Recklinghausen-Suderwich. Wir setzen unsere Wildkräuterserie fort mit der gewöhnlichen Vogelmiere. Sie findet sich da, wo grade Platz ist, in Wiesen, auf Äckern, an Wegrändern und Ufern und natürlich in den Beeten unserer Gärten, wo sie manchen Gärtner auch zur Verzweiflung bringen können.
Sie treibt früh, liebt stickstoffreiche, feuchte Böden, verträgt schattige Standorte und ist seit Jahrhunderten als Heilpflanze und als Futter für Vögel geschätzt. Du kannst sie gut erkennen an ihren zarten, stark verästelten, bis 40 cm langen, meist niederliegenden, runden, einseitig behaarten Stängeln. Du findest sie das ganze Jahr über, von März bis Oktober mit kleinen, weißen Blütchen, die in wenigblütigen Trugdolden stehen. Sie sehen aus wie kleine Sterne, deswegen auch der lateinische Name: Stellaria Media. Obwohl die Blüte Nektar produziert und Insekten anzieht, findet meist eine Selbstbestäubung statt. Die Vogelmiere verbreitet sich sehr schnell.
Wie sie uns nutzt
Vogelmiere gilt als heimisches Superfood und als Genussmittel. Du kannst die ganze Pflanze ernten, sie schmeckt nach jungen Erbsen und ist sehr lecker auf dem Teller, in Smoothies, als Tee, im Salat. 50 g Vogelmiere decken den Vitamin-C-Tagesbedarf eines Menschen. Sie enthält Flavonoide, Eisen, Kieselsäure, Kalium, Saponine. In der Naturheilkunde kommt die Pflanze zum Einsatz bei Rheuma, Entzündungen, Leberproblemen, Husten, Hautprobleme.
Ärgere dich nicht über Vogelmiere in deinen Beeten, ab damit in den Salat, vermischt mit anderen stärkenden Wildkräutern wie Löwenzahn, Gänseblümchen und Giersch.
Anwendungen
Und hier noch ein uraltes Rezept vom englischen Apotheker Culpepper im 17. Jahrhundert für die Haut mit der Vogelmiere:
Man koche eine Handvoll Vogelmiere und eine Handvoll getrockneter Blütenblätter von roten Rosen in einem Viertel Muskatellerwein, dann füge man einen guten halben Liter Öl hinzu und lasse alles eine gute Weile unter Umrühren köcheln. Nach dem Durchseihen reibe man die schmerzenden Stellen damit ein, oder lege eine Kompresse drauf. Für eine Kompresse kannst du auch einen Tee mit Vogelmiere herstellen.
Eine Tinktur stellst du her, indem du eine Handvoll Vogelmiere mit Alkohol in ein Marmeladenglas einlegst und drei Wochen ziehen lässt. Ab und zu schütteln und schauen, dass die Pflanzen immer bedeckt sind, damit sie nicht schimmeln. Damit kannst du ebenso Hautprobleme jeder Art behandeln, wie Sonnenbrand und Pickel, Schuppenflechte, Furunkel, unreine Haut, Insektenstiche, etc.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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