel am besten frisch zu verzehren, um die BPA-Aufnahme zu senken.
Wer für den Vorrat haltbare Lebensmittel kauft, kann etwa Tiefkühlgemüse und -gerichte sowie Glaskonserven wählen.
(Quellen: https://www.test.de/BPA-in-Konserven-Die-Dose-hat-ein-Problem-6110181-6110186/ und https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/metalle-7052 /)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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