Recklinghausen-Suderwich. Seit Juli 2020 könnte deine Gesundheitskarte einen elektronischen Medikationsplan (EMP) speichern. Damit wäre es deinen Ärzten und dem Apotheker deines Vertrauens leicht möglich zu prüfen, ob in deinem Medikamenten-Cocktail Unverträglichkeiten lauern. Leider floppt EMP, da technisch zu kompliziert und so wenig genutzt.
Stattdessen kannst du eine Medikationsanalyse durch deinen Apotheker machen lassen. Das ist durchaus sinnvoll, da viele von uns neben dem Hausarzt auch noch Fachärzt:innen in Anspruch nehmen, rät die Verbraucherzentrale. Jeder Doc verschreibt für die ihm genannten Leiden und selten kommt die Frage nach Medizin, die die Kolleg:innen verordnet haben. Und dazu kommen noch die nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel (Schmerz- oder Schlafmittel) und evtl. Nahrungsergänzungsmittel.
Bei der Medikationsanalyse wird geprüft, ob die Medikamente in ihrer Gesamtheit optimal eingestellt sind, ob es Neben- und Wechselwirkungen gibt. „Harmlose“ Nahrungsergänzungsmittel wie Kalzium oder die Einnahme der Medikamente mit Milch können eine Medikamentenwirkung abschwächen oder verstärken. Medikationsfehler können erhebliche Gesundheitsschäden verursachen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte schätzt, dass wegen unbeabsichtigter Arzneiwirkung und durch Medikationsfehler pro Jahr etwa 500.000 Krankenhausnotaufnahmen nötig werden, teilweise mit tödlichem Ausgang. (Davon sind allerdings viele selbst verschuldet).
Wie kommst du zu deiner Medikationsanalyse?
Du machst einen Termin mit der Apotheke deiner Wahl und bringst bis zu einer Stunde Zeit mit. Der Apotheker schließt mit dir einen Dienstleistungsvertrag. Keine Sorge: Die Kosten trägt deine Krankenkasse, auch die gesetzliche. Zum Termin bringst du alle von dir aktuell einzunehmenden Medikamente mit – auch frei verkäufliche und Infos zu den von dir genutzten Nahrungsergänzungsmitteln. Sinnvoll ist es, wenn du Arztbriefe, Medikationspläne, Krankenhausentlassbriefe, letzte Laborwerte vorlegen kannst.
Die Apothekerin wird dich evtl. nach Beschwerden, Schmerzen, Ernährungsgewohnheiten, Alkohol- und Tabakkonsum, Unverträglichkeiten fragen. Ergibt die Analyse keine Risiken in der Gesamtmedikation, wird man dir Empfehlungen zur Einnahme der Arznei geben: ob vor oder nach dem Essen, zu welcher Tageszeit. Werden Medikationsunverträglichkeiten festgestellt, kannst du den Apotheker bitten, das direkt mit dem verordnenden Arzt zu besprechen.
Meist in einem zweiten Termin bekommst du in der Apotheke einen überarbeiteten und vollständigen Medikationsplan, der auch die frei verkäufliche Arznei und deine Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigt. Vermerkt ist, wie und wann du einnehmen sollst und welche Wirkung das einzelne Mittel hat.
Wer bietet diese Leistung an?
Leider nicht alle Apotheken, da eine Schulung und Zertifizierung Voraussetzung ist. Das pharmazeutische Personal darf das nicht leisten, nur der Apotheker oder die Apothekerin. Auf der Website der jeweiligen Landesapothekerkammer findet man die zugelassenen Adressen unter dem Stichwort ATHINA (Liste der Personen, die ein ATHINA-Zertifikat haben). Natürlich kann man das Thema ganz grundsätzlich in der Apotheke oder beim Hausarzt ansprechen. Vielleicht verweist man dich dann an Expert:innen.
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