Recklinghausen-Suderwich. Im Supermarkt reihen sich vor allem in den Sommermonaten etliche Mineralwasser aneinander. Doch warum trinken wir eigentlich nicht einfach Wasser aus dem heimischen Hahn? Hier der Versuch einer Erklärung.
Das ist unbestritten: Unser Leitungswasser gehört zu den strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Doch warum trinken wir es so wenig? Müssen wir eigentlich immer dieses prickelnde Gefühl von Kohlensäure haben, wenn wir Wasser trinken?
134 Liter Mineral- und Heilwasser wurden im vergangenen Jahr in Deutschland pro Person konsumiert. Davon waren 78 Prozent mit Kohlensäure versetzt. Offenbar lieben wir das Prickeln im Mund.
Hat eigentlich Mineralwasser mehr Mineralstoffe als Leitungswasser? Das ist pauschal nicht zu beantworten. Hier treten die unterschiedlichen Quellen, aus denen das Wasser kommt, in den Vordergrund. Sie sind nämlich für den unterschiedlichen Mineralstoffgehalt verantwortlich.
Ab einem Mineralstoffgehalt von 1.500 Milligramm pro Liter Wasser gilt ein Produkt als mineralstoffreich. Der Mineralstoffgehalt von Leitungswasser liegt zwischen 150 bis 600 Milligramm pro Liter Wasser. Ernährungswissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass wir aber den geringsten Teil der Mineralstoffe mit dem Wasser aufnehmen. Bessere Lieferanten sind hier Obst, Gemüse sowie Vollkorn- und Milchprodukte.
Doch was ist mit unserem Leitungswasser? Ist es mit Chemikalien belastet? In der Regel nein, sagt die Wissenschaft. Denn für Leitungswasser gelten zum Teil noch strengere gesetzliche Grenzwerte als für Mineralwasser. Und was ist mit Nitrat? Laut Bundesumweltamt ist eine Überschreitung des Grenzwertes beim Nitrat im Trinkwasser eine seltene Ausnahme. Zwar gibt es durch Landwirtschaft und Biomassenproduktion eine steigende Nitratkonzentration im Grundwasser, aber die Wasserversorger haben die Aufbereitung gut im Griff.
Dennoch hat das Umweltbundesamt mitunter Verunreinigungen mit Blei gefunden. Das ist ein Indiz für noch vorhandene Bleileitungen, die eigentlich verboten sind. Vor allem im Bereich Nord- und Ostdeutschland wurden solche Leitungen zum Teil noch bis Anfang der 70-er Jahre genutzt. Doch Vorsicht: Für Schwangere und Kleinkinder kann Wasser, das mit Blei belastet ist, gefährlich werden. Bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern können Schädigungen im Nervensystem auftreten sowie Beeinträchtigungen in Blutbildung und Intelligenzentwicklung beobachtet werden.
Also: Wer in einem Gebäude mit neuen Leitungen wohnt, kann Leitungswasser bedenkenlos trinken. Es ist genauso gut wie teures Mineralwasser.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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