Recklinghausen-Suderwich. Stell dir vor, es gäbe Mittel, die schlank machen. Dann hätte keiner mehr Übergewicht. Statt Frühstück morgens eine Pille und der Hunger wäre vergessen. Oder noch besser: Ein Schluck aus der Zauber-Ampulle und man könnte tütenweise Chips essen ohne ein Gramm zuzunehmen. Schön wär's!
Das Wichtigste in Kürze
Laut Werbung gibt es Wundermittel. Da gibt es welche, die sollen sich im Magen ausdehnen und einfach satt machen. Oder solche, die die Verdauung anregen und angeblich als Fettkiller im Körper unterwegs sind. Doch lass es dir gesagt sein: Wundermittel ohne kalorienreduzierte Ernährung funktionieren nicht! Und dann könnt ihr das Mittel auch gleich weglassen, stellt die Verbraucherzentrale fest.
Einige Schlankheitsmittel können sogar zu schweren gesundheitlichen Schäden führen oder süchtig machen.
Hier ein paar Beispiele:
Appetitzügler
Sie bauen kein Fett im Körper ab, sondern täuschen nur ein Sättigungsgefühl vor und man isst weniger. Weil nach ein paar Wochen die Wirkung nachlässt, muss natürlich die Dosis gesteigert werden. So machen Appetitzügler schnell süchtig. Außerdem können sie fiese Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Schlafstörungen, Übelkeit und Herzbeschwerden. Appetitzügler sind verschreibungspflichtig, deshalb gilt besondere Vorsicht bei Präparaten aus dem Internet – da sind viele gefährliche Fälschungen unterwegs!
Entwässerungsmittel
Wie der Name schon sagt – solche Mittel greifen nicht die Fettreserven an, sondern sorgen nur dafür, dass man öfter mal auf die Toilette muss. Die Pfunde purzeln dabei aber nicht.
Abführmittel
Sie beschleunigen die Verdauung so, dass der Körper nicht nur Kalorien sondern auch Nährstoffe und Vitamine viel schlechter aufnehmen kann. Abführmittel sind keine Schlankheitsmittel! Wer Probleme mit der Verdauung hat, sollte besser viel Vollkornprodukte, Gemüse und Obst essen und vor allem viel trinken.
Quellmittel
Sie sollen als Hungerbremse funktionieren, weil sie sich angeblich im Magen ausdehnen. Wer allerdings nicht genug trinkt, kann dabei auch mächtige Verstopfungen bekommen. Bevor man also Tabletten schluckt, die im Magen wie Kleister aufgehen, kann man besser viel trinken und die Quellmittel weglassen. Und mal ehrlich: Wo bleibt denn beim Pillenessen der Genuss?
Enzympräparate
Das sind meist Kapseln oder Tabletten aus tropischen Früchten. Auch sie sollen angeblich die Verdauung anregen und Fett abbauen. Das Dumme ist nur, dass Enzyme Eiweißverbindungen sind, die bereits durch die Magensäure vorverdaut und damit zerstört werden. Das heißt, sie kommen erst gar nicht im Darm an. Und wenn sie doch ankommen, bauen sie kein Fett ab, sondern sorgen für eine bessere Eiweißverdauung: Eiweiß kann so leichter verwendet werden – auch als Kalorienlieferant. Eine ziemlich absurde Geschichte also!
Formula-Diäten
Drinks auf Eiweißbasis, eingerührt in Wasser, Milch oder Saft, ersetzen eine oder mehrere Mahlzeiten am Tag. So sollen Kalorien gespart und dennoch die wichtigsten Nährstoffe geliefert werden. Ohne ärztliche Begleitung darf man aber auch das maximal drei Wochen machen. Es funktioniert, aber der oft eintönige und zweifelhafte Geschmack verleitet nicht sonderlich zum Durchhalten. Nach dem Absetzen geht das Gewicht aber wieder rauf, wenn man dann nicht kalorienarm weiter isst.
Neuer Trend: Antidiabetika als Adipositasmittel
Das neu zugelassene Medikament Tirzepatid zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes scheint auf den ersten Blick auch super zur Gewichtreduktion zu sein. Es wird einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt. Es ahmt die Wirkung bestimmter Hormone nach. So wird mehr Insulin und weniger Glukagon ausgeschüttet. Außerdem setzt das Sättigungsgefühl früher ein. Tirzepatid senkt dadurch sowohl den Langzeitblutzuckerspiegel (HbA1c) als auch das Körpergewicht, durchschnittlich um 20 Prozent.
Aber: Es ist ein verschreibungspflichtiges gespritztes Medikament und keine Kapsel, die man sich mal eben einwirft! Die Nebenwirkungen sind nicht ohne: Übelkeit, Magen-Darm-Probleme und unregelmäßiger Stuhlgang. Über Langzeitauswirkungen auf das Körpergewicht ist noch nichts bekannt. Veränderungen des Lebensstils bleiben trotz Behandlung wichtig und werden nicht durch ein Medikament ersetzt! Ein ähnlich wirkendes Medikament heißt Liraglutid.
Vorsicht Abzocke!
Es ist übrigens gar nicht so schwer, unseriöse Anbieter in der Werbung zu erkennen.
Die arbeiten nämlich immer mit der gleichen Masche:
Wer abnehmen will, braucht viel Zeit, eine wirksame Ernährung, ordentlich Bewegung – und ausreichend Schlaf (kein Witz!). Statt dein Taschengeld für irgendwelche Schlankheitsmittel zu verpulvern, kannst du besser bei den Abnehm-Tipps der Verbraucherzentrale vorbeisurfen - siehe Quellenhinweis.
Quelle: Verbraucherzentrale NRW (checked4you.de)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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