Recklinghausen-Suderwich. Schlankheitsmittel und Diäten haben immer Hochkonjunktur. Jetzt im Lockdown besonders. Wir alle sehnen uns nach Freiheit, Urlaub, Strand und mehr. So manch einer denkt sich: „Bis es soweit ist, kann ich die Zeit nutzen, um an meiner Strandfigur zu arbeiten.“
Dieser Gedanke ist sehr vernünftig, denn Gewicht zu verlieren steht für die meisten von uns ganz oben auf dem Wunschzettel. Hier greift die Werbung an und überschüttet uns mit unglaublich vielen Schlankheitsmittel, Diätpillen und Pülverchen. Alle versprechen uns, das „Wahre“, „Einzige“ zu sein, was „selbstverständlich“ zum Erfolg führe, da „tausende begeisterte Anwender*innen bereits darauf schwören“. Doch was steckt wirklich dahinter, fragt Dagmar Windbiel vom SBW.
Um es vorweg zu nehmen, dieser Artikel kann nur die wichtigsten Vertreter anreißen, da eine ausführliche Würdigung aller Mittel und Diäten an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Und: Um das Gewicht nachhaltig zu reduzieren, ist es unerlässlich, Ess- und Lebensgewohnheiten zu ändern. Wundermittel gibt es nicht!
Grundsätzlich kann man die Schlankheitsmittel in frei verkäufliche Produkte und verschreibungspflichtige Präparate unterteilen. Zu den frei verkäuflichen Mitteln gehören auch so genannte gefährliche Schlankmacher von dubiosen Internetseiten.
Was sind „gefährliche Schlankmacher“ und welche Inhaltsstoffe haben sie? Das sind Mittel, die ohne Mühe in kürzester Zeit die Pfunde purzeln lassen sollen. Oft werden sie verharmlosend als rein pflanzlich, oder 100 Prozent natürlich beworben. In Wahrheit enthalten die aus unsicheren Quellen im Internet gekauften Präparate neben harmlosen, aber auch eher unwirksamen Zutaten, wie Guarana, grüner Tee, Mate oder Süßholzextrakt oft gesundheitsgefährdende und nicht deklarierte Inhaltsstoffe wie das wegen seiner Nebenwirkungen vom Markt genommene Sibutramin (seit 2010 verbotener Appetitzügler), krebserregendes Phenolphthalein oder Fluoxetin, ein eigentlich verschreibungspflichtiges Medikament gegen Depressionen.
Zu den frei verkäuflichen Mitteln zählen unter anderem Entwässerungsmittel, Abführmittel und Schlankheitstees, wie der Pu-Erh-Tee, der vor Jahren einen regelrechten Hype auslöste. Diese bewirken nur einen kurzfristigen Erfolg, da sie lediglich eine vermehrte Ausscheidung von Körperwasser bewirken, aber kein Körperfett abbauen. Diese Mittel können zu Beginn einer Diät, Fastenkur oder zur Entschlackung sinnvoll sein. Zum Abnehmen sind sie völlig ungeeignet.
Fettbindende und sättigungsfördernde Mittel
Zur Fettbindung wird gerne Chitosan (gewonnen aus Schalentiere) oder Pflanzenfasern (vornehmlich aus Zitrusfrüchten) in Tabletten verwendet. Ungefähr eine halbe Stunde vor der nächsten Mahlzeit werden ein bis zwei Tabletten eingenommen. Im Magen quellen sie auf und binden durch ihre spezielle Faserstruktur einen Teil der aufgenommenen Fette aus der Nahrung. Diese gebundenen Fette werden unverdaut wieder ausgeschieden.
Fettbindende Mittel erwecken die Illusion, man müsse nur eine Tablette einwerfen und könne ungehemmt Pizza, Chips und Co. in sich hineinstopfen. Leider funktioniert das nicht so, im Gegenteil: Fettbinder können Verdauungsprobleme verursachen und die Aufnahme wichtiger Vitamine und Mineralstoffe behindern.
Quellstoffe als Appetitzügler
Appetithemmer aus Algen oder Ballaststoffe wie Konjakmehl (ein Mehl zum Eindicken von Speisen in der asiatischen Küche) aus der Konjak-Knolle werden in Kapseln eingenommen, dehnen sich im Magen um ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens aus und sollen so den Appetit mindern. Allerdings wird dadurch der Fettstoffwechsel nicht angekurbelt.
Fettkiller oder Fatburner
Sie sollen den den Stoffwechsel ankurbeln und dadurch im Körper mehr Fett verbrennen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören die Aminosäuren L-Carnitin oder Chitosan (s.o.) Ephedrinhaltige Fettburner sind mittlerweile in Deutschland verboten, da sie nicht nur den Blutdruck erhöhen, sondern bei hoher Dosierung zu Kreislaufkollaps und Herzbeschwerden führen können.
Mahlzeitenersatz-Pulver
Sie bestehen hauptsächlich aus Eiweißkomponenten. Diese Pulver (z.B. Almased, Slim fast, usw) werden durch Zugabe von Flüssigkeit wie Wasser, Fruchtsaft oder Magermilch zu einem Speiseersatz und können über einen längeren Zeitraum eine herkömmliche Mahlzeit am Tag ersetzen. Auf Dauer wird diese Diät etwas eintönig und wie viele Diäten wirkt sie nur vorübergehend. Sobald das Wunschgewicht erreicht ist und die Anwender wieder in ihre „normalen“ Ernährungsmuster zurückfallen, kommen die verlorenen Kilos wieder zurück und bringen gerne noch ein paar Freunde mit.
Light-Produkte
Viele Produkte sind mittlerweile als Light-Version auf dem Markt. In der Regel bedeutet „Light“, dass es sich um eine kalorienärmere Variante handelt. Es kann aber auch eine fett-, alkohol-, zucker-, oder koffeinreduzierte Variante sein. Um Light-Produkte so aussehen und schmecken zu lassen wie die Ursprungsprodukte ist meist eine aufwändige Verarbeitung erforderlich, bei der verschiedenste Zusatzstoffe (Aromen, Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel) eingesetzt werden. Viele dieser Lebensmittel sättigen nicht anhaltend, so dass noch mehr gegessen wird und die Übersicht über die tatsächliche Kalorienmenge verloren geht. Außerdem können Light-Produkte zum Verzehr größerer Portionen verleiten. Ungünstige Essgewohnheiten werden durch sie nicht geändert.
Fazit:
Medikamente und Schlankheitsmittel können nur eine untergeordnete Rolle bei der Gewichtsabnahme spielen. Entscheidend ist dagegen, Kalorien im Rahmen einer abwechslungsreichen und gesunden Mischkost einzusparen und ein vernünftiges Essverhalten, zum Beispiel in einer Gruppe, zu lernen. Auch körperliche Bewegung ist ein Muss, wenn es dauerhaft mit der Gewichtsreduzierung klappen soll.
Quelle: Verbraucherzentrale
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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