Recklinghausen-Suderwich. Die Ernährung wird für viele Menschen immer wichtiger. Dabei stellt sich diese Fragen: Was muss ich essen, um mich gesund zu ernähren? Viele setzen dabei inzwischen auf Rohkost. Eine gute Idee?
Was gehört alles zu Rohkost?
Die gängigste Definition, die auch heute noch als wissenschaftlicher Standard gültig ist, stammt aus einer Studie der Justus Liebig Universität Gießen (1996-1998). Unter Rohkost wird hier eine Kostform gefasst, ”die weitgehend oder ausschließlich unerhitzte pflanzliche (teilweise auch tierische) Lebensmittel enthält. Es werden auch Lebensmittel einbezogen, die verfahrensbedingt erhöhten Temperaturen ausgesetzt sind (z.B. kaltgeschleuderter Honig und kaltgepreßte Öle), ebenso Lebensmittel, bei deren Herstellung eine gewisse Hitzezufuhr erforderlich ist (z.B. Trockenfrüchte, Trockenfleisch, Trockenfisch und bestimmte Nußarten). Außerdem können kaltgeräucherte Erzeugnisse (z.B. Fleisch und Fisch) sowie essig- und milchsaure Gemüse Bestandteil der Rohkost sein.“
Was macht Rohkost gesund?
Als gesund gilt Rohkost durch den hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen wie zum Beispiel Carotinoiden und Flavonoide. Diese gelten als wichtige Antioxidantien.
Antioxidantien in Obst und Gemüse haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und schützen den Körper vor sogenannten "freien Radikalen". Diese bildet der Körper während verschiedener Stoffwechselprozesse. Und sie entstehen durch schädliche äußere Einflüsse wie Umweltgifte, UV-Strahlung der Sonne oder Zigarettenrauch.
Zudem bleiben bei der Rohkost alle Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe in der Nahrung vollständig erhalten. Das wasserlösliche Vitamin C etwa ist nicht stabil und wird durch Erhitzen zerstört. Im Gegensatz zur erhitzten Kost stehen dem Körper bei Rohkost also alle Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe zur Verwertung zur Verfügung. Bei den fettlöslichen Vitaminen A, E, D und K bedarf es allerdings etwas Öl, damit sie vom Körper aufgenommen werden können.
Vitamin C ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Es wird unter anderem zum Aufbau des Bindegewebes (Kollagen), der Knochen und der Zähne gebraucht.
Rohkost kann zudem helfen, körperliche Beschwerden, z.B. bei chronischer Verstopfung oder Darmträgheit, zu lindern. Die reich enthaltenen Ballaststoffe helfen dem Körper, die Darmfunktion wieder in Gang zu setzen. Außerdem bewirken die Ballaststoffe, dass rohes Obst und Gemüse sättigt.
Nicht wissenschaftlich bewiesen ist, dass eine reine Rohkosternährung Krebs vorbeugen oder gar heilen kann.
In einer wissenschaftlichen Studie wurde nachgewiesen, dass Rohköstler Mangelerscheinungen haben. Es gab Defizite bei Nährstoffen, die überwiegend aus Getreideprodukten oder Lebensmitteln tierischer Herkunft stammen, wie die Vitamine D, B2, B12 und Niacin sowie die Mineralstoffe Zink, Kalzium und Jod - hier waren die Werte nach den Empfehlungen der DGE unzureichend.
Eine hohe Zufuhr
Bei den Vitaminen A und E sowie Magnesium und Eisen wurde zwar bei den Studienteilnehmern eine hohe Zufuhr verzeichnet, allerdings ließ sich diese hohe Zufuhr nicht in den Blutwerten nachweisen. Der Körper kann die fettlöslichen Vitamine A und E nur in Kombination mit Fett optimal verwerten. Eine Erklärung könnte also sein, dass die Probanden nicht ausreichend Fett zu sich genommen haben. So liefert eine rohe Karotte zwar wichtiges Beta-Carotin, dies kann der Körper aber ohne Fett nicht zu Vitamin A umbauen. Für die Bioverfügbarkeit der Vitamine A und E ist es egal, ob das Gemüse roh oder gekocht aufgenommen wird.
Zudem ist Eisen aus tierischen Lebensmitteln besser für den Körper verfügbar, als Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.Insgesamt zeigte sich bei den untersuchten Rohköstlern auch für Protein eine unzureichende Zufuhr. Das ist darauf zurückzuführen, dass gerade Pflanzen mit hohem Proteingehalt – vor allem Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen – nicht roh verzehrt werden können.
Wieviel Rohkost soll ich essen?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst zu essen. Das entspricht täglich rund 400 g Gemüse, davon zur Hälfe 200 g gegartes Gemüse und zur anderen Hälfte 200 g Rohkost bzw. Salat und etwa 250 g Obst. Als Maß für eine Portion dient laut DGE die eigene Hand. Daraus ergeben sich Mengen, die zu Alter und zur Körpergröße passen.
Rohkost – in der von der DGE empfohlenen Menge - gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu.
Wissenschaftlicher Konsens ist es, dass eine reine Rohkosternährung aus gesundheitlicher Sicht nicht zu empfehlen ist. Insbesondere bei Risikogruppen wie Schwangeren, Stillenden, Kindern und älteren Menschen wird von einer Ernährung, die ausschließlich aus rohem Obst und Gemüse besteht, abgeraten.
Was muss ich beim Rohkostessen beachten?
Ratsam ist es, Rohkost langsam zu essen und gründlich zu kauen. Das Kauen ist die erste Verdauungsstufe und je besser gekaut wird, umso leichter kann der Körper die enthaltenen Vitamine, Enzyme und Mineralstoffe aufnehmen und verwerten. Eine ausgewogene Ernährung sollte rohes Obst und Gemüse enthalten. Es ist nicht gesundheitsfördernd, sich ausschließlich von rohen Lebensmitteln zu ernähren.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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