Recklinghausen-Suderwich. In der vergangenen Woche hat Wolfgang Wegener die Schufa und die von ihr gesammelten Daten grundsätzlich vorgestellt. Fragt sich der Leser vielleicht: …und was soll das „Co“? Nun, die Schufa ist die älteste Bonitätsauskunftei – aber nicht die einzige. Unglaublich viele offene Forderungen landen bei den Inkasso-Unternehmen.
Die Verfolgung der Schuldner ist vielen Banken, Versicherungsgesellschaften, Versorgungsunternehmen, Online-Händlern zu mühsam, bindet Kräfte, die man im Vertrieb besser einsetzen kann. So kommen die Inkassofirmen zu einer Fülle von Daten über die Schuldverhältnisse in Deutschland.
Und diese Daten vermarkten sie in Form von Bonitätsauskünften. Der Otto-Versand hat z.B. eine Tochtergesellschaft, die EOS-Group, eines der größten deutschen Inkassounternehmen, das auch international arbeitet. Daneben gibt es weitere Datenkraken. Die sechs größten (laut Stiftung Warentest): accumio financeservices gmbh (Tochter der Telekom), Bürgel (Allianz und Otto-Versand), Creditreform, Deltavista GmbH, infoscore (Bertelsmann). Wer online einkauft, dem begegnen noch einige andere, wie Klarna, Paypal. „Weiß der Kuckuck, wo überall welche Daten über mich gespeichert und benutzt werden!“ meint Wegener dazu.
Irgendwann war es den Dateninteressenten, also den Banken, online-Händlern etc., zu mühsam, die Bonität eines möglichen Kunden aus der Vielzahl unterschiedlicher Negativmerkmale herauszulesen. Außerdem war man an Positiv-Daten interessiert. Das Puzzeln übernehmen die Auskunfteien seit einigen Jahren und präsentieren das Ergebnis in einem Score-Wert. Wegener erklärt das ausgeklügelte Bewertungs- und Punktesystem.
Erst Score-Werte machen es möglich, die Bonität eines Kunden blitzschnell und automatisch im Online-Handel zu berücksichtigen. Wenn Sie im Verlauf der Bestellung nach der Zahlart gefragt werden, also z.B. per Rechnung, Paypal, Kreditkarte, Direktüberweisung oder Lastschrifteinzug, werden Sie in der nach Ihrem Geburtsdatum gefragt.
Das ist dann die Ergänzung zu Post- und eMail-Adressen, die Sie schon zuvor erfasst haben. Die Daten werden – für Sie nicht erkennbar – an eine Auskunftei übertragen. Von dort kommt in Sekundenbruchteilen die Antwort zu der Zahlart, für die Sie gut sind. Bei sehr schlechtem Scorewert bleibt nur noch „Vorkasse“. Und zack – hat die Auskunftei schon wieder neue Informationen zu Ihrem Kaufverhalten. Die Bestelldaten notiert sich die Auskunftei. Kommt es beim Bezahlen der Ware zu Störungen, geht eine Meldung vom Lieferanten an die Auskunftei. Und schon sinkt Ihr Score-Wert ein wenig ab. Viele problemlos abgewickelte Geschäfte dagegen steigern Ihren Score-Wert.
Versuchen Sie im Internet einen schnellen Kredit zu bekommen, werden Ihnen zunächst verlockend günstige Zinssätze angezeigt. Haben Sie dann Ihre persönlichen Daten eingegeben, ist das Angebot plötzlich nicht mehr günstig. Grund: Ihr Score-Wert.
Die beiden Auskunfteien Schufa und CRIF Bürgel wollen umfassende Persönlichkeitsprofile über Strom- und Gaskunden in einer zentralen Datenbank speichern (E-Pool) und Energieanbietern zur Verfügung stellen. Wenn Sie – Ihr gutes Recht – zur Nutzung günstiger Einsteigerangebote öfter den Stromanbieter wechseln oder wenn es bei den Abbuchungen schon mal zu Rücklastschriften kam, könnten Sie es dann schwer haben, einen neuen Anbieter zu finden. Strittig ist noch, ob das gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstößt. Die sagt, dass man Daten nur bei einem berechtigten Interesse sammeln darf.
Nutzen Sie einmal jährlich Ihr Recht zu einer kostenlosen Auskunft über die von Ihnen gehaltenen Daten. Nur so erfahren Sie, welche Kriterien ihre Bonitätsbewertung, den Score-Wert positiv oder negativ beeinflusst haben. Näheres dazu in dem Artikel von vergangener Woche. Wenn Sie Hilfe benötigen, schreiben Sie uns an schuldnerberatung@nak-sbw.de,
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