Recklinghausen-Suderwich. Ein Blick unter die Motorhaube kann derzeit nicht schaden, denn die meisten Marderschäden werden ganzjährig gemeldet. Wie man sich vor Marderschäden am Auto schützen können, erzählt ein Betroffener vom SBW.
Marder sind das ganze Jahr über aktiv. Ihre aktivsten Zeiten liegen im Frühjahr und auch jetzt aktuell im Herbst. Zur Paarungszeit im Frühjahr finden Rivalenkämpfe statt, im Herbst suchen sich Marder Schlaf- und Ruheplätze. Warme Motorräume sind beliebte Zufluchtsorte.
Schäden und Folgen
Im Jahr 2017 verursachten Marder 214.000 Schäden an kaskoversicherten Pkw und Kosten in Höhe von 72 Millionen Euro, so die Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Die Pannenhelfern wurde 2018 zu 10.588 von Mardern verursachten Pannen gerufen. Gemessen an den etwa 2,4 Millionen Pannen, zu denen die Straßenwacht jedes Jahr ausrückt, entspricht das einem Anteil von 0,4 bis 0,5 Prozent. Besonders häufig von Mardern beschädigt würden alle gummielastischen Bauteile wie Schläuche, Zündkabel, Stromleitungen und Isolationsmaterial.
Was Mardern "schmeckt"
Marder verursachen mit ihren Bissen in Gummi- und weiche Kunststoffteile oft beträchtliche Fahrzeugschäden. Diese Bauteile sind am häufigsten betroffen:
Zündkabel
Kühlwasser- und Scheibenwaschwasser-Schläuche
Kunststoffschläuche
Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung
Stromleitungen bzw. deren Isolierung
Isoliermatten für die Geräusch- und Wärmedämmung
Die Folgen
Angebissene Zündkabel können zu unrundem Motorlauf führen. Verletzungen an Gummimanschetten machen sich im Fahrbetrieb nicht sofort bemerkbar. Erst durch das folgende Eindringen von Schmutz und Wasser sowie durch den Verlust der Fettfüllung kommt es zur Schädigung der Antriebs- und Achsgelenke sowie ggf. der Lenkungsteile. Dies kann – insbesondere in letzterem Fall - auch zu einer Gefährdung führen. Werden die Schäden nicht rasch entdeckt, kann dies die Reparaturkosten drastisch erhöhen.
Durchlöcherte Kühlmittelschläuche führen zu einem Verlust an Kühlflüssigkeit mit der Gefahr der Motor-Überhitzung. Ein Verbiss von Unterdruckschläuchen kann zu Leistungsverlust führen, ggf. wechselt der Motor in das Notlaufprogramm.
Kabelschutz, Elektroschock, Ultraschall
Doch man kann den Nagern auch den Spaß am Auto verderben. Bewährt haben sich Elektroschockgeräte, die nach dem Prinzip eines Weidezauns leichte elektrische Schläge an den Eindringling verteilen. Der Einbau dieser Geräte mit mehreren Hundert Volt Spannung, aber ungefährlichen Strömen, sollte gut überlegt und sach- sowie fachgerecht ausgeführt werden.
Schutzschläuche aus Hartkunststoff zum Ummanteln der Zündkabel gibt es im Kfz-Zubehörhandel. Sie sollten so verlegt und gesichert werden, dass sie weder in bewegliche noch an heiße Teile geraten können. Sie bieten aber den ebenfalls häufig angebissenen Schläuchen und Achs-Manschetten keinen Schutz.
Ultraschallgeräte wiederum sollen Marder mit Tönen von ständig wechselnder Frequenz verjagen, die der Mensch nicht hören kann. Einbau und Anschluss sind mit wenig Werkzeug möglich und innerhalb einiger Minuten erledigt.
Motor-Abschottungen gegen Marder
Einen guten Schutz bieten auch Motorraum-Abschottungen an, die verhindern, dass Marder zu den Kabeln und Schläuchen gelangen. Einige Hersteller bieten die Abschottungen als Sonderausstattung an, für diverse Modelle gibt es Motorwannen zum Nachrüsten.
Zudem wird bei Marderbefall als erste Maßnahme eine fachgerechte Motorwäsche empfohlen, also den Motorraum gründlich reinigen zu lassen. Denn: Auf Duftspuren ihrer Artgenossen reagieren die Tiere meist sehr aggressiv und mit besonderer Beißwut. Generell gilt: Wenn möglich, sollten Autofahrer ihr Fahrzeug in der Garage parken.
Was die Versicherung bei Marderschäden zahlt
Wer sein Auto teil- oder vollkaskoversichert hat, ist gegen den finanziellen Schaden durch Marderbisse geschützt. Einige Tarife decken jedoch nur direkte Marderschäden ab, die Versicherung zahlt also nur für die beschädigten Teile. Andere Tarife umfassen auch die Folgeschäden – die Versicherung zahlt also sogar dann, wenn zerbissene Zündkabel den Katalysator lahmlegen, undichte Kühlschläuche zu Motorüberhitzung oder kaputte Gummimanschetten zu Schäden an den Antriebs- oder Achsgelenken führen.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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