Recklinghausen-Suderwich. Die Möglichkeit im Internet, online das zu kaufen, was das Herz begehrt, ist schon sehr verlockend. Verlockender wird es dann nur noch, wenn die Preise für die begehrte Ware unschlagbar günstig sind Aber ist das gewünschte Paar Sneakers oder die tolle „Marken“-Kleidung wirklich so günstig wie im Netz angepriesen?
Wo ist der Online-Shop ansässig?
Das weltweite Internet machte es möglich, dass wir zu jeder Zeit und an jedem Ort digitale Inhalte abrufen und sogar Waren einkaufen können, die zum Beispiel aus Asien kommen. Diese Online-Shops sind meist sehr professionell aufgebaut und bieten neben einem deutschsprachigen Namen auch eine URL (Webadresse) mit der Endung „.de“, die länderspezifische Top-Level-Domain in Deutschland. Manchmal liefert der Shop auch ein Impressum mit einer deutschen Anschrift – doch die Waren kommen meist aus China.
Mängel bei Größen, Qualität und Material
Schön präsentierte Produktfotos und entsprechende Artikelbeschreibungen entsprechen häufig nicht der Realität. Insbesondere bei Kleidung aus asiatischen Online-Shops weisen immer wieder erhebliche Mängel in der Verarbeitung oder dem Schnitt auf. Oft entspricht das gelieferte Material auch nicht dem in der Beschreibung genannten. So sind zum Beispiel Kleidungstücke aus Baumwolle oder Leinen gerne aus synthetischen Materialien wie Polyester.
Auch sind die angegebenen Größen nicht immer mit den in der EU bekannten Konfektionsgrößen vergleichbar. In den Angeboten wird darauf jedoch nicht hingewiesen. So sind T-Shirt und Co oft erheblich kleiner oder enger als erwartet.
Zusätzliche Kosten durch Zollgebühren und Steuern
Wenn ihr Waren in Ländern außerhalb der Europäischen Union bestellt, dann müsst ihr als Empfänger der Ware (je nach Warenwert) – Zollgebühren, -kosten, -steuern und/oder Einfuhrumsatzsteuer entrichten. Daher solltet ihr euch vor dem Kauf zu diesen Gebühren und Steuern informieren. Denn oft ist der gekaufte Artikel nach dem Zoll gar nicht mehr so günstig. Vielleicht ist der begehrte Gegenstand zu dem dann zu zahlenden Betrag auch bei einem europäischen Händler, incl. Widerrufsrecht, zu erwerben.
Noch ärgerlicher ist es für euch, wenn der Zoll eure bestellten Sneakers als Plagiat enttarnen. Diese müssen dann durch den Zoll vernichtet werden und ihr müsst für diese Kosten sowie den Anwaltskosten des Markenrechtinhabers eintreten. Ihr habt dann keine Ware und trotzdem eine nicht unbeachtliche Summe an Kosten zu tragen.
Schwierige Lieferung, Rücksendung und Widerruf
Neben den schon beschriebenen Problemen ist die Lieferung meist auch nicht unproblematisch. Ein online als „verfügbares“ Produkt wird in der Regel auch zeitnah versendet. Da China aber nicht „um die Ecke“ liegt, dauert eine Lieferung oft mehrere Wochen und dann kommt das gewollte Geschenk evt. erst nach Weihnachten an. Auch die Bearbeitung beim Zoll kann die Lieferung verzögern.
Wenn ihr aufgrund der langen Lieferzeit oder anderen Mängeln den Kauf widerrufen wollt, gibt es meist noch weitere Probleme. Oftmals stellt man erst jetzt fest, dass es gar kein Impressum mit Kontaktdaten gibt. Eine Kontaktaufnahme geht meist über ein Kontaktformular oder über Chat-Bots. Mit wem ihr den Kaufvertrag geschlossen habt, bleibt unklar und eine Durchsetzung eures Rechts praktisch unmöglich.
Sollte es euch dennoch gelingen, den Kontakt herzustellen, folgt meist der nächste Frust. Eine Rückgabe der Ware gegen Erstattung ist fast immer nicht möglich oder mit hohen Kosten verbunden. So müsst ihr die Ware auf eure Kosten, meist nach China, zurücksenden. Manche Verkäufer bieten euch als Kunden einen sehr geringen Rabatt von 10 – 15 Prozent für die mangelhafte oder verspätete Lieferung an.
Unsere Tipps
Ein paar Tipps möchten wir euch mit auf den Weg geben, damit ihr in Zukunft keinen Frust beim Shoppen im Word Wide Web bekommt.
Grundsätzlich solltet ihr beim Kauf von Waren auf möglichst hohe Umwelt- und Sozialstandards achten. Leider sind Produkte aus fernen Weltregionen mit solchen Standards oft nur schwer zu finden. Sollten die formalen Bedingungen für eine Bestellung von euch geprüft und akzeptabel sein, dann wäre es wünschenswert, wenn ihr euch auch noch Gedanken dazu macht, ob das Produkt wirklich aus fernen Ländern bezogen werden muss. Die „supergünstigen“ Angebote, welche quer über den Globus verschifft oder geflogen werden, belasten unsere Umwelt. Vielleicht kommt das Sprichwort „Weniger ist mehr“ als Devise für euch in Frage.
Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg e.V.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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