Recklinghausen-Suderwich. Diebstahl von Geldkarten und PIN – Shoulder-Surfing nennen das Kripo-Beamte. Was passiert da? Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz und Wolfgang Wegener vom SBW klären auf.
Zunächst schauen die Langfinger dem Bankkunden über die Schulter, wenn er die PIN am Geldausgabeautomaten (GAA) eingibt – daher der Begriff Shoulder-Surfing. Dann lenken sie den Kunden ab, um seine Karte zu stehlen. Sie bitten zum Beispiel um Hilfe, weil sie an einem zweiten Automaten nicht klar kommen, sagen sie.
Während der Kunde so abgelenkt ist, entnimmt ein zweiter Täter dessen Karte aus dem Ausgabeschlitz des GAA und ersetzt sie durch eine Gefälschte. Bevor der Austausch bemerkt wird, heben die Diebe an einem anderen GAA das vorhandene Bargeld ab. Nach Berichten der Polizei gibt es noch andere Varianten dieses Betrugs.
Aus seiner beruflichen Erfahrung empfiehlt unser Ratgeber in Finanzangelegenheiten, Wolfgang Wegener: Immer darauf achten, dass andere Anwesende ausreichend Abstand halten. Wenn nicht, höflich aber bestimmt darum bitten.
Bei Unsicherheit lieber den Auszahlungsvorgang abbrechen und sofort kontrollieren, ob man die richtige Bankkarte zurück erhalten hat.
Bei der PIN-Eingabe das Tastenfeld mit der anderen Hand gegen Einblick abschirmen. Wenn Eingabefeld oder Aufnahmeschlitz des GAA für die Karte ungewöhnlich aussehen, den Abhebungsvorgang abbrechen und Bankmitarbeiter oder die Polizei informieren. Diebe haben auch schon durch aufgeklebte Vorsatzgeräte Karten ausgelesen und die PIN ausgespäht.
Bei Verlust der Bankkarte sofort unter der bundesweiten Telefonnummer 116116 die Karte sperren lassen. Dazu müssen Sie nur Ihre Kontonummer und den Namen Ihrer Bank nennen. Anschließend bei der Bank vorsprechen und die weiteren Schritte klären. Meldet sich angeblich ein Bankmitarbeiter, nie in einem Telefonat oder nach eMail-Anfrage die PIN bekannt geben. Kein Bankberater wird jemals eine solche Frage stellen.
Meist kann man mit einer Karte im Laufe eines Tages bis zu 1.000 Euro vom Konto abheben. Wer normalerweise so viel Bargeld nicht benötigt, sollte seine Bank bitten, diese Grenze herabzusetzen. Damit reduziert man das Diebstahlsrisiko.
Niemals die PIN-Nummer zusammen mit der Karte bei sich tragen. Verliert man beides kann die Bank den Ersatz des Schadens nach Abräumen des Kontos durch Diebe verweigern. Auch zuhause die PIN vor dem Zugriff durch andere Personen schützen. (Wegener hat schon einige Male völlig entsetzte Gesichter von betrogenen Bankkunden gesehen, wenn man ihnen das Foto der Person zeigte, die das Geld abgehoben hatte: der Enkel, die Reinigungskraft, der Lebensgefährte ….).
Und wenn die von der Bank erhaltene PIN-Nummer schwer zu merken ist, rät Wegener dazu, die PIN-Nummer in eine vertraute Ziffernfolge zu ändern, beispielsweise Hochzeitstag (kennt doch jeder Mann!) oder Geburtsdatum eines lieben Menschen. Die Änderung kann man selbst am Automaten vornehmen.
© Gruppe Sozial- und Bildungswerk
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