Recklinghausen-Suderwich. In dieser Serie erschienen bisher folgende Beiträge: Grundsätzliche Betrachtung zur Ernährungssicherheit; Bäume als Wasserspeicher; klimaresistente Ackerböden; bedrohte, weltweit angebaute wichtige Nutzpflanzen; Klimagerechte exotische Nutzpflanzen (Hirse, Chia-Samen, Algen); Fortsetzung mit Augenbohne, Erdnuss und Sesam; Sonnenblumen, Buchweizen, Wickroggen, Kichererbsen; Folgen für den Ostbau sowie Alternativer Obstanbau.
Die Biene – ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
Blüten werden durch Bienen (von denen es rund 20.000 Arten auf der Welt gibt!), einigen Fliegenarten, Schmetterlingen, Motten, Wespen, Käfern und anderen bestäubt.
Die Honigbiene alleine bestäubt etwa 85% der gesamten blühenden Pflanzen in Europa. Jegliche Nutzpflanzen, egal auf dem Acker oder in der Obstplantage, sind in Fülle und Vielfalt ohne die Honigbiene nicht denkbar. Sie ist das Transportmedium, dass Pollen von einer Blüte zur anderen trägt. So sorgt sie auch für Sortenvielfalt bei den Früchten.
Dabei soll nicht unterschlagen werden, dass es triploide Pflanzen gibt, die sorteneigene Pollen zu einer Befruchtung nutzen können. Das ist z.B. bei der Apfelsorte Gloster der Fall. Unter günstigen Bedingungen konnte in Südfrankreich auch die Sorte Golden Delicious nach mehren Jahren der Fruchtbarkeit auf diese Weise wirtschaftliche Erträge liefern.
Aber auf solche Befruchtung kann sich ein Obstbaubetrieb nicht verlassen.
Auch der Windtransport der Pollen ist im Obstbau nach wissenschaftlicher Untersuchung keine zuverlässige Lösung. Bleibt also nach wie vor die Leistung der Honigbiene die zuverlässigste Bestäubung der Blüten.
Warum ist die Honigbiene so wichtig, wenn es doch auch andere Bestäuber gibt?
Zum einen, weil es weltweit kein anderes Fluginsekt gibt, das eine nur annähernd gleich starke individuenstarke Anfangspopulation hat wie die Honigbiene. Das heißt: die Menge der in der entscheidenden Zeit der Befruchtungsnotwendigkeit in einem Landstrich wirkenden Bienen und ihr Arbeitseifer sind wesentlich für eine hohe Bestäubungsleistung.
Zum anderen zeigt die Honigbiene eine sehr stark ausgeprägte Blütenstetigkeit, d.h. die Bienen fliegen so lange eine Blütenart (z.B. Apfel) an, bis diese Trachtquelle versiegt ist. Das gewährleistet, dass jeweils Pollen einer Art übertragen werden. Es ist eben nicht nützlich, wenn Rapspollen auf eine Apfelblüte übertragen werden. Die Blütenstetigkeit ist bei der Honigbiene mit bis zu 85% einzigartig.
Und dann der Körperbau der Biene, ein „Pelztier“, in dessen Kleid Pollenkörner sehr leicht haften bleiben. Auch hat die Honigbiene eine sehr kurze Zunge. So muss sie sich tief in die Blüte zwängen, um an den Nektar am Blütenboden zu kommen. Das wiederum sichert eine zuverlässige Pollen-Übertragung.
Von Vorteil ist, dass ein Bienenvolk jeweils dorthin transportiert werden kann, wo Bestäubung gerade benötigt wird. Weit über 10.000 km werden z.B. die meisten der rund 2,4 Millionen Bienenvölker in den USA von Wanderimkern auf Tiefladern mit ca. 500 Beuten pro Truck durchs Land bewegt. Kein anderes Insekt kann und wird so gezielt in Obstanlagen eingesetzt wie die Honigbiene.
Allerdings muss sich das aktive Einbringen der Bienenvölker in eine Plantage für den Imker auch lohnen. Festzustellen ist , dass durch Einsatz neue Obstsorten zunehmend Mangel an Nektar und Pollen entstanden ist. Der Nutzen einer Blütenwanderung hat sich dadurch für die Imker reduziert.
Nun zum Ergebnis der Bestäubung durch die Honigbiene.
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Fruchtentwicklung hormonell gesteuert ist. Die Hormone nehmen Einfluss auf die Fruchtfleischentwicklung. Das Fruchtfleisch schützt die Samenanlagen und bietet in deren ersten Lebensphase und in der Keimung die notwendige Nahrung. Fehlt die Samenanlage wegen unzureichender Bestäubung, so wird der Schutz nur schwach gebildet – eine Missbildung der Frucht selbst ist die Folge.
Die so sehr erfolgreiche Bestäubungsleistung der Honigbiene sorgt also für gute und damit gut zu vermarktende Früchte des Obstbaus.
Welche Risiken ergeben sich beim Verlassen auf die Leistung der Honigbiene?
Ein Problem war und ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zwar wurden die Produkte mehr und mehr unter dem Gesichtspunkt einer Vermeidung von Bienentoxizität weiter entwickelt, es kommt aber auf eine korrekte Anwendung der Schutzmittel an. Die Fachleute sehen, das hier noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Gesetze allein reichen nicht aus. Sie müssen auch befolgt werden.
Wie in einem vorherigen Beitrag erwähnt, setzen Obstbauern verstärkt Hagelschutznetze ein. Der Nachteil: die dadurch entstehende Polarisierung des Sonnenlichtes erschwert die Orientierung der Biene. Das führt dazu, dass Blüten unter Netzen von ihr gemieden werden.
Schließlich bleibt das hohe Risiko von Faktoren, die die Gesundheit der Bienen nachteilig beeinflussen, als da sind: Verlust der natürlichen Umgebung, Einsatz von Pestiziden gegen Unkraut und Schädlinge wie die Varroa-Milbe.
Zwischen 1947 und 2005 verloren US-Imkerinnen und Imker nach eigenen Angaben über die Hälfte ihrer heimischen Honigbienen. Weltweit sind 50 % der Wildbienen ausgestorben.
Was macht die Varroamilbe mit den Bienen?
Die Varroamilbe lebt vom Fettkörper (Speicherorgan) und dem Blut der Bienen, vermehrt sich in den Brutzellen und Vernichtet so den Bienennachwuchs. Mit messerscharfen Mundwerkzeugen sticht die weibliche Milbe die Haut der Bienenlarve und -puppe an und verzehrt sie sozusagen.
Manche Imker versuchen, die Varrao-Milbe mit einer „Bienensauna“ unschädlich zu machen. Dazu werden die Bienenstöcke auf 37 Grad Celsius erwärmt. Die hitzeempfindlich Milben gehen dadurch zugrunde. Andere bekämpfen die Milbe mit Einsatz von Milch- oder Oxalsäure.
Das Tierärztliche Institut der Universität Göttingen versucht in Kooperation mit der Firma Illumina, mit Hilfe der Genomik zu einem besseren Verständnis der genetischen Anfälligkeiten zu kommen, um letztlich durch Eingriffe in die DNA das langfristige Überleben der Honigbiene zu sichern.
Lisa Eldridge von Illumina sagt dazu: „„Wir unterstützen in erster Linie Projekte, die die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft verbessern können, insbesondere in wichtigen Bereichen der Landwirtschaft, die heute von öffentlichen Mitteln und Ressourcen unterversorgt sind. Unser 2021 ausgezeichnetes Projekt, das sich auf die Bienengesundheit konzentriert, entspricht all unseren Förderzielen, und wir freuen uns, diese Forschung fördern zu können, die für das Überleben unserer wichtigsten Bestäuber von entscheidender Bedeutung ist.“
(Quellen: div. Internet-Informationen)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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