Recklinghausen-Suderwich. Der Rotkohl gehört wie die anderen Kohlvarianten zur Familie der Kreuzblütler. Ob Rotkohl, Blumenkohl, Brokkoli oder Rosenkohl: Sie alle sind durch Mutationen entstanden. Der farbenfrohe Rotkohl ist zwar etwas kleiner und fester als der Weißkohl, sieht ansonsten aber fast genauso aus, nur in einer anderen Farbe.
Es handelt sich in beiden Fällen um einen Kopfkohl, weshalb die beiden Brüder auch in Bezug auf die Inhaltsstoffe kaum Unterschiede aufweisen. In einem Punkt aber unterscheidet sich der rote Kohl ganz wesentlich vom Weißkohl. Denn er enthält Farbstoffe, die sogenannten Anthocyane. Dabei handelt es sich um antioxidativ wirksame sekundäre Pflanzenstoffe, die ihn zu einem besonders gesunden Gemüse machen. Gerade in den kalten Monaten, wenn der Rotkohl vorwiegend geerntet wird, gibt es vergleichsweise wenige regionale Obst- und Gemüsearten, die unser Immunsystem auf Trab halten und uns vor Infekten bewahren. Der Rotkohl ist somit eine prima Alternative zu vitaminreichen Exoten, da er praktisch vor der Haustüre wächst.
Geschichte des Rotkohls
Ursprünglich stammt der Kohl aus dem Mittelmeerraum und wurde dort bereits vor Jahrtausenden kultiviert. Den alten Griechen und Römern waren bereits mehrere Kohlsorten, wie z. B. der Grüne Krauskohl, bekannt, aber keine Art mit geschlossenen Köpfen. In Mitteleuropa wurde der Kohl hingegen erst ab dem Mittelalter angebaut.
Der Rotkohl fand erstmals in den Schriften der Universalgelehrten Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert als "Rubeae caule" Erwähnung. Einerseits galt der Kohl als wichtiges Lebensmittel, da er die Menschen im Winter mit wichtigen Nährstoffen versorgte, andererseits war er aber auch ein anerkanntes Heilmittel.
So wurde etwa aus frischem Kohlsaft, Kohlsuppe und Sauerkraut Heilmittel hergestellt bei Haarausfall, Gicht, Gelenkschmerzen, aber auch bei Verdauungsbeschwerden, Koliken, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie Darmgeschwülsten. Auch Wickel aus gewalzten bzw. gequetschten Kohlblättern dienten dazu, äußerlich Geschwüre, Wunden, kranke Gelenke und entzündliche Hautprobleme zu behandeln.
Wie die Farbe entsteht
Die Färbung des Rotkohls ist abhängig vom Anbaugebiet und kann tatsächlich mal mehr ins Rötliche und mal mehr ins Bläuliche gehen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Blattfarbe mit dem pH-Wert des Bodens verändert. Ist der Boden nun sauer, erstrahlt die Blattfarbe eher in Rottönen, in alkalischen Böden hingegen in Blautönen. Ausschlaggebend sind hierbei die Pflanzenfarbstoffe namens Anthocyane, die als pH-Indikator fungieren.
Als in der Landwirtschaft noch keine Kunstdünger zum Einsatz kamen, war der regionale Farbunterschied noch viel größer, zumal die norddeutschen Böden wegen der vielen Hochmoore deutlich saurer waren als die Böden im Süden Deutschlands. Inzwischen entscheidet vordergründig die Zubereitung in der Küche, ob aus dem Rotkohl ein Rotkraut oder Blaukraut wird. Denn auch beim Kochen des Rotkohls entsteht je nach Zutaten ein saures oder basisches Milieu.
Je mehr Essig, Wein oder säurehaltige Lebensmittel wie Äpfel dazugeben werden, desto rötlicher ist das Gericht. Dies ist insbesondere in Norddeutschland sowie in der badischen Küche üblich. Im süddeutschen Raum wird der Rotkohl mancherorts hingegen lieber süßlich (mit Zucker und Konfitüre) zubereitet und verfärbt sich dadurch blau.
Die Nährwerte
Die Nährwerte des Rotkohls sehen folgendermaßen aus (pro 100 g des frischen/rohen Gemüses): Energie 23 kcal (95 kJ), Wasser 90 g, Kohlenhydrate 3.5 g, Ballaststoffe 2.5 g, Eiweiß 1.5 g, Fett 0.2 g.
Rotkohl liefert unserem Körper gesunde Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Außerdem bietet er viele verschiedene Senfölglycoside, die krebshemmend wirken und den Hormonhaushalt wirksam regulieren. So stärken sie unser Immunsystem, beugen Infektionen vor und senken das Risiko für Tumorerkrankungen wie Brustkrebs, Lungenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Neben den Senfölglycosiden enthält der Rotkohl auch Anthocyane, also rote bis bis violettblaue Pflanzenfarbstoffe. Die Anthocyane halten uns Menschen gesund und schützen vor Krankheiten. Um all diese tollen Inhaltsstoffe zu erhalten, greifst du am besten zu frischem Kohl und lässt bei der Zubereitung den Kohl nicht zu lange köcheln.
Rezept: Rotkohlsalat mit Apfel
Ein köstliches Rohkostgericht ist unser Rotkohlsalat mit Apfel und einem Hauch Zimt und Nelken. Gerade in roher Form sind Kohlgerichte besonders gesund. Der Salat ist in 30 bis 40 Minuten fertig (inkl. 15 Minuten Ziehzeit).
Zutaten für den Salat (für 4 Portionen)
500 g Rotkohl – in feine Streifen schneiden oder hobeln, 1 Apfel – kurz vor Gebrauch in 5-mm-Würfel schneiden, 2 EL Kürbiskerne – grob hacken und fettfrei rösten , 2 EL Walnüsse – grob hacken und fettfrei rösten
Zutaten für das Dressing
80 ml Orangensaft, frisch gepresst, 3 EL Olivenöl, kaltgepresst, 2 EL Apfel-Balsamicoessig, 1 EL Apfeldicksaft, 1 ½ TL Dijon-Senf , 2 Msp. Zimtpulver, 2 Msp. Nelkenpulver, Kristallsalz und Pfeffer aus der Mühle.
(Quelle: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/kohlgemuese-uebersicht/rotkohl)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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