Recklinghausen-Suderwich. Bärchenwurst, Knusperflocken und Joghurt mit bunten Perlen - bunte Kinderkost soll vor allem die Jüngsten zum Konsum animieren. Achtung Eltern: Ernährungsexpert:innen und Verbraucherschützer:innen vergeht dabei jedoch oft der Appetit!
Das Wichtigste in Kürze:
Kinderlebensmittel und Werbung
Mit Comics, Stickern, Sammelfiguren und auffälliger Verpackung locken Hersteller ihre jungen Kund:innen. Kinderjoghurt, -quark, Brotaufstriche, fruchtsafthaltige Getränke und Frühstückscerealien bestimmen den Markt. Inzwischen gehören auch Tütensuppen, Nudelgerichte und Fischkonserven zum Sortiment. Zahlreiche Produkte mit Kinderoptik zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie reichlich Zucker, Fett und Zusatzstoffe enthalten - und häufig auch teurer sind.
Die Verbraucherzentralen empfehlen keines der Spezialprodukte
Den Eltern versprechen die Werber, dass Kinderlebensmittel gesund seien. Sie weisen beispielsweise darauf hin, dass sie den "Aufbau gesunder Knochen unterstützen" oder dass sie "wertvolle Vitamine" enthalten. Je häufiger Kinder eine Werbung anschauen, umso eher erkennen sie Markenlogos und entwickeln ihre Vorlieben für bestimmte Produkte. Sie können die Werbung nicht von anderen Filmen im Fernsehen unterscheiden. Besonders die eigens komponierten Lieder mit eingängigen Melodien setzen sich in den Köpfen der Kinder fest. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein zehnjähriges Kind in Deutschland circa 100 Werbespots am Tag sieht! Der Einfluss der Kinder auf den Einkauf der Eltern darf man daher nicht unterschätzen.
Frühstückscerealien
Die Basis von Frühstückscerealien bildet zwar Getreide, doch sind noch zahlreiche andere Zutaten wie z.B. Zucker, Glukosesirup, Palmöl, Aroma, Säureregulatoren, Vitamine und Mineralstoffe zugefügt. Insbesondere der Zuckergehalt dieser Produkte ist sehr hoch. Dabei sind meist mehr als eine Zuckerart enthalten. Kommen dann noch Schokolade oder Nougat hinzu, steigt auch der Fettanteil oft auf über 15 Prozent. Mit einer Portion von 50 Gramm zum Frühstück wird dann bereits ein Großteil der Tagesration an Fett und Zucker aufgenommen.
Die Werbung verspricht ein gesundes Frühstück und einen guten Start in den Tag und lockt damit, dass die Produkte mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind. Angereicherte Lebensmittel sind in der Kinderernährung jedoch überflüssig. Durch normale Mahlzeiten mit vielen frischen Produkten erhält Ihr Kind in der Regel alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe, die es benötigt.
Zu einem gesunden Frühstück gehören Getreideprodukte, allerdings nicht in Form von Cerealien. Müsli mit frischem Obst oder ein Brötchen mit Marmelade oder Honig sind gute und ebenfalls süße Frühstücksmöglichkeiten. Wenn es ab und zu mal Cornflakes oder ähnliches geben soll, dann achten Sie darauf, dass diese zu den Süßigkeiten gehören und keine vollwertige Mahlzeit ersetzen können.
Milch und Milchprodukte
Ein riesiges Angebot an Kindermilchprodukten findet sich in den Kühlregalen. So gibt es etwa Milchmischgetränke, Quark, Joghurts mit Frucht und Pudding, die mit bekannten Comicfiguren daherkommen. Durch ihre Aufmachung und Verpackung sprechen sie damit Kinder gezielt an. Die Werbung mit zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen richtet sich direkt an die Eltern. Verzehren die Kinder aber mehrmals am Tag mit Vitaminen angereicherte Produkte, beispielsweise zusätzlich Getränke oder Vitaminbonbons, kann es bei bestimmten Vitaminen durchaus zu einer Überdosierung kommen. Die Produkte enthalten recht viel Zucker und sollten daher eher als Süßigkeit angesehen werden.
Einen Nachtisch oder eine Zwischenmahlzeit aus Milchprodukten und Obst können Sie schnell selbst herstellen. Zudem ist er preiswerter. Die Anreicherung mit Calcium ist überflüssig, da Milch und Milchprodukte natürlicherweise sehr viel Calcium enthalten.
Fleisch, Wurstwaren, Fischerzeugnisse
Kinder lieben Würstchen, Mini-Salami und natürlich Fischstäbchen. Insbesondere das Angebot an kinderspezifischen Fleisch- und Wurstwaren hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Insgesamt unterscheiden sich diese Produkte hauptsächlich durch einen erhöhten Preis, eine kindgerecht aufgemachte Verpackung und der entsprechenden Werbung von herkömmlichen Produkten.
Übrigens: Das beste Getränk gegen Durst ist weder Cola noch purer oder gesüßter Fruchtsaft, sondern bleibt Wasser. Ob aus der Leitung oder Mineralwasserflasche ist dabei egal. Wenn es mehr Geschmack sein soll, ist eine Fruchtsaftschorle, gemischt mit einem Teil Saft und drei Teilen Wasser, ein erfrischender, leckerer, gesunder und auch preiswerter Durstlöscher.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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