Recklinghausen-Suderwich. Wer kennt es nicht, das Angebot einer „professionellen Zahnreinigung“ (PZR) beim Routinebesuch des Zahnarztes? Soll das Auftreten von Karies und Parodontitis verhindern. Muss aber meist aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Lohnt das?
In Kürze:
Was gehört zu einer PZR?
Die PZR ist eine Intensivreinigung mit Spezialinstrumenten. Krankmachende und kosmetisch störende Beläge, die das Risiko für Karies und Parodontitis erhöhen, sind zu entfernen.
Beläge werden mit Hand- und Schallinstrumenten und Pulverstrahltechnik von den Zahn- und Wurzeloberflächen entfernt. Zu reinigen sind die erreichbaren Zahnwurzeloberflächen und Zahnzwischenräume. Eine anschließende Politur erschwert das Anhaften neuer Bakterien. Fluoridierung mit Lack oder Gel, schützt die Zähne vor Karies. Eine Aufklärung zur richtigen Mundhygiene zu Hause gehört dazu.
Wenn der Arzt damit fachkundige Assistent:innen beauftragt, muss er dennoch die Zähne nach erfolgter Reinigung kontrollieren.
Kosten?
Wie schon gesagt: abgerechnet wird nach der GOZ, der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte. Zu berücksichtigen sind (nach GOZ-Nummer 1040) Zeitaufwand, Schwierigkeit, Anzahl und Zustand der Zähne, Art/Menge/Ursache der Zahnbeläge, Art der Methoden und der eingesetzten Materialien, Qualifikation der Mitarbeitenden. Eine breite Spielwiese der Vergütungsgestaltung.
Ein durchschnittlicher Preis pro Zahn von 3,62 € und insgesamt 80-120 € sind nach Angabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu erwarten. Der Preis kann je nach Praxis, Aufwand und Region auch deutlich darüber liegen.
Tiefpreise sind ebenso wie Pauschalangebote außerhalb der privaten Gebührenordnung, Rabatte oder Sonderangebote unseriös.
Zahlt die gesetzliche Krankenkasse?
Die GKV übernimmt für Erwachsene jährlich die Kosten für eine Zahnsteinentfernung. Einige Kassen zahlen ganz oder teilweise Zusatzleistungen. Vor Kurzem sicherten das 44 von 96 angefragten Kassen der Verbraucherzentrale zu.
Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) veröffentlicht seit 2015 eine Liste der gesetzlichen Krankenkassen, die sich an den Kosten einer PZR beteiligen. Ansonsten bei der eigenen Kasse nachfragen.
Nutzen der PZR?
Die Verbraucherzentrale berichtet: „Insgesamt ist die Datenlage zur Wirksamkeit einer professionellen Zahnreinigung noch ziemlich unbefriedigend, da sind sich Zahnärzteschaft und Forschende einig. Für Menschen mit guter Mundgesundheit kam das renommierte Cochrane-Forschungsnetzwerk im Jahr 2022 zu dem Schluss, dass der Nutzen einer PZR bislang nicht ausreichend belegt ist.“
Besteht hingegen eine Erkrankung, z.B. Paradontitis, dann gehört die Nachbehandlung inklusive Reinigung zum Therapieumfang. Das ist dann nicht eine "klassische" PZR. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Zahnärzte halten die PZR allerdings für sinnvoll. Die häusliche Mundhygiene und gesunde Ernährung würden meist nicht ausreichen, um Karies und Parodontitis zu verhindern und Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten.
Checkliste der Verbraucherzentrale
(Quelle: Professionelle Zahnreinigung (PZR): Das sollten Sie darüber wissen | Verbraucherzentrale NRW)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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