Recklinghausen-Suderwich. In dieser Serie erschienen bisher folgende Beiträge: Grundsätzliche Betrachtung zur Ernährungssicherheit; Bäume als Wasserspeicher; klimaresistente Ackerböden; bedrohte, weltweit angebaute wichtige Nutzpflanzen; Klimagerechte exotische Nutzpflanzen (Hirse, Chia-Samen, Algen); Fortsetzung mit Augenbohne, Erdnuss und Sesam sowie Sonnenblumen, Buchweizen, Wickroggen, Kichererbsen.
Wie wirkt der Klimawandel auf den Obstbau in Deutschland?
Der Klimawandel stellt Obstbau-Betriebe vor große Herausforderungen. Viele Kulturen reagieren sensibel auf klimatische Veränderungen. So das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft:
In Deutschland wurden 2024 auf rund 47.050 Hektar Baumobst angebaut; davon Äpfel auf etwa 32.990 Hektar, gefolgt von Süßkirschen, Pflaumen und Birnen.
Der Klimawandel stellt die Obstbauern vor große Herausforderungen und zwingt zu weitreichenden Entscheidungen. Während sonstige Nutzpflanzen zumeist einjährig sind, wird z.B. eine Apfelplantage alle 20 Jahre neu angepflanzt. Eine kurzfristige Neuorientierung ist wirtschaftlich nicht tragbar.
Höhere Durchschnittstemperatur, längere Hitze- und Trockenphasen, häufigere Hagel- oder Starkregen – das wirkt sich direkt oder indirekt auf Ertrag und Qualität der Früchte aus. Die Apfelblüte setzt im Alten Land, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands, heute etwa drei Wochen früher ein als vor 50 Jahren.
Spätfröste schaden vermehrt der früheren Blüte, die dann durch eine aufwändige Frostschutzberegnung oder mit dem Einsatz von Gas- oder Ölbrennern in den Plantagen geschützt werden muss.
Auf die verlängerte Vegetationsphase reagieren z.B. Apfelsorten ganz unterschiedlich. Die aus Neuseeland stammende Sorte Braeburn kommt damit in nördlichen Anbaugebieten ganz gut zurecht. Klassischen Sorten wie Holsteiner Cox zeigen dagegen jetzt eine schlechtere Lagerfähigkeit.
Es kommt in zahlreichen deutschen Anbaugebieten vermehrt zu längeren Trockenphasen. Fallen diese in die entscheidenden Wachstumsphasen, sinkt der Ertrag um 30 bis 40 % und die Qualität der Früchte leidet. Die Bauern müssen dagegen künstlich bewässern.
Hohe Sonneneinstrahlung („Sonnenbrand“) kann bei Äpfeln die Schale verbrennen. Die Früchte sind dann nicht mehr vermarktbar. Die Obstbauern spritzen zum Schutz z.B. Kaolin (Tonerde) – ein hoher Aufwand.
Hagelschauer können sehr große Ernte- und Qualitätsverluste verursachen. Im Alten Land war im Juni 2019 ein Viertel der Anbaufläche betroffen. Großflächige Netze können schützen – auch vor Starkregen und teilweise vor Sonnenbrand. Dieser Aufwand wirkt sich auf den Preis aus.
Die Klimaänderung führt zu einem höheren Aufkommen von Schaderregern wie Insekten oder Pilzerkrankungen. Die Larve des Apfelwickler z.B. profitiert von längerem und wärmerem Wetter, bohrt sich ins Innere der Frucht und macht sie unverkäuflich. Die längere Vegetationsdauer schafft Möglichkeit zur Entwicklung von zwei Larvengenerationen. Das erhöht den Aufwand für Pflanzenschutz.
Höhere Temperaturen lassen verstärkt Schadinsekten aus südlichen Ländern zuwandern, z.B. verschiedene Schildlaus-Arten oder die Marmorierte Baumwanze, die in Apfelplantagen große Schäden verursachen kann.
Aber nicht nur negative Veränderungen: trockenere Sommer bieten auch Vorteile für den Obstbau. Schadpilze wie Apfelschorf, Mehltau oder Fäulniserreger treten bei längeren Phasen ohne Niederschlag seltener auf. Die Vermehrung der Kirschessigfliege, die im Obstbau dazu zwingt, die Kirschbäume unter Folie zu schützen, wird durch Trockenheit deutlich verringert.
Wir müssen zwar nicht um das Angebot von heimischem Obst fürchten, werden aber die steigenden Kosten im Obstanbau tragen müssen. Eine Umstellung auf Klima-angepasste Sorten und auf solche, die bislang nur in südlichen Ländern kultiviert wurden, könnten eine Lösung sein. Dazu mehr im nächsten Beitrag.
(Quelle: Bundesinformationszentrums Landwirtschaft)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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