Recklinghausen-Suderwich. Es gibt in Deutschland noch einige Bräuche in der Zeit vor Ostern, die kaum bekannt sind. Heute geht es um das Schmücken von Osterbrunnen.
Osterbrunnen werden traditionell in der Zeit um den Palmsonntag geschmückt, also eine Woche vor Ostern. Die festliche Dekoration mit bemalten Eiern, Girlanden und Grünzeug bleibt meist bis etwa zwei Wochen nach Ostern (oft bis zum „Weißen Sonntag“) bestehen. Besonders in der Fränkischen Schweiz (Nordbayern) ist der Brauch weit verbreitet.
Hintergründe
Die geschmückten Brunnen symbolisieren die Bedeutung des Wassers als Lebensquell und den Frühling. Der Brauch hat sich auch in Thüringen etabliert. In der Karwoche schmücken hier die Dorfbewohner alle Brunnen mit Ostereiern, Blumen und bunten Bändern - das soll Lebensfreude symbolisieren und böse Geister vertreiben.
Die schönsten und bekanntesten Osterbrunnen finden sich aber in der Fränkischen Schweiz. Der weltweit größte steht in auch heute noch in Bieberbach (über 11.000 Eier). Weitere sehenswerte Brunnen sind in Heiligenstadt, Affalterthal, Forchheim und im Nürnberger Land (Leinburg, Diepersdorf) zu finden.
Symbolkraft
Der Brunnen an sich ist ein tiefgründiges Symbol für Leben, Fruchtbarkeit, Reinigung und Spiritualität. Als Quelle des Wassers steht er für den Ursprung, seelische Tiefe, Heilung und Hoffnung. In Märchen und Mythologie gilt er oft als Zugang zur Unterwelt, Ort der Verwandlung oder Wunschbrunnen.
Zeitpunkt
Laut Wikipedia werden üblicherweise die Osterbrunnen in den Gemeinden ab Palmsonntag geschmückt (traditionell erst ab Karsamstag) und bleiben es bis zwei Wochen nach Ostern. Während dieser Zeit sind die Orte mit als besonders schön geltenden Osterbrunnen beliebte touristische Ausflugsziele.
Besonders die Brunnen in Heiligenstadt, Bieberbach oder im baden-württembergischen Schechingen gelten inzwischen als Touristenattraktionen, die von zahlreichen Busreisegruppen aus München, Dresden, Stuttgart und anderen Großstädten besucht werden. In Heiligenstadt wurden sogar an einem einzigen Tag etwa 80 Busse gezählt.
Geschichte
Ungesicherte mündliche Überlieferungen berichten erstmals von einem Osterbrunnen in Aufseß (Landkreis Bayreuth) um das Jahr 1909. Die Gründe für die Entstehung des Brauches des österlichen Brunnenschmückens in der Fränkischen Schweiz sind unklar. Neben christlichen Interpretationen wird als Erklärung häufig die Wasserarmut in dieser Region genannt, durch die der Wasserversorgung ein besonders hoher Stellenwert zukam. Auch wurde immer wieder das gründliche, meist in Gemeinschaftsarbeit durchgeführte Reinigen der für die Trinkwasserversorgung wichtigen Brunnen und Quellen vom Schmutz des Herbsts und Winters mit dem Entstehen der Osterbrunnen in Verbindung gebracht. Wesentlich wahrscheinlicher ist jedoch eine von Beginn an touristische Ausrichtung der Osterbrunnen. So bestand in der Region und insbesondere in der mit dem Auftreten der Osterbrunnen um 1910 eng verbundenen Region um Muggendorf bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert eine rege Tourismustätigkeit.
(Quelle: Wikipedia)
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