Recklinghausen-Suderwich. Derzeit streiten die politischen Parteien in Deutschland um das „Rentenpaket II“. Damit soll gesetzlich festgeschrieben werden, dass gesetzliche Rente mit einem Mindestniveau von 48 Prozent bis zum Renteneintritt 2040 festgeschrieben wird.
Was bedeutet das?
Das Rentenniveau ist der Indikator für die Höhe der Rente eines Durchschnittsrentners im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen. Es wird in Prozentpunkten angegeben.
Unter Durchschnittsrente, auch Standard- oder Eckrente genannt, versteht der Gesetzgeber die Rente eines Bürgers, der 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt hat und dabei jedes Jahr exakt so viel verdient hat wie der Durchschnitt aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dadurch hat er 45 Rentenpunkte erarbeitet.
Der Rentenpunktwert liegt ab Juli 2024 bei 39,32 €. Mit 45 multipliziert macht das eine ab Juli 2024 zu zahlende Rente von 1.769,40 € brutto. (Davon gehen Beiträge für die Kranken- und Pflegekasse ab. Evtl. muss du auch noch Einkommenssteuer zahlen.)
2024 liegt der Durchschnittsverdienst vorläufig bei 45.358 Euro brutto. Es handelt sich bei der Standardrente also um einen rein statistischen Wert, der keine Rückschlüsse auf die Höhe deiner persönlichen Rente zulässt.
Was ein Rentenniveau von 48 % also bedeutet: Nach 45 Beitragsjahren erhalten Rentner, die 45 Jahre zum Durchschnittsentgelt gearbeitet haben, 48 % des dann künftig jährlich ermittelten Durchschnittsverdienstes.
Sinkt also der Prozentsatz – was einige Parteien offenbar anstreben – dann fällt die Rente später hinter die Lohnentwicklung zurück. Keine guten Aussichten für das Alter.
Wenn du die Nachrichten verfolgst, hörst du immer wieder von Zweifeln, ob die Höhe der Rentenzahlungen für die Zukunft überhaupt noch zu halten ist.
Immer weniger Arbeitskräfte müssen mit ihren Beiträgen zur Rentenversicherung immer mehr Rentnerinnen und Rentner versorgen.
Die Rentenkasse kann ihren Verpflichtungen schon lange nicht mehr aus eigener Kraft nachkommen. Inzwischen müssen aus Steuermitteln jährlich mehr als 100 Milliarden € zugeschossen werden. Tendenz deutlich steigend. Abhilfe will man mit späterem Eintritt in die Rente schaffen.
Wenn du nicht nach dem Erwerbsleben einen deutlichen Rückgang deines Lebensstandards hinnehmen möchtest, bleibt dir nichts anderes übrig, als zeitig zusätzliche Altersvorsorge zu treffen. Ja, es ist mir klar, dass das nicht gerade ein prickelndes Thema für junge Menschen ist. Aber wenn du nicht früh anfängst, wird das nichts mit einem guten Leben im Alter.
Was kannst du tun?
Natürlich zuerst einmal einen gut bezahlten Job haben. Das geht ohnehin nicht ohne eine solide und intensive Ausbildung. Auch ein Thema für junge Menschen.
Dafür gibt man dir in Schule und Studium, in der Ausbildung, das nötige Rüstzeug mit. Was leider fehlt, ist eine Schulung zu einer sicheren Geldanlage!
Die Werbung vom „guten Anlageberater“ solltest du zumindest mit einem kritischen Blick sehen. Manchmal ist eine Anlageempfehlung vorteilhafter für die Bank als für den Anleger.
Wird zum Beispiel ein hauseigener Fonds verkauft, statt eines ETFs, bekommt der Bankberater Provision. Die Anlegerinnen und Anleger hingegen verlieren jedes Jahr ungefähr zwei Prozent Gewinn. Rechne mal 2 Prozent mal 30 Jahre … Da bleibt einiges liegen auf dem Weg zur Versorgung im Alter.
Es ist also sinnvoll, wenn du dir schon zeitig Gedanken zur Geldanlage machst und dir dazu ein solides Grundwissen zulegst.
Grundsätzlich hilft es dir, wenn du eine Berechnung zu deiner Rentenerwartung nach vielen Jahrzehnten deines Arbeitslebens anstellst.
Dazu und zur ersten Orientierung deiner Absicherungsmöglichkeiten empfehle ich die von der Sparkassenorganisation eingerichtete Website, die du unter dem Link https://t1p.de/tdiwt findest.
Dort findest du Erklärungen und Hinweise zu…
Eine umfassende Darstellung der finanziellen Vorsorgemöglichkeiten bietet dir auch die Verbraucherberatung, eine unabhängige und werbefreie Organisation zur Aufklärung über Waren- und Finanzprodukte: https://t1p.de/ug8r1.
Nicht zu vergessen ist die Vorsorgeform „Wohneigentum“, egal ob Eigentumswohnung und Einfamilienhaus. Angesichts der seit Jahren steigenden Mietpreise ist es eine deutliche Erleichterung, wenn du im Alter eben keine Miete mehr zahlen musst. Damit das gelingt, ist ein frühzeitiger Kauf einer Immobilie oder – bei späterem Erwerb – eine höhere Tilgung der Immobiliendarlehen erforderlich.
Eine weitere Alternative ist der Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung, die ggf. auch nach Eintritt in den Ruhestand als monatliche Rente ausgezahlt werden kann. Diese in früheren Jahren recht beliebte Form der Ansparung hat allerdings in letzter Zeit arg gelitten. Die Verzinsung des angesammelten Kapitals und die Kosten der Verwaltung durch Lebensversicherungsgesellschaften haben die erhoffte Rendite doch enttäuschend schrumpfen lassen.
Woher soll das Geld für eine Anlage kommen?
Es ist richtig: in jungen Jahren verdienst du oft noch nicht sehr viel. Hast du dann eine Familie gegründet und sind Kinder zu versorgen, kann es noch enger werden mit dem Geld. Geht das dann mit einer nachhaltigen Geldanlage? Evtl. auf später verschieben?
Keinesfalls, meine ich. Gerade wenn man mit der Geldanlage jung anfängt, ist es gar nicht nötig mit großen Beträgen anzufangen. Die Zeit hilft mit einem Hebel – dem Zinseszins. Das ist der Zins, den man auf den Zins bekommt. Wer das mal für einen längeren Zeitraum hochrechnet wird feststellen, dass sich das später auszahlt.
Hier ein Beispiel:
Wenn du ab 35 monatlich 150 € sparst und darauf 5 % Zins bekommt, hast du nach 35 Jahren unter Berücksichtigung des Steuerabzug mit 70 ein Endkapital von rund 140.000 €. Der reine Zinsgewinn beträgt 76.803 €.
Beginnst du schon mit 23 und einem monatlich Sparbetrag von 150 €, dann hast du nach nur 17 Jahren ein Kapital, das dir mit 70 ein Polster von knapp 150.000 € bietet. Und dabei hast du in diesem Fall nur 44.000 € selbst angespart. Der Zinsgewinn macht dann also mehr als 100.000 € aus.
Also, wann anfangen mit der Kapitalbildung?
So früh wie möglich!
Wer früher anfängt, hat länger Zeit. Und je länger das angelegte Geld nicht gebraucht wird, desto größer wird in der Regel die Rendite sein. Der Zinseszins ist einer der Treiber.
Du kannst aber auch in viel gewinnbringendere Anlagen investieren, weil die Zeit das Risiko eines Verlustes, zum Beispiel bei Aktien, dämpft.
Ein weiterer Grund: viele Anbieter von Altersvorsorgeprodukten bieten jungen, gesunden Menschen günstigere Verträge an. Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung gilt das besonders. Da kannst du als Schüler oft gute Verträge bekommen.
Übrigens: Wenn deine Großeltern diesen Beitrag lesen – und es ihnen finanziell möglich ist – können sie evtl. für dich schon Grundsteine legen, bevor du deine Ausbildung abgeschlossen hast!
Wir werden in den nächsten Wochen zu diesem Thema einzelne Anlageformen im Detail vorstellen.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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