Recklinghausen-Suderwich. Seit März 2018 müssen neue Automodelle mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgerüstet sein. Wie die digitale Ersthilfe genau funktioniert und wer von der EU-Verordnung betroffen ist - wir klären hier die wichtigsten Fragen.
Das Wichtigste in Kürze:
Seit mehr als sieben Jahren sind Autohersteller in der EU verpflichtet, Fahrzeugmodelle, die neu genehmigt werden, mit so genanntem eCall auszustatten. In neu genehmigten Fahrzeugmodellen bis 3,5 Tonnen muss fortan ein digitaler Ersthelfer eingebaut sein, der bei einem Unfall automatisch Hilfe ruft. Ältere Fahrzeuge sind von der EU-Verordnung nicht betroffen, können aber freiwillig nachgerüstet werden. Bei schweren Verkehrsunfällen zählt jede Sekunde.
Sind Unfallbeteiligte verletzt, unter Schock oder gar bewusstlos, kann es lange dauern, bis Rettungskräfte überhaupt alarmiert werden. Zudem kann auch die genaue Angabe des Unfallorts in Stresssituationen problematisch sein und ebenfalls lebenswichtige Minuten kosten. Aus diesem Grund ist das automatische Notrufsystem Emergency Call – kurz "eCall" – seit dem 31. März 2018 in allen EU-Mitgliedstaaten Pflicht.
Der digitale Ersthelfer im Auto soll Notrufstellen bei Verkehrsunfällen schnell und präzise informieren und die Zahl der Verkehrstoten deutlich reduzieren.
Wie funktioniert das System?
Bei schweren Autounfällen, bei denen z.B. Airbags auslösen, setzen eCall-Systeme automatisch einen 112-Notruf ab. Alternativ können aber auch Fahrzeuginsassen ein SOS-Signal händisch auslösen – etwa bei einer Herzattacke des Mitfahrers. In beiden Fällen nutzt eCall Mobilfunk und Satellitenortung, um aus dem Auto heraus eine Sprachverbindung zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle herzustellen. So kann die Notrufzentrale umgehend Kontakt mit den Insassen aufnehmen.
Sind diese ansprechbar, können sie weitere Unfalldetails durchgeben. Im eCall-System besteht für Autohalter zudem die Wahlmöglichkeit, dass der Notruf erst an ein Notfall-Callcenter des Herstellers geht. Eine Recherche des ADAC ergab, dass der Umweg über die Hersteller-Rufzentrale zu Verzögerungen führen kann. Teilweise könnten wertvolle Infos falsch weitergegeben werden. Zudem informiert das eCall-System die Rettungskräfte per Satellitenortung über den genauen Standort des Wagens, den Zeitpunkt des Unfalls, das Fahrzeug sowie die Art der Alarmauslösung.
So ist auch, wenn die Unfallbeteiligten nicht ansprechbar sind, sichergestellt, dass alle für die Hilfskräfte notwendigen Informationen ohne Zeitverlust übermittelt werden. Zur technischen Ausstattung benötigt das automatische Notrufsystem einen GPS-Empfänger und Galileo-Ortungsdaten, eine Mobilfunkantenne, ein Steuergerät mit fest verbauter SIM-Karte, eine Verbindung zum Airbag-Steuergerät und eine Freisprechanlage.
Kann ich meinen Wagen nachrüsten?
Auch wenn du für ältere Autos nicht zur Nachrüstung mit dem neuen Notrufsystem verpflichtet bist, kann eine freiwillige Nachbesserung von Gebrauchtwagen sinnvoll sein. Nach Angaben der EUKommission können durch den Einsatz von eCall jährlich bis zu 2.500 Menschenleben gerettet werden. Eine freiwillige Nachrüstung ist aus technischer Sicht nur bedingt möglich: Bisher sind nach Angaben der Bundesregierung noch keine Nachrüstsysteme bekannt, die über alle Funktionen der bordeigenen eCall-Systeme verfügen.
Per App auf dem Smartphone, das über die Zigarettenanzünderbuchse mit dem Fahrzeug verbunden wird, können aber Unfallmeldedienste (UMD) leicht installiert und genutzt werden. Bei eCall-Systemen ist die SIM-Karte fest im Auto verbaut und es greifen die für den eCall vorgesehenen datenschützenden Regelungen.
Bei Notfallassistenten, die bei so genannten Connected Cars über das Infotainment-System angebunden werden, ist das etwas anders. Diese sind im Mobilfunknetz eingebucht und du musst einer Datenübertragung vertraglich zustimmen. Es besteht also die Gefahr, dass du über die AGB in einen Datenaustausch mit anderen Anbietern eingewilligt hast.
Skepsis überwiegt bei Autofahrer:innen
Die Marktwächter der Verbraucherzentralen haben untersucht, wie bekannt das automatische Notrufsystem in Deutschland ist und welche Bedenken womöglich gegenüber dieser Technik bestehen. Das Ergebnis: Bei den Befragten überwiegen noch Unwissenheit und Skepsis gegenüber dem neuen Helfer in der Not. Sechs von zehn der Befragten kennen eCall – immerhin 40 Prozent der bundesweit repräsentativ Befragten haben hingegen noch nichts vom automatischen Notrufsystem eCall im Auto gehört.
Zudem sorgen sich viele der befragten Autofahrer:innen vor möglichen Hackerangriffen und Fehlalarmen: 52 Prozent äußern Bedenken vor möglichen Manipulationen durch Hacker. Jeweils ein Drittel fürchtet unnötig einen Alarm auszulösen – etwa durch einen Fehlalarm des Systems (35 Prozent) oder bei Bagatellfällen (jeweils 33 Prozent) – oder gar ein Versagen des Notrufs im Ernstfall.
(Quelle: https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/reise-mobilitaet/unterwegs-sein/ecall-sofunktioniert-das-automatische-notrufsystem-im-auto-32100)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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