Recklinghausen-Suderwich. Während die Dienstleistungen mit KI-Unterstützung einiger Anbieter massiv als solche beworben werden, hat die KI-Technologie in anderen Bereichen nahezu unbemerkt viele Aufgaben übernommen. So ist beispielsweise eine Suchanfrage bei ChatGPT inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Aber auch andere Dienste und Suchmaschinen setzen KI inzwischen völlig unbemerkt ein.
Dies hat jedoch einen unbeachteten Nebeneffekt mit weitreichenden Folgen. Denn die Verwendung von KI verlangt eine hohe Prozessorleistung, die wiederum einen immens hohen Stromverbrauch bedingt. So kann man einer ChatGPT-Anfrage 0,34 Wattstunden zuordnen, während z.B. ein Bildgenerator für ein Bild in 1024 x 1024 Pixeln bis zu 3,58 Wattstunden verschlingt.
Um präzise Vorhersagen zum Stromverbrauch von Bildgeneratoren machen zu können, haben Wissenschaftler der Stanford University mit dem Versicherungskonzern AXA ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht auch bei Systemen, die den Verbrauch nicht offenlegen, genaue Ergebnisse zu erzielen. So konnte festgestellt werden, dass bei Bildgeneratoren der Stromverbrauch mit der Bildauflösung rapide ansteigt. Dies hat massive Auswirkungen auf den Stromverbrauch von Rechenzentren. Laut Prognosen von Experten verdoppelt sich dieser innerhalb der nächsten vier Jahren weltweit von derzeit 650 Terawattstunden (das ist deutlich mehr als der gesamte Jahresstromverbrauch in Deutschland) auf bis zu 1300 Terawattstunden. Amerikanische Konzerne wie Amazon und Microsoft reagieren bereits auf diesen Trend und investieren in Kernkraftwerken, um dem klimaneutral zu begegnen.
Derzeit wird die KI-Rechenleistung zu 95% aus den USA und Asien genutzt. Die EU-Kommission möchte dem entgegenwirken und ruft zum Bau sogenannter KI-Gigafactories auf. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern liegen dazu bereits laut den Netzbetreibern ca. 170 Anfragen für Rechenzentren vor. Dabei ragt der Plan der Firma Schwarz Digits KG (gehört zur Schwarz-Gruppe mit Lidl + Kaufland) für ein Rechenzentrum in Lübbenau mit einer Anschlussleistung von 200 Megawatt heraus –das ist soviel wie eine Autofabrik verbraucht.
Der Stromverbrauch von Rechenzentren stieg in den USA in den letzten 10 Jahren jährlich um 12%. Als Folge stiegen die Strompreise auch für private Konsumenten in der Nähe solcher Rechenzentren deutlich. Auch in Irland ist dieser Effekt spürbar. So wurde in Dublin rund 80% des erzeugten Stroms durch Rechenzentren verbraucht – u.a. mit der Folge, dass fossile Kraftwerke deutlich länger als geplant betrieben werden mussten.
Dies ist eine Tendenz, die auch der Bevölkerung in Europa zunehmend Sorgen bereitet. Eine zu diesem Thema durchgeführte Umfrage in Spanien, Schweiz, Großbritannien, Irland und Deutschland ergab die Meinung der Mehrheit der Befragten, dass bei der Genehmigung von Rechenzentren der Bau zusätzlicher Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien als Auflage vorausgesetzt werden sollte.
Allerdings kann KI auch helfen, Energie zu sparen – z.B. durch Verbesserung der Effizienz bei der Stromerzeugung über Solarsysteme und Windkraftwerke oder auch bei der Entwicklung von effizient arbeitenden stromverbrauchenden Geräten, ja auch der KI selbst.
Quellen: tagesschau.de - https://t1p.de/9rtf6 + Frankfurter Rundschau)
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