Recklinghausen-Suderwich. Es muss nicht gleich der Pflege-Roboter sein – Blutdruckmesser und Tablettenspender helfen schon bei der täglichen Routine. Zum Hausnotruf hatten wir schon in Teil 38 der Reihe Informiert.
1. Personensuche per Tracker
An Demenz Erkrankte haben oft einen ausgeprägten Bewegungsdrang, der auch zum unkontrollierten Verlassen des Wohnbereichs führt. Immer wieder liest man von solchen Fällen, die manchmal tödlich endeten, weil eine Person im Gelände einen Unterschlupf aufgesucht hat und nicht rechtzeitig auffindbar war.
Tracker sind Notrufgeräte und machen es möglich, eine hilflose Person per GPS zu finden. Sie sehen aus wie eine Armbanduhr. Mit einer SIM-Karte funktioniert so eine Smartwatch auch von unterwegs, wie ein Mobiltelefon. Mehrere Telefonnummern können eingespeichert werden, die das Gerät beim Drücken einer „SOS-Taste“ automatisch anwählt.
Verlässt eine demente Person einen vorher definierten Umkreis, sendet die Smartwatch die Koordinaten an einen Angehörigen oder Pfleger.
Die Uhr kann bei Einsatz einer speziellen App den Aufenthaltsort des Uhrenträgers in Echtzeit auf einer Karte anzeigen.
In die Nutzung des Trackers sollten Betroffene oder deren Betreuer:innen zuvor einwilligen.
2. Blutdruckmessgeräte melden Werte an den Arzt
Ein zu hoher Blutdruck schadet der Gesundheit und sollte deshalb gut überwacht werden. Klassische Blutdruckmessgeräte ermitteln den Pulsschlag sowie den systolischen und diastolischen Blutdruck, zeigen die Werte auf einem Display an und speichern sie.
Bei chronischen Erkrankungen kann der Arzt solch ein Gerät verordnen. Dann übernimmt die Krankenkasse die Anschaffungskosten.
Moderne Blutdruckmesser können die Werte per Bluetooth oder WLAN zum Smartphone übertragen. Dort ist eine grafische Darstellung möglich.
Eine Speicherung der Daten erfolgt meist auf einem Server oder im Rechenzentrum (Cloud). Auf Wunsch landen die Werte direkt bei deinem Arzt.
Alles natürlich eine Frage des Datenschutzes. Nutzen und Risiken musst du abwägen.
3. Aufstehhilfe
Viele Sitzmöbel haben für Ältere eine ungünstige Höhe der Sitzfläche. Hier kann ein „Katapultsitz“ helfen. (Den Begriff bitte nicht wörtlich verstehen!) Das ist eine mobile Sitzauflagen mit Motor, die auf Knopfdruck das Gesäß einer Person sanft „hochschiebt“.
Bescheinigt dein Arzt dir die Notwendigkeit, übernimmt die Krankenkasse möglicherweise die Kosten. Eine Luxusvariante ist der Relax-Sessel, bei dem Lehne, Fußteil und eine Aufstehhilfe per Fernbedienung stufenlos verstellbar sind. Manche Sessel lassen sich zudem leicht nach vorne kippen. Das erleichtert zusätzlich das Aufstehen.
4. Tablettenspender
Die gibt es ja schon in ganz einfacher Form mit einer Einteilung nach Wochentagen, evtl auch erweitert um morgens, mittags, abends. Manche Patienten brauchen zusätzlich eine Erinnerung zu Einnahme der Tabletten. Da hilft eine batteriebetriebene Pillendose mit mehreren Fächern und eingebauter Uhr. Wenn es Zeit ist für den Blutverdünner, für die Medikamenteneinnahme, schlägt die Dose Alarm und vibriert. Eventuell übernimmt die Kasse auf ärztliche Empfehlung einen Teil der Kosten.
Digitale Tablettenspender verhindern zudem eine versehentliche Überdosierung, da sie das Fach mit den nicht genommenen Pillen wieder schließen. Es gibt auch Modelle, die wie ein Roboter agieren und sprechen. Dank integrierter Kamera erkennen sie, wer vor ihnen sitzt und lassen dann die passenden Medikamente in einen Becher fallen. Falls die Senioren die Einnahme versäumt haben, schickt das Gerät eine Nachricht ans Handy einer Person, die sich persönlich kümmern kann.
Kommt täglich eine Pflegekraft ins Haus, kann sie die Medikamentengabe sicherstellen.
5. Pflegeroboter
Klingt ein bisschen futuristisch – und ist doch schon in der Pflege angekommen.
Ob in der professionellen Pflege oder zu Hause: Pflegeroboter übernehmen immer mehr Aufgaben für hilfsbedürftige Senioren. Dank eingebauter Kamera surren sie selbstständig durch die Wohnung und erkennen ihre Patienten. Dabei sprechen sie mit ihnen, erinnern sie an ihre Medikamente oder heben etwas vom Boden auf.
Per Greifarm bringen sie eine Wasserflasche oder holen ein Buch aus dem Regal. Sie erinnern ans Blutdruckmessen, sammeln Daten und senden sie an den Arzt. Viele sind mit einem Notrufsystem ausgestattet. Spezielle Roboter können Kranke aus dem Bett heben und tragen.
Bedient werden die Roboter über einen Bildschirm oder per Sprachbefehl. Mit Hilfe einer Fernsteuerung kann eine Pflegekraft den Roboter durch die Wohnung navigieren und per Kamera die örtliche Lage prüfen.
6. Saugroboter
7. Seniorenhandys
Die „Festnetztelefone“ haben extra große, deutlich beschriftete und oft beleuchtete Tasten. Außerdem ist das Display größer als sonst – ein großer Vorteil, wenn die Sehkraft nachlässt. Manche Handys können sogar „sprechen“.
Auch kannst du den Klingelton extra laut einstellen oder eine Freisprecheinrichtung nutzen. Ein Notrufknopf stellt die Verbindung zu vorher festgelegten Kontakten her. Einige Modelle versenden zusätzlich die Standort-Koordinaten, so dass die betreffende Person schnell Hilfe bekommt.
Spezielle Sensoren erkennen einen Sturz und setzen automatisch einen Notruf ab.
Fast 50 % der Personen über 70 nutzen zudem regelmäßig ein „Smartphone“. Kein Wunder, schließlich kann der Minicomputer fast alles: Fotos machen, Nachrichten senden, den Weg finden, im Internet surfen oder Musik abspielen.
Apps dafür lassen sich leicht aus dem Internet herunterladen. Es lohnt sich, ein paar Euro dafür auszugeben; denn: Gratis-Apps schicken oft störende Werbung auf das Display.
Der Nachteil: Viele Apps greifen auf deine Daten zurück – Thema Datenschutz. (Dazu hat unser Redaktionsmitglied Werner Langen schon veröffentlicht. Findest du über das Suchfeld auf unserer Website unter dem Suchwort „Datenschutz“.)
Bei Smartphones speziell für Senioren sind die Displays sowie die Symbole darauf besonders groß und kontrastreich. Alles ist prima zu erkennen und zu bedienen: Wenn du eine Nachricht verschicken möchtest, tippst du auf das passende Symbol. Das Gerät fragt dann, ob du den Text über die Tastatur oder per Spracheingabe eingeben möchten
Eine Herausforderung bei Smartphones ist die Aktualisierung. Du solltest die Sicherheits-Software und die Apps regelmäßig auf den neuesten Stand bringen. Notfalls die Hilfe der Kinder, Enkel oder Bekannten in Anspruch nehmen. Die können – nach Freigabe durch dich – sogar aus der Ferne auf dein Smartphone zugreifen und helfen.
Wenn du ein Hörgerät nutzt, sollte das Handy dazu „passen“. Sonst entstehen beim Telefonieren lästige Störgeräusche. Achte beim Kauf auf die drei Buchstaben HAC (Hearing Aid Compatibility = Hörgeräte-Kompatibilität). Ist allerdings kein Prüfsiegel, sondern eher ein Versprechen des Herstellers. Seniorenhandys aus den USA sind durchweg auf HAC geprüft. Oft steht dann hinter dem HAC noch ein T oder M plus eine Zahl zwischen 1 und 4. Der beste Wert ist eine 4. Immer mehr europäische Hersteller übernehmen dieses System.
Diese Anforderungen gibt es allerdings nur bei analogen Hörgeräten auf. Digitale Hörgeräte, die den Schall in elektronische Daten umwandeln, verstehen sich mit modernen Seniorenhandys meist problemlos.
8. Tablets für jedes Alter
Eigentlich kannst du jedes Tablet nutzen. Die Zahl der Apps lässt sich auf das Notwendigste reduzieren. Die Größe von Icons, also App-Symbolen, und der Schrift kann individuell eingestellt werden.
Spezielle Tablets für Senioren liegen besonders gut in der Hand, lassen sich leicht einrichten und bedienen. Auf dem Display erscheinen nur wenige vorinstallierte Apps, etwa fürs Internet (begrenzter Zugriff), fürs Fotoalbum oder für Textnachrichten. Dazu gibt es viele geprüfte Spiele. Über ein „Familienportal“ ist eine Kommunikation mit Familienangehörigen und Freunden erleichtert.
Es gibt noch weitere Helfer im Alter und bei Behinderung. Damit das Lesen zu diesem Thema nicht ermüdet, bringen wir eine Fortsetzung in einem weiteren Beitrag (39b).
(Quellen: www.bundesgesundheitsministerium.de / www.verbraucherzentrale.de)
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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