Recklinghausen-Suderwich. Es gab sie verstärkt seit Anfang 2023, die inflationäre Preisentwicklung bei Lebensmitteln. Aber nicht nur aufgrund gestiegener Herstellungskosten. In der Preissteigerungswelle schwammen auch einige Hersteller sehr eigennützig mit, indem sie die Verpackung mit weniger Inhalt füllten oder bei den Zutaten die Qualität absenkten. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat darauf besonders ein Auge und veröffentlicht im Internet eine Mogelpackungs-Liste.
Was ist „Shrinkflation“?
Das Wort kommt zum Teil aus dem Englischen: „shrink“ heißt „schrumpfen“. Dazu der Begriff „Inflation“. Eine versteckte Preiserhöhung also.
Gerade bei den Discountern reagieren die Kunden sensibel auf steigende Preise bei den häufig erworbenen Produkten. Reduziert der Hersteller den Verpackungsinhalt – oft bei gleichbleibender Packungsgröße – fällt das nicht immer auf. Der Kilo-Preis steigt und die Kundschaft merkt die Teuerung oft nicht.
Was ist „Skimpflation“?
Hört sich ähnlich an, zielt in dieselbe Richtung. Das englische „skimp“ bedeutet „knausern“. Der Hersteller spart hier bei der Qualität seines Produkts. Da wird dann z.B. Sonnenblumenöl durch Palmöl ersetzt oder der Wasseranteil bei Apfelschorle oder Tiefkühlspinat erhöht. Das bringt dem Unternehmer zwar weniger ein als bei der „Shrinkflation“, fällt aber auch weniger auf.
Nicht nur bei Handelsmarken, auch bei den Eigenmarken
Die Verbraucherzentrale Hamburg sammelt Beschwerden zu diesen Themen. Sie stellte fest, dass im ersten Halbjahr 2023 die Zahl der Meldungen deutlich zugenommen hat. Durch Reduzierung der Füllmenge wurden manche Produkte um bis zu 75 % teurer! Das ließ sich zunächst besonders bei einigen Herstellermarken entdecken.
Inzwischen sind zunehmend auch die bisher als besonders günstig, aber nicht qualitativ geringer beworbenen Eigenmarken der Discounter auffällig geworden. Inzwischen dominieren die No-Name Produkte in der Liste.
Dabei kommt es auch zu „doppelten“ Preiserhöhungen: es sinkt nicht nur die Füllmenge, es steigt auch der Packungspreis. Die allgemein festgestellte Preiserhöhung kann dazu führen, dass Verbraucher:innen zunehmend zu Eigenmarken wechseln – ohne die Tricks zu merken.
So schrauben sich die Preise nicht nur durch höhere Herstellungs- und Transportkosten (die inzwischen auch nicht mehr so hoch sind wie zu Beginn der inflationären Entwicklung!) und gestiegene Lohnkosten, sondern auch durch Shrinkflation und Skimpflation immer weiter hoch. Das zieht natürlich weitere Forderungen nach Lohnsteigerung nach sich – wird doch alles teurer! Eine unselige Spirale!
Wo sind die Mogelpackungen?
Vor allem betroffen sind verpackte, industriell gefertigte Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs. Dabei fielen besonders auf:
Hier ein paar Beispiele, die die Verbraucherzentrale nennt:
Darauf solltest du achten:
Weniger Inhalt – mehr Verpackung
„Shrimpflation“ – nicht nur ärgerlich für dich als Kunde, auch schlecht für die Umwelt. Luftpackungen sind eine wahre Ressourcenverschwendung. Beispiel Margarine: So hat der Hersteller Upfield die Verpackungsmenge sowohl bei Rama als auch bei Sanella von 500 auf 400 Gramm reduziert, bei gleicher Packungsgröße. Für 1.000 Tonnen Margarine verbraucht der Hersteller damit eine halbe Million mehr Becher als vorher.
Was sagt der Gesetzgeber?
Es gibt Gesetze gegen die Täuschung von Verbraucher:innen. Irreführende Informationen oder täuschend große Verpackungen sind laut Paragraph 43 Abs. 2 Mess- und Eichgesetz verboten. Doch die Gesetzeslage für schrumpfende Packungsmengen ist oft eher Auslegungssache. Rechtlich gesehen darf man z.B. erst von Mogelpackung sprechen, wenn mehr als 30 % Luft in der Verpackung ist. So liegt die Rechtsprechung oft im Ermessen der Gerichte.
(Quelle: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/shrinkflation-so-mogeln-hersteller-bei-den-verpackungen-88601)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.