Recklinghausen-Suderwich. Obst und Gemüse als Klimakiller? Diese Frage stellte die Verbraucherberatung NRW in einem Artikel vor einem Jahr. Eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Kaufverhalten. Wolfgang Wegener schaut genau hin.
Äpfel aus Neuseeland, Himbeeren aus Chile, Bohnen aus Kenia, Blaubeeren aus Peru, Erdbeeren nicht nur im Winter aus Spanien. Multi-Kulti in der Obst- und Gemüsetheke. Bei uns nach tausenden Reisekilometern. Ist das notwendig?
Äpfel auf Tour
Da liegt er, der Braeburn-Apfel, gepflückt in Neuseeland, verpackt in Kisten auf die Reise geschickt, über Land im Lkw, mit dem Schiff tagelang auf See, angelandet in einer holländischen Hafenstadt, wieder mit dem Lkw über die Autobahnen nach Deutschland. In rund 28 Tagen Tausende von Kilometern durch die Welt gereist. Ganz schön viel Aufwand für eine Obstsorte, die auch in Deutschland wächst.
Frische Bohnen mit dem Flieger
Wer vor Ostern frische Bohnen essen wollte, fand sie im Supermarkt. Die kamen aus Kenia, sind mit dem Flieger angereist, besonders klimabelastend. Der Flugtransport verursacht eine vielfache Menge an Treibhausgasen (kurz als CO2 bezeichnet) gegenüber dem Lkw-Transport. Wer kenianische Bohnen kauft, nimmt rund 52mal mehr klimaschädliche Emissionen in Kauf, als beim Kauf heimischer Bohnen in der Saison. Oder so gesagt: Für gleiche Co2-Emissionen bekomme ich entweder eine einzige flugtransportierte Kenia-Bohne oder 52 deutsche Bohnen (Lkw-Transport).
Unreife Ernte
Doch nicht nur an die miese Ökobilanz solltet ihr beim nächsten Einkauf denken: Wenn der Weg zur Ladentheke besonders lang ist, wird Obst und Gemüse oft unreif geerntet. Das reift dann auf dem Transport im Schiffsbauch. Direktvermarkter und heimische Landwirte bieten hingegen häufig Waren aus eigenem Anbau an und zwar zur passenden Erntezeit. Frische Früchte von Baum, Strauch und Feld, die reif geerntet werden und keine weiten Transportwege hinter sich haben, schmecken besser und können mehr gesunde Inhaltsstoffe enthalten.
Aufs Etikett schauen
Blickt doch beim nächsten Einkauf einfach etwas genauer auf das Etikett. Dort steht bei den meisten Obst- und Gemüsesorten das Herkunftsland. Und: Schaut doch mal im Saisonkalender für heimisches Obst und Gemüse nach, was gerade bei uns im Land frisch vom Feld kommt: https://www.verbraucherzentrale.de/sites/default/files/migration_files/media222992A.pdf oder als App mit dem Namen GrünZeit für Android und iOS.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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